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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 14 (1886)

Kleine Notizen. 
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Kleine Notizen. ) 
1. Seebeben. Ueber das in der Nacht vom 21. zum 22, Dezember 1884 
im Nord-Atlantik beobachtete Seebeben sind in den Annalen 1885, Seite 599, 
die Berichte verschiedener Schiffe gegeben; wir setzen hier noch den Bericht 
des Englischen Schiffes „Belfast“, Kapt. R. J. Caldersoan hinzu. Ungefähr um 
9 50” Morgens am 22, Dezember 1884 wurde das Schiff „Belfast“ durch ein 
ca 7'/a Minuten andauerndes Seebeben erschüttert. Das Schiff befand sich zur 
Zeit in 34° 34‘ N-Br und 19° 19‘ W-Lg, 145 Sm nordwestlich von Madeira. - Die 
Erschütterung des Schiffes war von einem Jauten polternden Geräusch begleitet, 
welches dem in der Kajüte befindlichen Kapitän ähnlich erklang, als wenn ein 
grofser leerer oiserner Wagen über das Deck rollte, vom Deck aber sich 
wie ein naher Donner ausnahm und die ganze Luft zu erfüllen schien. Da 
der Kapitän, welchen das Geräusch aus dem Schlafe weckte, den Anfang des- 
selben nicht gehört hatte, so konnte er nicht bestimmen, aus welcher Himmels- 
gegend es kam, nachher entfernte 68 sich schnell nach Südwest.”) Die stärksten 
Erschütterungen des Schiffes und das lauteste Geräusch hatten eine Dauer von 
50 bis 60 Sekunden, die Erschütterungen verloren sich dann in schwachem Er- 
zittern, und das Geräusch erstarb in südwestlicher Richtung mit einem lauten 
Gebrüll, womit es wie unter den Horizont untertauchend verschwand. Der am 
Ruder stehende Mann fühlte das Rad unter seinen Händen heftig erschüttert, 
und im Schiff klirrten Geschirr und andere leicht bewegliche Gegenstände 
durcheinander. 
2. (D. S.) Erdbeben auf den Tonga-Inselo. Kapt. Lüders vom 
Schiffe „Deutschland“ berichtet, dafs Herr. C. Johannsen auf der Plantage 
Niumato auf Tongatabu am 26, Mai 1885 um 9" 44” a. m. zwei schwache Erd- 
bebenstöfßse beobachtete. Der erste dauerte 2 bis 4, der zweite 10 Sekunden; 
das Ganze verlief innerhalb einer Minute, 
3. (D.S.) Südlicht im Westen von Kap Horn. Derselbe Kapitän 
berichtet ferner, daß er am 21. August 1885 gegen 4* am. in etwa 55° S-Br 
und 90° W-Lg ein Südlicht gesehen habe. Das Schiff befand sich um diese 
Zeit in einem ausgedehnten Gebiete niedrigen Luftdrucks On 736 mm), aber 
der Wind war mäßig, der Himmel leicht bewölkt und das Wetter schön. 
4. (D. 8.) Eis beim Kap Horn. 2) Die Deutsche Brigg „Gemma“, 
Kapt. H. Beenke, passirte auf ihrer Reise von Malaga nach Guayagwil am 
9, August 1884 um 12% Uhr Mittags, auf 57° 4‘ S-Br und 63° 59‘ W-Lg, 
mehrere kleine Eisstücke, die nur eben über die Meeresfläche hervorragten. 
Die Temperatur der letztoren war um 12% m. noch 3,4°; in der Nähe des Kises 
Gel sie bis — 06°, und später zwischen 2* und 3" p.m., bis —1,5° darauf 
nahm sie wieder allmählich. zu und erreichte um 8* p.m. 2,2° C. Das Eis, 
welches in einem verhältni(smäfsig sehr kalten Wasserstreifen angetroffen wurde, 
war wahrscheinlich jung und in einer der Buchten des Feuerlandes gefroren. 
b) Die Deutsche Bark „Ceder“, Kapt. H. Eckhoff, passirte ein grofses 
Stück Treibeis am Morgen des 5. Dezember 1884 auf 56° 22‘ S-Br und 
62° 59° W.Lg. Das Wetter war zur Zeit regnerisch bei starkem S-Winde. 
Die Temperaturen von Luft und Wasser waren sehr beständig und hielten sich 
auf nahezu 5° ©. 
5. (D. S.) Eis im Indischen Ocean. Kapt. H. Andresen von der 
Deutschen Bark „Richard Rickmere“ berichtet: 5 . 
„Auf unserer letzten Reise von Cerdif nach Singapore sahen wir am 
28. November 1884 auf 42° 30‘ S-Br und 42° 0' O-Lg, während wir bei dicker 
regnerischer Luft mit 10 Kn Fahrt nach Osten segelten, um 10° 30” a, m, eine 
nach Tausenden zählende Schaar der im Süden einheimischen Vögel, die hastig 
hin und herflogen. Während wir noch dieses Schauspiel betrachteten, kam ein 
Gegenstand in Sicht, den wir zuerst für ein gekentertes Schiff hielten, aber 
Dach einigen Minuten schon als eine Eisscholle von 150m (500 Fuß) Länge 
und 6m (20 Fuß) Höhe erkannten. Die Form derselben war ganz die eines 
N) Die mit (D, S.) bezeichneten Notizen sind von der Deutschen Seewnrte eingesendet. 
. % Aus der Kombination der übrigen Berichte wurde auf ein Fortschreiten des Seebebens 
in östlicher Richtung geschlossen.
	        
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