Deviationsbestimmung auf Dampfschiffen unabhängig von Peilungen, 411
laufen. Wir hatten, wie schon erwähnt, von der nur etwa 300 Sm von Yoko-
hama entfernten Position, wo wir den Taifun überstanden, nur 14 Tage Reise
zur Südspitze von Formosa.
In Betreff der Route, die im September-Heft der „Annalen der Hydro-
graphie“, Jahrgang 1884, von Kapt. P. Duhme von der Deutschen Brigg
„Minerva* empfohlen worden ist — nämlich auf der Reise von Yokohama nach
Nagasaki auf etwa 30° bis 31° N-Br entlang zu segeln — möchte ich noch
bemerken, dafs wir im Jahre 1884, auf der gleichen Fahrt begriffen, in dieser
Breite einen Strom nach Osten von etwa 1 Sm in der Stunde hatten, und auch
in diesem Jahre, auf der Reise nach Takao, fanden wir beim Passiren der an-
gegebenen Breite ziemlich starke östliche Stromversetzungen, nämlich am 3. Juli
in 31° 19‘ N-Br und 136° 48‘ 0-Lg EzN 28 Sm, am 4. Juli in 30° 32‘ N-Br
und 136° 32‘ O-Lg Ost 22 Sm. Erst am 5. Juli in 29° 12‘ N-Br und 136° 48‘ O-Lg
hörte der Ostsırom auf. Während der ganzen Woche, die wir im Passat zu-
brachten, hatten wir dagegen stets eine Stromversetzung nach WSW von 20 bis
30 Sm im Etmal,
Deviationsbestimmung auf Dampfschiffen unabhängig von Peilungen.
(Hierzu Tafel 10.)
Von den K, K, Oesterreichischen Secoffizieren Szigyärto und Fabian
ist im vorigen Jahre eine Methode der Deviationsbestimmung unabhängig von
Peilungen bekannt gemacht, welche mit nur geringem Zeitaufwand zu jeder
Tages- und Nachtzeit — auch bei Nebel — von Dampfern mitten in See bei
ruhigem Wetter ausführbar ist,
Nach dieser Methode kann in verhältnifsmäfsig kurzer Zeit — ca 20 Mi-
nuten — eine Bestimmung der Deviation ausgeführt und die Gröfse derselben
für alle Kurse abgeleitet werden. Sie beruht auf der Aunahme, dafs die
Deviation gleich ist dem Unterschied der magnetischen und der Kompafs-
richtungen des Buges für irgend einen Kurs, und dafs ein Schiff bei einer
gleichmäfsigen Drehung im Kreise in Bezug auf die magnetischen Richtungen
in gleichen Zeiten gleiche, in Bezug auf Kompaferichtungen aber um die
Deviationsänderung verschiedene Drehungswinkel durchläuft.
Es genügt, bei ruhigem Wetter mit einem unter Dampf befindlichen
Schiffe mittelst des ein wenig an Bord gelegten Ruders mit beliebiger Maschinen-
kraft zwei vollständige Kreise, einen nach Steuerbord und einen nach Backbord,
zu beschreiben, nach einer Sekundenuhr die Zeit des Beginnens der beiden
Drehungen von einem beliebigen Kurse an, sowie deren Beendigung in dem-
zelben Kurse zu notiren und in Zeitintervallen von !/z—1 Minute die zugehörigen
Kompafskurse abzulesen. Die so gewonnenen Daten ermöglichen es, eine ent-
sprechende Deviationskurve zu konstruiren, Vorausgesetzt wird nur ein gleich-
mäßiger Gang der Maschine während einer Drehung, welcher leicht zu erzielen
ist, da kleine Unregelmäfsigkeiten durch das grofse Trägheitsmoment der Masse
des Schiffes ausgeglichen werden. Ein Einflufs von Wind und Seogang auf die
Deviationskurve kann nur dann stattfinden, wenn sie ein namhaftes Bewegungs-
hindernifs des Schiffes bilden, und eine durch das Kreissteuern etwa verursachte
Krängung des Schiffes wird, da dieselbe bei jeder Drehung entgegengesetzt ist,
die Mittelkurve nicht beeinflussen.
Man legt das Ruder, um eine gleichmäfsige Drehung während der Beob-
achtungszeit zu erzielen, bei leichteren Schiffen ungefähr acht Strich, bei
schwereren Schiffen 16 Strich vor Beginn der Ablesungen etwa Yı Schlag
(5—86 Grad), je nach der Steuerfähigkeit des Schiffes oder der gewünschten
Schnelligkeit der Drehung, zu Bord, so dafs die Kompalskurse noch auf halbe
event. auf zehntel Grade abgelesen werden können, nimmt der Uebersicht wegen
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