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Reisebericht der Deutschen Bark „Speenlant“.
Leuchtthurm auf der Duiven-Insel West, 4 Sm entfernt, und waren somit aus
der Balı-Strafse heraus, Am 16. September 1884 um 4* 10” p.m, ankerte
„Speculant“ auf der Binnenrhede von Batavta.
1V. Der Hafen von Tandjong Priock.')
Ueber diesen Hafen, dessen schlechte Gesundheitsverhältnisse in den
Aunalen schon mehrfach erwähnt wurden, berichtet Kapt, Kampehl, wie folgt:
UVeber Batavia kann man sich in jedem Segelhandbuche informiren; nur
möchte ich noch Einiges über den in der Nähe neu angelegten Hafen von
Tandjong Priock erwähnen. Dieser Hafen ist gegenwärtig — September 1884 —
so weit fertig, daß die gröfsten Segelschiffe und Dampfer dort bequem liegen
und namentlich auch im NW-Monsun ungestört löschen und laden können,
während auf der Rhede von Batavia in letzterer Jahreszeit manche Unter-
brechungen vorfallen, Kleine Dampfer sind vorhanden, welche die Segelschiffe
für ein Geringes ein- und ausschleppen, Insofern ist Alles gut und nach Wunsch,
Wehe aber den Mannschaften der Schiffe, die in Tandjong Priock zu löschen
haben und sich dort längere Zeit aufhalten müssen. Es giebt wohl keinen
zweiten Platz, der so ungesund ist, als dieser, Noch hat kein Segelschiff diesen
Platz verlassen, oblne dem Seusenmanvde seinen Tribut gezahlt zu haben, Mit
nur äufserst geringen Ausnahmen sind die Besatzungen der dort gewesenen
Segelschiffe alle von dem gefährlichen Sumpffieber befallen worden, und ein
Theil derselben mulste es stets mit dem Leben bezahlen, Die Deutsche Bark
„Moltke“ verlor, einschliefslich des Kapitäns, den gröfsten Theil ihrer Mann-
schaft. So geht es aber nicht den Deutschen Schiffen allein; die Schiffe aller
Nationen leiden im gleichen Mafse. In Batavia suchte man dem Kapitän des
„Moltke“ die Schuld beizumessen, weil er die Leute in den Kohlen habe arbeiten
lassen und ihnen nicht des Abends das Baden verboten habe. Das ist aber
Unsinn; ist doch der Kapitän sclbst gestorben, der doch sicherlich nicht Kohlen
geschaufelt hat. Zwei Englische Kapitäne, die in Tandjong Priock ihre Ladungen
gelöscht hatten, versicherten mir, dafs, wenn sie noch einmal dorthin müfsten,
sie ihre Leute in Batavig einquartieren und nicht eher wieder an Bord nehmen
würden, ala bis das Schiff auf die Rhede gelegt sei. Beide Kapitäno hatten
den gröfsten Theil ihrer Leute verloren, und die Ueberlebenden waren lavge
schwer krank, während gleichzeitig auf den Schiffen auf der Rhede von Batavia
kein Krankheitsfall vorkam,
Ich sprach mit Kaufleuten in Batavia über diese Angelegenheit und
meinte, dafs die ungeheure Summe, die der Hafon gekostet häite, so gut wie
weggeworfen sei, weil die Segelschiffe nach allen diesen Todesfällen in Zukunft
denselben nicht besuchen würden, „Keineswegs“, erhielt ich zur Antwort,
„denn namentlich beim Import von Kohlenladungen sei die Anlage von Tandjong
Priock eine grofse Erleichterung für die Kaufleute. Sie könnten auch Schiffe
genug bekommen, wenn sie nur 6 d. per Ton Fracht mehr böten, als nach
Batayvia.“ Diese Behauptung ist leider richtig. In Cardiff war mehr Nachfrage
für eine Charter nach Tandjong Priock, als für eine auf der Rhede von BHatavia,
und scheint es demnach, als ob manchem Rheder für eine Mehrfracht von 6 d.
per Ton das Leben der Schiffsmannschaft feil wäre. Für Dampfer, die sich
nur kurze Zeit dort aufhalten, ist Tandjong Priock von sehr grofsem Vortheil.
Sie gehen deshalb auch dorthin; über selbst für die grofsen Dampfer ist der
Aufenthalt immer nur 24 Stunden, Ein Segelschiff sollte, wenn irgend möglich,
Tandjong Priock vermeiden. Mögen diese Zeilen dazu beitragen, dafs von
Deutschen Kapitänen keine Charterpartien dorthin abgeschlossen werden.
Aus dem Reiseberichte des Kapt. A, Ziemann,
Führer des Belgischen Dreimastschoners „General Brialmont“, .
(Mittheilung von der Deufschen Seewarte,)
ij. Arica. Von /quique kommend, steuerten wir am 3. Oktober 1884
bei leichtem NW-Winde, der später auf SW holte, recht auf den „Morro von
Arica* und kamen um 1* p. m. zu Anker,
‚ Siehe auch diese Annalen, Jahrgang 1883, Seite 653 ff.