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Reiseberichte S, M. Kr. „Albatrofs“,
Bericht über die Reise S. M. Kr, „Albatrofs‘“ ‚on Matupi durch die
Carolinen- und Palau-Inseln, zurück nach Matupi und weiter nach
Cooktown, und die angestellten hydrographischen und
kartographischen Beobachtungen.
Aus dem Reiseberichte des Kommandanten, Korr.-Kapt. Plüddemann.
{Hierzu Tafel 16.)
Nachdem S. M. Kr. „Albatrofs“ am 4. September Abends 6 Uhr den
Hafen von Matupi verlassen, fand er draufsen fast vollständige Stille vor,
welche die — überhaupt nur ansnahmsweise setzbaren — Segel fast wirkungslos
jiefs, Die See war glatt wie im Sommer die Ostsee. Am 6. Mittags wurde
Vandola passirt, Aus aufsteigendem Rauche zu schliefsen, war diese Insel be-
wohnt. Ein starker Nordwest-Strom machte sich am Nachmittage sehr bemerk-
lich, Es wurde nun Kurs recht auf die auf der Karto verzeichneten zwoi Inseln
(reported 1877) auf 0° Breite und 146° Länge gesetzt und diese Stelle am 7,
5 Uhr Abends passirt, — stromversetzungshalber ca 4 Sm südwestlich — ohne
dafs in einer Entfernung von 16 Sn von der Bramras aus ctwas von ilmen
wahrgenommen werden konnte, Es herrschte von nun au drückendo Hitze bei
fast rollkommener Stille, welche nur selten durch einen leisen Luftzug unter-
brochen wurde. Das Wasser war ganz glatt, nur eine niedrige lange Dünung
lief von Norden her, Am 10, bei Sonnenaufgang sah es frappant so aus, als
wenn das Schiff sich einem schr ausgedehnten Riffe mit grünem Wasser und
starker Brandung näherte, Nach Annäherung auf ca !/a Sm crwies sich die
Erscheinung als Luftspiegelung und Täuschung. Am 12. fing der Himmel an,
sich zu bedecken. Frischer Südwestwind kam durch, so daß die Raasegel
gesetzt werden konuten. Gegen Mittag, mit dem Insichtkommen von Yap,
wurde es böig und regnerisch und blieb nun auch 8o für die nächste Zeit,
Nachdem der Kreuzer sodann von dem Lotsen an der Westseite der Hafon-
einfahrt festgesetzt, aber nach etwn 1 Stunde wieder abgekommen war, wurde
gegen 51 Uhr in der Tomil-Bucht geankert.
Nachdem Kohlen genommen, setzte der „Albatrofs“ am 15. September
die Reise zunächst nach den Palau-Inseln*) fort. Wie während des Aufent-
haltes in Yap, so wurde nun auch draufsen unangenehmes Wetter angetroffen,
stürmischer SWzW-Wind mit vielen Regenböen und hoher See. Das Fahrzeug
konnte nur mit Maschine nnd Segeln aufkreuzen. Am 18. Abends endlich hatten
sich Wind und See 80 viel gelegt, dafs gerader Kurs auf Baobeltaob gedampft
werden konnte. Am nächsten Nachmittag kam solbiges in Sicht, und, nachdem
der „Albatrofs“ während der folgenden Nacht beigelegen, lief er am 20, weiter
darauf zu. Als Lotse für die Palau-Gewässer war ein Häuptling von Koryor
mitgenommen, welcher S. M. Knbt, „[/itis“ daselbst gelotst hatto und schließlich
mit nach Yap genommen war. Der Kommandant mulste sich von nun fast ganz
auf denselben verlassen, da die vorhandene Seekarte nur geringe Achnlichkeit
mit der Wirklichkeit zeigte, Er beabsichtigte, zunächst nach Norden, nach
Molegejok, und zwar durch das Binnenfahrwasser innerhalb des Saumriffes zu
gehen, mußte dies aber des Wetters wegen aufgeben. Schwere Regonböen und
damit unzurerlässige Beleuchtung ließen es dem Lotsen zu gewagt erscheinen,
sich in das schr schwierige Fahrwasser hineinzubegeben. Derselbe brachte
daher das Schiff auf einen Ankerplatz vor der Insel Korak. Die in diesen
Annalen 1876, Heft VII, auf der Karte der Palaw-Inseln — nach Aufnahmen
8, M. S. „Hertha“ —. enthaltene Vertonung erwies sich als im Ganzen voll-
ständig korrekt, Nachdem am Nachmittage so viel wie möglich die Küste
durch Peilungen vom Schiff und Land sowie durch Skizziren aufgenommen
war, ging der Kreuzer am nächsten Morgen nach Norden,
Die Einfahrt in die Lagune ist klar und breit, die Konturen des Riffes
an beiden Seiten verlaufen aber so allmählich, dafs man gut thut, möglichst
die Mitte der Einfahrt zu halten. Bald kam das Schiff in ein wahres Labyrinth
von Riffen, alle jedoch bei guter Beleuchtung sich scharf markirend, meistens
5 „Pacific Islands“, Vol. I, 18385, Seite 158.