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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 14 (1886)

Derviationsbestimmung auf Dampfschiffen unabhängig von Peilungen. 413 
Winkel vom Ausgangspunkte, z.B. N, nach rechts auf der Kompafsskala so oft 
ale angängig ab, Die Markirungspunkte bezeichne man fortlaufend mit den 
geraden Zahlen 2, 4, 6 u.s. w., halbire sodann jeden dieser Theile und numerire 
diese, den halben Minuten enteprechenden Punkte mit den Zahlen 1, 3, 5, 7 u. 8. w. 
Der der Linksdrehung entsprechende Drehungswinkel wird vom Anfangspunkte 
nach links aufgetragen, und die Markirungspunkte werden wie vorher bezeichnet, 
Nunmehr nehme man die Stücke zwischen dem ersten Markirungspunkt und dem 
auf den Ausgangspunkt folgenden ersten Kompafskurs, zwischen dem zweiten 
Markirungspunkt und dem zweiten Kompafskurse u. s. f. in den Zirkel und trage 
diese Stücke von den Kompafskursen aus auf den zugehörigen Ordinaten auf, 
wobei als Regel gilt, dafs, 80 Jange die Markirungspunkte der absoluten 
Drebungswinkel rechts von den zugehörigen Kompafskursen liegen, diese Stücke 
im positiven, im entgegengesetzten Falle aber im negativen Sinne aufzutragen 
sind. Sodann verbinde man die zugehörigen Punkte durch je eine kontinuirliche 
Kurve und zeichne nach den beiden erhaltenen Kurven die genaue Mittelkurve, 
Die so konstruirten Kurven geben keine absoluten Werthe der Deviationen, 
sondern vielmehr nur den Verlauf derselben an, oder graphisch heißt dies, die 
Deviationskurve ist richtig, jedoch ist die Axe derselben oder die Nulllinie der 
Deviation noch unbestimmt, und wird die Kurve im Allgemeinen noch einen 
unsymmetrischen Verlauf gegen dieselben zeigen, während dies in Wirklichkeit 
bekanntlich nicht der Fall ist. Unter Vernachlässigung einer etwaigen kon- 
stanten Deviation läfst sich die Lage der Nulllinie bestimmen unter Berück- 
gichtigung dieser eben angeführten symmetrischen Eigenschaft der Kurve resp. 
der Gesetzmäfsigkeit der halb- und viertelkreisförmigen Deviation, dafs die 
Summe der östlichen gleich der Summe der westlichen sein mufs, indem man 
durch den Halbirungspunkt der Distanz der Scheitelpunkte der Kurve eine 
Parallele ur Nulllinie des Diagramms zieht oder die letztere um den Betrag 
+ dx + da . de + dw verschiebt. Die auf diese neue Linie bezogenen Ordinaten 
geben die Deviation in ihrer wahren Größe, 
Die konstante Deviation A kommt so in der Kurve nicht zum Ausdruck; 
will man sie aber berücksichtigen, was jedoch in den seltensten Fällen noth- 
wendig erscheint, so braucht nur die der Mittelkurve entsprechende Nulllinie 
bei -} A nach der Seite der negativen, bei — A nach der der positiven Devia- 
tion verschoben zu werden. Selbstredend mufs das A auf andere Weise, etwa 
durch Deckpeilungen oder Sonnenpeilungen, bestimmt werden. 
Die für die Kurven erforderlichen Punkte lassen sich auch durch Rech- 
nung finden. Man addirt zu dem Anfangskurs der Beobachtung zunächst den 
ersten, dem Zeitintervall zukommenden Drehungswinkel, zu dieser Summe den 
zweiten u. s. f. bis 360°, Diese Summen stellen die magnetischen Kurse dar, 
welche, mit den zugehörigen Kompafsablesungen verglichen, die Deviationen für 
letztere und somit auch die Kurven in bekannter Weise ergeben. 
Eine Deviationsbestimmung nach der vorstehenden Methode wurde auf 
dem Lotsendampfer „Wilhelmshaven“ im Sommer vorigen Jahres versuchsweise 
ausgeführt und hat, wie aus nachstehenden Beobachtungen ersichtlich ist. be- 
friedigende Resultate ergeben. 
Die Bestimmung wurde mit Eintritt stillen Wassers nach Fluth auf der 
Schillig-Rhede begonnen und bald nach dem Einsetzen des Ebbstromes beendet, 
das Wetter war klar, der Wind NzE, Stärke 4, See etwas bewegt. Da der 
Regelkompafs kompensirt und nur viertelkreisförmige Deviation von 3° vor- 
handen war, wurden vor Anfang der Beobachtungen zwei Magnete nahe längs- 
schiffs in 0,88 m Entfernung vom Kompafs angebracht, um eine möglichst große 
Deviation herbeizuführen. Gleichzeitig mit den Zeit- und Kursnotirungen wurden 
Azimuthbeobachtungen der Sonne behufs Erlangung einer von der neuen Methode 
unabhängigen Deviationsbestimmung zur Kontrolle vorgenommen. 
Die Beobachtung begann auf Kurs Ost, die Kursablesungen fanden in 
Zeitintervallen von 30° statt. Der Ruderwinkel betrug bei beiden Drehungen 5°, 
die Maschine machte 50 Umdrehungen, 
In nachstehender Tabelle sind die den Zeitintervallen von einer halben 
Minute entsprechenden Kompafsablesungen für jede Drehung zusammengestellt, 
und aus diesen sind die in Tafel 10 dargestellten einzelnen Kurren abgeleitet,
	        
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