Reisebericht der Deutschen Bark „Specunlant“,
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weißen und schwarzen Bojen auf einer Tiefe von 28,8 bis 36,0 m (16 bis 20 Fad.)
zu ankern. Das Schiff liegt hier auch ganz sicher, und die Entfernung vom
Lande ist nur etwa !/4 Sm größer, als auf der Binnenrhede. Dafür aber hat
man den Vortheil, die Kosten für das Einklariren sowie das Tonnengeld zu
sparen. Das Letztere hat eine Höhe von 162%s Cents holl. für den Kubikmeter
und wird von solchen Schiffen, die in der Fahrt zwischen den Holländischen
Besitzungen im Ostindischen Archipel beschäftigt sind, in sechs Monaten einmal
erhoben. Ein Schiff also, welches von hier nach einem anderen Hafen von Java
segelt, würde immerhin auch nur einmal das Tonnengeld zu entrichten haben,
and wäre es in solchem Falle gleichgültig, ob man 6s hier oder in einem anderen
Hafen bezahlt. Es kommt jedoch der Umstand in Betracht, dafs für die Schiffe,
welche keine genügende Geldsumme mit sich führen, die Erlangung derselben
in Banjoewangie mit ziemlichen Kosten verknüpft ist. Ein weiterer Vortheil,
wenn man auf der Aufsenrhede bleibt, besteht darin, dafs man zu jeder Tagos-
zeit segeln kann, während man sonst das Schiff erst ausklariren mul, was unter
Umständen mit einem bedeutenden Zeitverluste verknüpft ist. Die Bureaustunden
des Hafenmeisters sind nämlich nur von 10* a. m. bis 3* p.m.; dagegen ist das
Telegraphenamt bis 5* p. m, geöffnet. Erhält also ein Schiff seine telegraphische
Segelorder nach 3* p.m., 80 mufs es doch bis zum nächsten Morgen liegen
bleiben, bevor 6s die Weiterreise antreten kann.
Während unseres Aufenthaltes in Banjoewangie vom 9. bis 11. September
war daselbst der Wind am Tage frisch aus SSE, gegen 7* p. m. wurde er
flauer und holte dann allmählich durch S und SW bis WSW, um gegeu 12* p. m.
aus letztgenannter Richtung mit Stärke 3 zu wehen. Am Morgen zwischen
5 und 8 Uhr war der WSW-Wind am stärksten und hatte etwn die Stärke 4.
Gegen 9* a. m. flaute es wieder ab, worauf der Wind südlich holte und um
Mittag als frische Briese aus SSE wehte. Nach guten Beobachtungen fanden
wir, dal auf unserem Ankerplatze die Flutb, von Süden kommend, 8 Stunden
dauerte und eine gröfste Geschwindigkeit von 1'/s Ku erlangte, während die
Ebbe, von Norden kommend, nur 4 Stunden anhielt, jedoch eine Geschwindig-
keit von 2’ bis 3 Ku erreichte.)
Die Durchsegelung der Bali-Straßse zur Zeit des SE-Monsuns von Süd
nach Nord bietet keinerlei Schwierigkeiten, und ist deshalb die Hülfe eines
Lotsen dabei nicht erforderlich. Das Anlaufen des Ankerplatzes auf der Rhede
von Banjoewangie habe ich ebenfalls ohne Lotsen ausgeführt. Zur Zeit des
SE-Monsuns hält sich jedoch beständig ein Lotsenfahrzeug unter Mount Ikan
auf, und im Falle man einen Lotsen wünscht, hat man dicht unter Land zu
laufen und die Lotsenflaggo zu zeigen. Im NW-Monsun kreuzen die Lotsen-
fahrzeuge vor dem nördlichen Eingange zur Strafse, unter der Küste von Bali,
oder bei der Duiven-Insel.
Nachdem am Morgen des 11. September die Ebbe etwa 1'% Stunden
gedauert hatte, lichteten wir um 6'/4* a. m, unseren Anker und gingen, nach
Batavia bestimmt, unter Segel. Der Wind, welcher zur Zeit frisch aus SW
wehte, holte um 1@ a. m., ohne an Stärke zu verlieren, auf S. Obgleich wir
mit einer Geschwindigkeit von 7 Kn durchs Wasser liefen, ging das Vorwärts-
kommen infolge des Gegenstromes nur sehr langsam. Wir avancirten nur etwa
1!/s Sm in der Stunde, und der Strom wurde um so stärker, je mehr wir uns
der Enge der Strafse näherten. Ueberall traten bedeutende Wirbel im Wasser
auf, Um 8% a, m., nachdem wir uns etwa 3'/ Sm nordwärts von der Rhede
von Banjoewangie entfernt hatten, schwaiten die Schiffe daselbst mit der Fluth,
also mit dem Kopfe nach Süd, während bei uns noch die Ebbe mit einer Ge-
schwindigkeit von 5 Kn lief, Erst um 10* 30” a.m., als wir die Batu Litjiu-
Boje, unter der Küste von Bali, dwars hatten, schien bei uns der Strom zu
kenters. Das Schiff hatte bis dahin, bei einer Fahrt von 7 Kn, in 4 Stunden
nur 4 Sm zurückgelegt. KEinige Schiffslängen südlich von der eben genannten
Boje liegt das Wrack eines gestrandeten Dampfers und noch zwei Schiffslängen
weiter der Kessel desselben. Beide Theile ragen ein bedeutendes Stück aus
dem Wasser hervor, und man kann den Kessel, aus der Ferne gesehen, wohl
für eine ziemlich grofse Klippe halten, Um 11* 30" a.m. peilten wir den
Siehe zuch diese Annalen, Jahrgang 1885, Seite 139.