Notizen über die Neu-Hebriden,.
483
kein richtiges Bild. Die Bucht, worin die Insel Lenure liegt, geht viel tiefer
hinein; es waren Kurse nöthig, die nach der Karte über Huks und Riffs geführt
hätten. Das Riff südlich und südöstlich von den Maskelyne-Inselu ist oben
schon crwähnt; zwischen den Inseln sind Ein- und Durchfahrten mit guten
Ankerplätzen, wovon Französische Aufnahmen existiren.
Die Insel Lenure ist schwer zu finden. Sie soll, von West gerechnet,
wo eine Insel sichtbar frei an der südlichsten Spitze Mallicollo’s liegt, die erste
Insel sein, Indessen, abgesehen davon, daß es von Osten kommend ein zeit-
raubendes Absuchen sein würde, ist damit ein Verfehlen nicht ausgeschlossen,
wenn man nicht stets dicht an der Küste bleibt.
Bezüglich der Bezeichnung des Platzes sei bemerkt, dafs or nicht weniger
wie vier Namen hat, nämlich Lenure, Leonore, Labore (Lab-boor) und Hafen
von Ravaillec, letzterer angeblich nach dem Lotsen cines Französischen Kriegs-
schiffes.
Der Hafen ist nicht grofs, aber für Schiffe von gröfstem Tiefgang
benutzbar und genügend sicher bei allen Winden, Es setzt in demselben
ziemlich starke Gezeitenströmung.
Die Insel selbst ist klein und niedrig, korallinisch, mi$ dichtem Busch
urwäldlich bewachsen; von See wird sie fast in der Mitte von einem Einlauf
durchschnitten, der nur etwa 10m vom Hafen endet und bei hohem Wasser sie
ganz in zwei Theile trennen mag. Früher soll die Insel bewohnt gowesen sein,
wovon auch vorgefundene Hüttenfundamente und aus Korallengestein zusammen-
getragene Umwallungen zeugen. ;
Proviant, wie Schweine, Yams u. a., ist genügend vorhanden. Kin
Frischwasserflußs wurde dagegen nicht gefunden und wird, nach den vielfachen
Cysternen zu urtheilen, auch wohl nicht in bequemer Nähe vorhanden sein.
6. Insel Pentecost.!) Beim Ankem in Fanmarmar, an der SW- Seite
der Insel, lag das Schiff auf 400 m vom Lande in 23m Wassertiefe, und wurde
behauptet, dafs dies auf weite Entfernung der einzige Ankerplatz sei. Er hat
zuten, aus Schlick bestehenden Ankergrund und ist gegen Ost- und Südost-
Winde geschützt, Zum Ansteuern wurde beim zweiten Male ein ganz spitzer
kegelförmiger Berg benutzt, der in S 60° O gehalten wurde. Die Ankerpeilungen
waren: Südlichste Huk S4° W, Point Ridge N 16° W mifsweisend.
Das Land selbst ist das zerrissenste, was man sich denken kann; Berge
wunderbarster Form wechseln mit tiefen Schluchten, sind alle bis auf die
höchsten Spitzen dicht bewachsen und zum Theil auch bis dahin bewohnt, wie
aufsteigender Rauch verrieth. Mehrere kleine Flüsse, aus denen leicht Wasser
zu entnehmen wäre, wurden gesehen.
Die Eingeborenen zeichnen sich im Allgemeinen durch einen wilden
Charakter und eine feindselige Haltung gegen Fremde aus,
7. Wirkliche Lotsen wurden an keinem der besuchten Plätze gefunden,
die von „Albatrofs“ engagirten versahen nur den Dienst, den Platz überhaupt
zu zeigen, am Aufsuchen des Ankerplatzes und der Narvigirung im Ganzen be-
theiligten sie sich nicht.
Die Temperatur - Verhältnisse waren während des Aufenthaltes sehr
angenehm, zwischen 24,5° und 27,8°C. Der Barometer schwankte normal
zwischen 763,1 und 767,0 nm. Der Wind war mit Ausnahme weniger Stunden
ain strammer Südost-Passat; zwischen den Insela traten Böen von äußserster
Heftigkeit auf,
‚Pacific Islands“, Vol. I, 1885, S. 22.
Findlay’s „South Pacific“, 1884, S. 764.