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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 14 (1886)

Reisebericht der Deutschen Brigg „Albert Reimann“, 
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annehmen zu müssen, dafs es besser gewesen wäre, wenn wir den Versuch, 
durch die Molukken-Passago zu segeln, nicht so schnell aufgegeben hätten.) 
Sämmtliche von mir benutzten Karten dieser Gewässer sind recht mangel- 
haft und einzelne Positionen sogar um 4—6 Sm falsch niedergelegt. 
Menado, Die Rhede von Menado muß für alle Jahreszeiten als schlecht 
bezeichnet werden, Beim Ansegeln derselben ist bei der großen Tiefe und 
dem steil ansteigenden Meeresgrunde das Lothen natzlos. Schon rechtzeitig 
mufßs der Anker mit 72 m (40 Fad.) Kette von der Klüse heruntergefiert werden. 
Dadurch wird freilich die Fahrt des Schiffes behindert, und muß man deshalb 
möglichst viele Segel stehen lassen, um das Schiff steuern zu können. Sobald 
aber der Anker den Grund berührt, hat man sofort die Segel einzunehmen 
und mehr Kette zu geben. So rasch als irgend möglich ist das Schiff auch 
am Lande zu bofostigen, zu welchem Zweck eine Trosse in Bereitschaft zu 
halten ist. Wenn der Wind eine fast östliche Richtung hat, 80 dafs das Schiff 
nach dem Ankern nicht mit dem Heck nach dem Lande schwaien kann, 80 tritt 
leicht der Fall ein, dafs es trotz der grofßsen Länge der ausgesteckten Keite 
wieder abtreibt, indem der Anker an dem steilen Meeresboden heruntergleitet 
und in die Tiefe sinkt. Solche Fälle sind nicht selten, „Albert Reimann“ lag 
hinter einem Anker mit 216m (120 Fad.) Kette 540m vom Strande entfernt. 
Es bedarf also sehr langer Trossen, um vom Heck des Schiffes das Land 
erreichen zu können. Wenn bei einer steifen Landbriese die hintere Trosse 
bricht, so treibt das Schiff seewärte, und man hat dann keine leichte Arbeit, 
den Anker mit über 100 Fad, Kette wieder einzuhiewen. Der beste Anker- 
platz ist durch zwei große weiße Bojen gekennzeichnet und in der Englischen 
Admiralitäts-Karte No. 930 angegeben. Auf diesem Ankerplatz wurden hinten 
beim Schiffe 36 m (20 Fad.) gelothet. Etwa 50m näher dem Lande erstreckt 
sich eine Sandbank parallel dem Strande, auf der sich bei steifer Seebriese die 
See bricht. Zwischen dieser Bank und der Küste befindet sich wieder eine 
Rinne tiefen Wassers, Einige der Kaufleute in Menado sind im Besitz von 
Jangen Trossen, die sie den Schiffen, welche au sie adressirt sind, leihweise 
zum Festmachen überlassen, oft gegen Vergütung, oft aber auch unentgeltlich. 
Diese Trossen eind aus einer Art Pflanzenbast geschlagen, schwimmen auf der 
Oberfläche des Wassers und sind dem Verderben weniger stark ausgesetzt, als 
ungere Hanftrossen. Letztere sinken auf den Meeresboden hinunter, wo sie 
durch das Scheuern auf den Steinen und Korallen vollständig ruinirt werden. 
Während unseres Aufenthaltes auf der Rhede von Menado, vom 16. Fe- 
brusr bis zum 2. März 1886, war die Witterung daselbst ziemlich günstig und 
die See ruhig, weil die Seebriese nie eine gröfsere Stärke als 3 der Beaufort- 
Skala, und diese auch nur für eine ganz kurze Zeit, annahm, Es verging aber 
kein Tag, an dem es nicht rognete, mitunter die ganzen 24 Stunden hindurch 
ununterbrochen. Die Seebriese hatte stets eine hoch nördliche Richtung; sie 
dauerte in der Regel nur von 11% a.m, bis 2° p.m, Die übrige Zeit hindurch 
war 08 entweder windstill, oder es wehte Landbriese, 
Der Strom setzte fast immer von der Nordspitze der Bai (Kap Püisw) 
längs der Küste derselben nach Kap Kalasey, welches die Bai im Süden be- 
grenzt, zeitweilig sehr stark, 
Ausgenommen Reis sind in Menado alle Proviantgegenstände theuer. 
Frisches Fleisch kann man dreimal wöchentlich zum Preise von 40 Conts für 
'/ı kg kaufen. Trinkwasser von guter Beschaffenheit fndet sich in dem Flusse 
eben nördlich von der Stadt, woher es mit dem Schiffsboot geholt wird. 
Yon Menado nach Taroena. Nachdem die für Menado bestimmten 
Güter gelöscht und 60 bis 70 Tonnen Kopra wieder eingenommen waren, wurde 
am Abend des 2. März 1886 mit Hülfe von 8 Kulis der Anker gelichtet und 
um 10 p.m. mit der Landbriese die Weiterreise nach Taroena auf der Sangir- 
Insel angetreten, Dieselbe erwies sich als eine recht schwierige. Am Abend 
des 12. März, als die Reise schon 10 Tago gedauert hatte, stand das Schiff 
1) Das Schiff „Zeus“, Kapt, P. Cassens, machte die Reise von Amboina nach Talissa im 
März and April 1881 — ebenfalls zur Zeit des NW-Monsuns — durch die Molukken-Passage in 
17 Tagen, das Schiff „Heinrich Lohmann‘, Kapt. E, Bohn, im Januar und Februar 1885 die Fahrt 
en Mon BA Gorontalo durch die Greykound-Strafße in 11 Tagen. Siehe diesen Jahrgang 
er en SS.
	        
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