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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 14 (1886)

ir 
Reisebericht der Deutschen Brigg „Albert Reimann“. 
trotz aller gemachten Anstrengungen noch in der Nähe des Abgangshafens, 
Da mit dem leicht beladenen Schiffe auf der bis jetzt versuchten Bon gegen 
den Wind und die starke Strömung nicht aufzukreuzen war, entschlofs ich mich, 
von nun an das Weiterkommen in der Nähe der Inseln zu versuchen, und dieser 
Versuch hatte dann auch zur Folge, dafs wir nach Verlauf von weiteren acht 
Tagen in der Bai von Taroena auf einer Wassertiefe von 36m (20 Fad.) zu 
Anker kamen. Die ganze Dauer der Reise betrug mithin 18 Tage, 
Schon in Makassar und auch in Menado wurde ich von verschiedenen 
Personen, die mit den Verhältnissen der hiesigen Gewässer genau vertraut sind, 
darauf aufmerksam gemacht, dafs die Insel Maguiliere, in der Karte von James 
Imray, No. 174, 10 Sm nördlich von der Insel Makalehe niedergelegt, garnicht 
existirt. Am-16. und 17. März 1886 befand ich mich in ganz unmittelbarer Nähe 
jener Position, ohne aber die Insel entdecken zu können. Vielleicht ist dieselbe 
in früheren Zeiten vorhanden gewesen, dann aber, da sie, wie die übrigen Inseln 
der Gruppe, vulkanischen Ureprungs gewesen sein müfste, vielleicht wieder ver- 
gunken. Im Interesse der Schiffahrt wäre es zu wünschen, wenn in Zukunft 
diese Insel aus den obnedies recht mangelhaften Karten entfernt bliebe. 
Taroena.!) Der Hafen. oder die Bai von Taroena an der Westseite der 
Insel Sangir ist zur Zeit des NE-Monsuns sicher und gut. Mit einem kleineren 
Schiff, welches gut manövrirt, kann man bei frischer Briese bis zum Anker- 
platz aufkreuzen; für ein gröfseres Schiff ist es aber unter solchen Umständen 
rathsam, im Eingange der Bai au der Nordseite auf einer Tiefe von 43 bis 46m 
{24 bis 26 Fad.} über Sandgrund, etwa %/« Kabllg, vom Strande, zu ankern und 
den letzten Theil des Weges aufzuwarpen. Der Ankerplatz des „Albert Reimann“ 
war ganz am Ende der Bai an der Nordseite derselben, in der Nähe der Chi- 
nesischen Handelshäuser, von denen ich meine Ladung erhielt. Hier beträgt 
die Wassertiefe 28,8 m (16 Fad.), und der Grund besteht aus Sand, mit kleinen 
Korallen vermischt. Die Häuser der Chinesischen Kaufleute zeichnen sich da- 
durch vor den Bambushütten der Eingeborenen aus, dafs ihre Bedachung aus 
gewelltem Zinkblech besteht, und sind sie daher in weiter Ferne deutlich 
sichtbar. Auf unserem Ankerplatz lag das Schiff hinreichend weit vom Ufer 
entfernt, um mit 81m (45 Fad.) auf dem einen und 54m (30 Fad.) Kette auf 
dem anderen Anker frei herumschwaien zu können. In der Englischen Ad- 
miralitäts-Karte No. 930 ist die Bai ziemlich genau niedergelegt. 
Die Fluth- und Ebbeströmung läuft der Küste entlang von S nach N, 
beziehungsweise umgekehrt, Der Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser 
beträgt bei Neu- und Vollmond 2,1 bis 2,4 m (7 bis 8 Fufs), und das Hoch- 
wasser tritt, soweit ich dieses ermitteln konnte, alsdann etwa um 5 Uhr ein, 
Das Wetter war während unseres Aufenthaltes vom 20. März bis 2. April 1886 
anhaltend schön, und nur an zwei Tagen traten leichte Regenschauer auf. Der 
Wind kommt zur Zeit des NE-Monsuns ausschliefslich aus NE bis ENE, 
Stärke 3—5. Am frischesten ist derselbe am Tage, vom Anfgange bis zum 
Untergange der Sonne etwa, dabei häußg stoflßweise von den hohen Bergen, 
welche die Bai umsäumen, herunterfallend. Windstille habe ich nicht beob- 
achtet, und die geringste Windstärke war in der Nacht 1—2. 
Der einzige Ausfuhrartikel auf den Sangir- und benachbarten Inseln ist 
das Kopra — das getrocknete Fleisch der Kokosnufs. Weitere Erzeugnisse 
bringt der Boden nicht hervor, weshalb denn auch das ganze Land mit Kokos- 
palmen bestanden ist. Alle Proviantgegenstände sind sehr theuer in Taroena, 
Den Handel mit den importirten Waaren, die hauptsächlich in Reis und ge- 
trockneten Fischen bestehen, betreiben die Chinesen, und zwar in der Weise, 
dafs sie diese Artikel an die Eingeborenen gegen Kopra austauschen. Baares 
Geld ist aus diesem Grunde nur sehr wenig im Umlauf, An Hausthieren werden 
nur einige Schweine gezüchtet, die sich ihr Futter unter den Kokosbäumen 
suchen. Der Fischfang wird von den Eingeborenen mit grofsem Fleils be- 
frieben, namentlich zur Nachtzeit bei Fackelschein, ist indessen wegen der 
mangelhaften Geräthe nur wenig ergiebig. ; 
Aulser den Postdampfern, die jeden Monat ein Mal die Sangir-Inseln 
anlaufen, sind in der letzten Zeit jährlich 6 bis 7 Segelschiffe nach hier ge- 
N Siehe diese Annalen, Jahrgang 1886, Seite 102.
	        
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