Reiseberichte S. M. Kr. „Albatrofs“,
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bis dicht an die Oberfläche des Wassers hinanreichend und steil abfallend,
Gleich zu Anfang mußte das Schiff zwischen zwei Riffen, welche kaum 50m
von einander lagen, hindurch, Bei sich nähernden Regenböen liefs der Lotse
das Schiff an Stellen freieren Wassers stoppen. Derselbe und der Navigations-
offizier befanden sich im Vortopp; aber schon von der Kommandobrücke aus
konnten meist alle Rife cher wahrgenommen werden, als die Direktiven vom
Vortopp zur Vermeidung derselben gegeben wurden; jedoch sind nach Angabe
des Lotsen einige weitere Ausbiegungen und Umwoge gemacht worden, da er
yewisse, ihm der ungefähren Lage nach bekannte Riffflecke in Zeiten schlechter
Beleuchtung nicht habo schen können. Um 11* 30" wurde bei Ngaraksau, dem
Lande möglichst uaho, geankert. Dieser Platz ist aber schlecht, 45m Tiefe
und wenig Platz zum Schwingen; es empfichlt sich, ca %%4 Sm weiter ab bei
Ngarabassang auf einer Bank mit 13—20 m zu ankern.
Auch hier wurde der Nachmittag dazu benutzt, die Küste und Riffe durch
Peilungen und Skizzen festzulegen. Am 22. wurde derselbe Weg zurückgedawpft
and die Altngot-Passage südlich bis zur Kaschakschau-Passage, d.h, derjenigen
Deffuung, in welcher man per Boot am nächsten nach Koryor selbst gelangen
konnte, verfolgt, Auf der Fahrt hierher wurden die früheren Aufzeichnungen
kontrollirt und alle Deckpeilungen, welche sich boten, zum "heil doppelt, ge-
Lommen, um die genaue, von der Karte schr abweichende Richtung der Küste
zu erhalten. Vor genannter Kaschakschau-Passage wurde nach Vermeidung
einiger Rifffiecke und unter schliefslichem Vorschicken des Dampfkutters, da
die Sonne von vorne war, geankert. Bis zu letztgenannten Riffflecken war das
Fahrwasser rein, das Strandriff lag dicht an der Küste, die Riffspitze südlich
von Komolokt markirte sich an ihrem Südost-Rande durch Farbe und einzelne
hervorragende Steine,
Auch hier wurden während des bis zum nächsten Vormittage dauernden
Aufenthaltes Peilungen, Distanzbestimmungen und Skizzen von Bord und Land
aufgenommen, sodann wurde unter Nehmen von Deckpeilungen etc, südlich
weiter gedampft, der Lotse vor der Kasebogau-Passage abgesetzt und der Rück-
weg nach Yap eingeschlagen, Der Lotse, Kobak Ivo, hatte stets eine vor-
zügliche Ortskenntnifs und Verständnifs für das Dirigiren dos Schiffes gezeigt,
An Lebensmitteln waren auf den Palau-Inseln Schweine, Hühner, Früchte
and Taro reichlich vorhanden und leicht einzutauschen, Ueber Wasserbeschaffung
sind keine Erfahrungen gesammelt, doch soll Wasser in guter Qualität an ver-
schiedenen Orten reichlich vorhanden sein,
Mit flauen westlichen Winden wurde nach Yap zurückgedampft. Die
Südwest-Insel der Matelotas wurde in klarer Vollmondsnacht bereits auf 11 Sm
Entfernung gesehen, Am 25. September wurde Yap erreicht und Nachmittags
in der Tomil-Bucht,') und zwar in dem kleinen Hafen südlich von Blelatsch,
in der Nähe der Hernsheim’schen Faktorei mit zwei Ankern geankort. Dieser
Platz ist geräumig genug und bietet Kohlen nehmenden Schiffen den Vortheil,
dio Kohlenprähme mittelst einer Trosse fährartig längsseit und zurück an Land
zu holen.
Da der Kommandant gefunden hatte, dafs die Seekarte zwar als Skizze
eing allgemeine Orientirung zuliefs, sonst aber nach Entfernungen und Peilungen
keine Zuverlässigkeit besafs, so nahm er während des zweitägigen Aufenthaltes
eine Vermessung der Bucht vor, Hiernach verläuft das Riff an der Westseite
ler Einfahrt relatir flach; der Eingangsfelsen (Entrance Rock) liegt durchaus
nicht an der Riffkante, sondern man mufß in ca 2'% Kabllg. Entfernung von
demselben bleiben. Im Uebrigen fällt das Riff fast überall steil ab, Als An-
steuerungsmarke kann dienen: ein auf der Spitze eines entfernten Berges stehen-
ler knopfartiger Busch. in Linie mit der Ostkante der Insel Egnotsch ( Tommi )s
welche durch Flaggenstange und Häuser der Faktorei der Handels- und Plan-
tagengesellschaft kenntlich ist, in ungefähr NzW'/W, Diese Linie führt auch
irei von einer abgesondert liegeuden flachen Stelle an der Ostseite der Einfahrt,
Es wurde hier %ı bis 1 Kablig. südlich der den Eingang in die Tomil-Bai
östlich begrenzenden Rifkante und 4 Kabllg. östlich vom Entrance Rock eine
Stelle mit 5 und 6m Wasser angetroffen, während die 3,6 m-Stelle, welche
+ „Paecifle Istands*, Vol. I, 1885, Seite 157.