Reisebericht der Deutschen Bark „Speculant“,
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Il. Die Durchsegelung der Torres-Strafse auf der Reise
von New-Castle N. 8. W. nach Java.')
Am 19. August 1884 um 9% 30” a.m. standen wir mit dom Besteck auf
9° 6‘ S-Br und 144° 1‘ O-Lg, als die auf Bramble Cay in neuerer Zeit errichtete
Bake von der Marsras in SWzS mw. in Sicht kam und etwa 6 Sm entfernt
war. Die Bake, ein Pfalıl, an dem oben ein Viereck aus Brettern, mit einer
Ecke aufwärts gerichtet, befestigt ist, wurde zur Zeit unserer Anwesenheit auf
vielseitigen Wunsch der Schiffskapitäne errichtet. Die Ausegelhung der Straße
wird dadurch, wenigstens am Tage, einigermafsen erleichtert, doch würde ein
Leuchtthurm an dieser Stelle von ungleich höherem Werthe sein, denu dadurch
würde es den Schiffen ermöglicht werden, auch zur Nachtzeit einzusegeln oder
doch während des Beiliegens die unberechenbaren Strömungen zu kontroliren.
Der grofse Nordost-Kanal wird jetzt häufig von Segelschiffen benutzt; sechs
Schiffe, welche nacheinander New-Castle verlielsen, beabsichtigten alle diese
Route zu nehmen.
Um 10% a. m, peilte die Bake SW1!/AW 4 Sm entfernt, und wir setzten
jetzt unseren Kurs auf Stephen Island, Die Norwegische Bark „Hertha*, die
zwei Tage nach uns New-Castle verlassen hatte, befand sich dicht vor uns, Um
2 30” p. m. wurde Stephen Island bei bbigem Wetter und Regenschauern, mit
dem Winde SEzS bis SEzE, Stärke 5 bis 8, passirt. Von der Campbell- bis
zur Rennel-Insel hatten wir einen starken Weststrom, wegen dessen wir, um
den richtigen Kurs gutzumachen, 1 bis 1'/s Strich höher steuern mußten. Die
Riffe waren von der Marsraa aus wegen der helleren Färbung der Moeres-
oberfläche deutlich zu erkennen. Um 6 pm, ankerten wir unter der Arden-
Insel, auf 23,4 m (13 Fad,} Tiefe. Der gut haltende sichere Ankergrund hier
besteht aus Korallensand, untermischt mit Schlick und Muscheln. Von unserem
Aukerplatze peilte die Insel SO, etwa %/4 Sm entfernt. Die schon erwähnte
Burk „Hertha“ hatte hier ebenfalls geankert. Um 6'/," p. m. trat Stauwasser
ein, und um 7!%* p.m. schwaite das Schiff mit dem Kopfe nach 04N. Des
Weiteren wurden auf unserem Ankerplatze über Richtung und Geschwindigkeit
des Stromes folgende Beobachtungen angestellt: $* p,ınm. WzS 1,5 Kn, 9° Wz5
1,75 Kn, 10 WzS3 20 Ku, 11* WzS 1,5 Kn, 12" p.m, Wost 10 Kun, 2” am.
den 20. Stauwasser, 2" NzO 0,5 Ku, 3" NNO 1,75 Kn, 4° NOzN 1,75 Kn,
55 NOzN 1,5 Kin und um 6" NNO 1,25 Km
Um 7" 15” a.m, den 20, August befanden wir uns wieder unter Segel.
Die „Hertha“, welche Tags zuvor vorauf sogelte, hielt sich jetzt hinter uns,
Da sie ein besserer Segler als „Speculant“ ist, war sie gelegentlich genöthigt,
Segel zu bergen, um uns nicht vorbei zu laufen, Jacobus Kast- und West Shoal
sind von uns nicht gesichtet worden. Auf dem Wege nach der Cocoanut-Insel
hatten wir Mühe, von Dove-Insel und Riff frei zu kommen. Obwohl wir bei
dem Winde S'‘/2W steuerten, betrug die Entfernung bein Passiren derselben
nur. einige Schiffslängen. Von Cocoanut-Insel, welche um 9* 30” passirt wurde,
steuerten wir außerhalb des gewöhnlichen Kurses auf Grassy-Sandbank, dicht
dem Riffo entlang nach Bet-Insel, welche um 11“ 25” passirt wurde. Zwischen
Bet- und Double-Insel setzte der Strom gleichfalls stark nach Westen. Nachdem
Bet-Insel passirt war, wurde SSW'2W gesteuert, Wreck Shoal wurde nicht
wahrgenommen, wohl aber die Brandung auf Moresby Rock, Um 12 Uhr Mittags
passirten wir zwischen Ninepin- und Harvey Rock, ersteren etwa 1 Sm an St-B.
entfernt. Harvey Rock sowie die nahe gelegenen Untiefen waren nur durch die
Brandung erkennbar, Auf dem ganzen Wege von der Arden-Insel bis zum
Prince of Wales Channel waren wir heute, selbst von der Bramryaa aus, nicht
im Stande, an der Färbung der Meercsoberfläche die Untiefen zu entdecken.
Die Farbe des Wassers war überall, auch auf der empfohlenen Route, merk-
würdig wechselnd; bald war sie fast dunkelgrün, bald hellgrün, dann wieder
hellblau und, wenn große Wolkenmassen am Himmel vorüberzogen, dunkelblau,
Südlich von Harvey Rock gegelte ein Gaffelschoner, Um 2* 30” p. m. peilte
Double-Insel Süd. Die „Hertha“ ging dicht unter dieser Insel vor Anker. Als
sie von uns O14N und Travers-Insel N'40 peilte, setzten wir den Kurs auf
‘} Siehe auch diese Annalen, Jahrgaug 1880, Seite 463 £.