Vergleichende Uebersicht eto., Oktober 1885.
35
Die Direktion der Seewarte hat bei dem internationalen meteorologischen
Komitee einen Antrag auf gröfßsere Gleichförmigkeit in den Beobachtungsterminen
eingebracht und giebt sich der Hoffnung hin, dafs in nicht gar ferner Zeit diesem
Antrage Rechnung getragen werden kann, Ist einmal eine gröfsere Einheitlich-
veit auch nach dieser Richtung errungen, so wird es an der Zeit sein, wieder
auf die Veränderungen in den meteorologischen Elementen in kürzeren Zeit-
räumen zurückzukommwen.
Für die Kartographie der Niederschlagsmengen in den letzten 24
Stunden wurden folgende Zeichen gewählt: * = 1—5mm, z = 6—10 mm,
.°. =— 11—20 mm, :: = über 20 mm Niederschlag.
Indem die Direktion die täglichen Wetterkarten der Seewarte ihrem
Umfange und Inhalte nach nicht unerheblich erweiterte, was einen bedeutenden
Mehraufwand au Arbeit und Mitteln involvirt, hofft sie einem wirklichen, auch
aufserhalb Deutschlands gefühlten Bedürfnisse zu genügen. Wenn es einestheils
richtig ist, dafs man mit Neuerungen und Umgestaltungen regelmäfsig erscheinen-
der literarischer Hülfsmittel für das Studium einer Wissenschaft nicht allzu
rasch und häufig vorgehen sollte, so mul andererseits anerkannt werden, dafls
bei der lebhaften Entwickelung meteorologischer Erkenntnifs solche Umgestal-
tungen und Neuerungen unabweisbar werden, wenn nicht Veralten und Zurück-
bleiben hinter den Forderungen der Zeit solche Hülfsmittel wenig brauchbar
erscheinen lassen sollen. Man hat dann aber zum Mindesten die Abänderungen
auf läugere Zeitabschpitte zu beschränken, damit sich die Errungenschaften der
Wissenschaft konsolidiren und bestimmte Formen annehmen können. Aus diesem
Grunde hat die Direktion jetzt erst, nach Ablauf des ersten Decenniums der
Existenz der täglichen Wetterkarten, geglaubt, die schon seit geraumer Zeit
yeplanten Erweiterungen ote. eintreten lassen zu sollen,
Vergleichende Uebersicht der Witterung des Monats Oktober 1885
in Nordamerika und Centraleuropa.
(Mittheilung von der Deutschen Seewarle,}
Nach der „Monthly Weather Review“ des „Signal Office“ in Washington
and der von der Deutschen Seewarte bearbeiteten Uebersicht der Witterung
stellen wir im Folgenden die Hauptzüge im Witterungs-Charakter des Monats
Oktober 1885 in Nordamerika und Centraleuropa einander gegenüber.
Nordamerika.
1. Die geringe Zahl und die übers
ganze Gebiet östlich vom Felsen-
gebirge verstreuten Bahnen der De-
pressionen; von letzteren pflanzten
sich 5 ostwärts, 3 nordostwärts, die
vedeutendste und von starkem Sturm
begleitete aber am 10. bis 15. von
Cuba nach Nord-Carolina, Michigan
und Neu-Braunschweig folgeweise nach
N, NW und NE fort.
Centraleuropa.
1. Die ungemein grofse Anzahl
barometrischer Depressionen, welche
vorwiegend die NW. Hälfte Europas,
vielfach indessen auch das Innere und
den Süden durchzogen. Viele von
ihnen zeichneten sich durch beträcht-
liche Tiefe, einige durch abnorme
Fortpflanzung (nach NW und SW) aus,
2, Das im Osten des Gebiets
meistentheils um mehr als 2 mm zu
niedrige, im Felsengebirge etwas zu
hohe Monatsmittel des Luftdrucks,
welches im nördlichen VFelsengebirge
2, Der hiermit zusammenhängende
angewöhnlich tiefe mittlere Barometer-
stand des Monats; derselbe blieb in
Centraleuropa um 4-——6mm hinter dem
normalen Betrage zurück. Der Luft
- 36