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Diego Garcia, Chagos-Archipel.
Diego Garcia, Chagos-Archipel.
Ueber Diego Garcia, die Hauptinsel der auf der Route zwischen dem
Golf von Aden und Australien liegenden Chagos-Gruppe, enthalten die Segel-
anweisungen noch verhältnifsmäßig wenig Angaben. KEinige Bemerkungen über
dieselbe nach dem Berichte S, M, S. „Marie“ wurden auf Seite 133 der dies-
jährigen Annalen gegeben, wir lassen hier noch cinige Ergänzungen nach einer
Beschreibung des Herrn G. €. Bourne,*) welcher behufs Erforschung der Flora
und Fauna einige Monate auf der Insel verweilt hat, folgen,
Diego Garcia ist gleich den übrigen Inseln der Gruppe ganz aus Korallen
gebildet; es ist ein niedriges Atoll von unregelmäfsiger Form, dessen gröfste
Länge von Norden nach Süden 12'% Sm und dessen gröfste Breite von Ost
vach West 6'4 Sm beträgt. Abweichend von den anderen Atolls der Gruppe,
ist die Laguro fast ganz von Land eingeschlossen, jedoch sind im Norden und
Nordwesten vier Oeffnungen, welche durch die kleinen Inseln, West- oder Bird-L.,
Middle-I. und Kast-I., getrennt werden. Die westlichste Passage verdient kaum
diesen Namen, denn das Riff reicht in derselben fast bis zur Oberfläche des
Wassers, und der größte Theil desselben fällt bei Niedrigwasser trocken. Der
Kanal zwischen West- und Middle-I. ist 1'/2 Sm breitz das östlichate Drittel
desselben ist nicht passirbar, weil hier das Riff bis zur Wasseroberfläche sich
erhebt, der übrige westliche Theil jedoch ist 11—15 m tief und von den gröfsten
Schiffen obne Schwierigkeit zu passiren.
Der Kanal zwischen Middle- und Fast-J, ist nur 4 Kabilg. breit, erreicht
aber eine Tiefe von 27m;*) er ist jedoch für Schifle nicht praktisch, da in
demselben ein starker Strom läuft und viele Korallen-Untiefen bis dicht unter
die Oberfläche reichen, I ;
East-I. jet 9 Kabllg. von der Hauptinsel entfernt und die zwischen-
liegende Passage 7—9 m tief, aber die Navigation wegen der Korallen-Stellen
schwierig. Der zusammenhängende Landstreifen, welcher die Lagune im Osten,
Süden und Westen umgiebt, jest im Durchschnitt !/s Sm breit, an einer Stelle
jedoch kaum mehr als 20 m, die Nordwest-Spitze dagegen fast 1 Sm. Das Land
erhebt sich bei Hochwasser nur wenig über Wasser, mit Ausnahme einiger
Stellen, wo der Wind höhere Sandbänke angeschüttet hat; es ist ringsum mit
Kokospalmen und anderen Gewächsen dicht bestanden, .
Die Lagune hat eine mittlere Tiefe von 20m, die größte Tiefe beträgt
33m. Zahlreiche Korallen-Stellen legen in derselben, von denen einige bis zur
Wasseroberfläche reichen, andere von 4 bis 5m Wasser bedeckt sind; trotzdem
bietet die Navigation, mit Ausnahme im südlichen Theile, keine Schwierigkeiten,
und bildet die Lagune einen vorzüglichen Hafen, .
Der Südost-Passat weht beständig während sechs Monate, von April bis
September, während der übrigen Zeit des Jahres liegt die Tusel mehr oder
weniger im. Bereiche des Nordwest-Monsuns, und zeichnet sich diese Poriode
durch häufge Stillen und starke Regenfälle aus. Wenngleich die Zeit des
Südost-Passates als die trockene, die des Südwest-Monsuns als die nasse Jahres-
zeit angesehen wird, so war das Verhältnifs im Jahre 1885 doch gerade um-
gekehrt, indem der Südost-Passat täglich heftige Regengüsse brachte. Higent-
lich kann man sich jeden Tag auf Diego Garcia auf Regen gefafst machen.
Die Temperatur schwankt zwischen 30° €, am Tage und 25,5° C. des
Nachts und überschreitet diese Grenzen selten. Obgleich die Hitze an und
für sich nicht sehr grofs, so wird sie doch, mit der Feuchtigkeit der Atmo-
sphäre verbunden, für Europäer sehr drückend, Trotzdem kann das Klima als
gesund angesehen werden; Malaria oder andero Fieber kommen auf der Insel
nicht vor; die Hauptkrankheitserscheinungen sind Rheumatismus und Kolik,
durch die Feuchtigkeit resp. durch schlechte Nahrung und brackiges Wasser
hervorgerufen,
Wasser, allerdings nur schlechtes, kann man überall auf der Insel be-
kommen, wenn man Löcher von 2m Tiefe gräbt.
I) Findlay’s „Indian Ocean“, 1882, Seite
8) „Proceedings of the Royal Geographical
$ Nach der neuesten Karte bis zu 35 m-
522.
Society“, Vol. VIII No. 6.