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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 14 (1886)

Reisebericht der Deutschen Brigg „Albert Reimann“, 
401 
wir uns somit in der Sunda-See. Die Durchfahrt durch die Strafse hatte 
3 Tage in Anspruch genommen. 
Auf der Weiterreise nach Makassar wurden folgende Stromversetzungen 
beobachtet: 
am 
Ad 
» 
9 
® 
x 
+7, November S 7°W 9 Sm in 24 Stunden 
; ru  823°W 105, 
n » S18°W15 „ 
20. % S82°W 7 
21. 25  S5PW27 , „ 
22. » sS63°W 16 ” 
23. " 8 155 
; 
Die Durchsegelung der Sunda-See wurde bei vorherrschenden leichten 
südöstlichen Winden ausgeführt und am 23. November um & p.m. auf einer 
Wassertiefe von 16,2 m (9 Ar 2 Sm im SW von Tanna Keke geankert. Der 
Strom setzte hier recht nach S, Am folgenden Morgen, den 24. November, 
um 6 Uhr gingen wir bei leichter Landbriese ron ESE bis E wieder Anker- 
auf und sodann durch die Passage zwischen Tanna Keke und der Insel 
Baoluang hindurch. Diese Passage wird wohl nur höchst selten benutzt, und 
mir erscheint dieselbe für grofse Schiffe auch nicht empfehlenswerth, allein 
Schiffe von einem Tiefgange von 3,6 bis 3,9m (12 bis 13 Fufs) laufen keine 
Gefahr, namentlich nicht bei günstigem Winde. Nachdem „Albert Reimann“ 
nordwärts von Tanna Keke gekommen war, wurden die beiden zwischen dieser 
Insel und der Küste von Celebes liegenden Tonnen gesehen. Bei südlich holen- 
dem Winde von der Stärke 3 wurde am Vormittage in zulässiger Entfernung 
von der Küste nordwärts derselben entlang gesteuert und um 1* p. m. auf der 
Rhede von Makassar in 12,6m (7 Fad.) Tiefe geankert. 
Makassar. Bis zum 11. Dezember 1885, an welchem Tage der Aufent- 
halt von „Albert Reimann“ in Makassar zu Ende lief, hatte der NW-Monsun 
immer noch nicht eingesetzt. Wohl wehte an einzelnen Tagen von des Mittags 
um 12 Uhr bis etwa 3" p. m. leichter westlicher Zug. Hierauf folgte Wind- 
stille, wobei es gewöhnlich aus dickem Gewölk, welches von NO herüber kam, 
regnete. 
8 Wenn Kapt. Albrand, Führer des Deutschen Schiffes „Emma Kömer“, 
mittheilt, dafs die Unkosten in Makassar sehr hoch sind, so mufs dieses wohl 
auf einem Irrthum beruhen, denn Makassar ist ein Freihafen.') Da keine Lotsen 
vorhanden sind, so ist man selbstredend vom Lotsgelde befreit, und aufserdem 
wird nur ein geringes Hafen- oder Ankergeld erhoben. Die Ansegelung der 
Rhede von Makassar war auch ohne Lotsen nicht schwierig, da die in der 
Specialkarte angegebenen Bojen an den richtigen Orten vorgefunden wurden. 
Der Ankergrund ist gut. 
An Unkosten hatte ich folgende: „Für einen Seeprotest, welcher mit 
siner Ladung Stückgüter sehr nothwendig ist, 70,70 Gulden — eine recht an- 
sehnliche Summe, wenn man bedenkt, dafs ich den Auszug aus dem Schiffs- 
journal selbst anfertigte und dem Hafenmeister in Holländischer Uebersetzung 
diktirte — für Lukenbesichtigung 25 und für die Anfertigung eines Certifikats 
über die Beschaffenheit des Schiffes — blofse Formalität, welche der Befrachter 
auch nur in Rücksicht auf die Versicherung verlangte — 40 Gulden.“ Die 
Gröfse des Schiffes kommt bei diesen Gebühren nicht in Betracht, weshalb in 
am Hinsicht ein kleines Schiff dem gröfseren gegenüber sich im Nachtheile 
befindet. 
Ürünwaaren, frisches Fleisch, Fische und Hühner sind ziemlich billig, 
und bezahlte ich letztere beispielsweise mit 2 bis 3 Gulden (4 bis 5 Mark) 
das Dutzend. Proviant, mit Ausnahme von Reis, und alle Schiffsmaterialien 
sind aber theuer. Das Trinkwasser, welches ziemlich gut ist, kostet, wenn man 
es selbst vom Lande holt, 2, frei an Bord gebracht, 4 Gulden für 100 Gallonen, 
Die Kulis, welche ganz fleifsig arbeiten, bekommen 1 Gulden den Tag. 
1) Siehe diese Annalen Jahrgang 1884, Seite 84. Die irrthümliche Angabe, die auf einer 
Verwechselung der Plätze Makassar und Soerabaya beruht, ist auch bereits im Jahrgang 1885, 
Seite 185, berichtigt worden. 
Ann. d. Hydr. ete., 1886, Haft IX.
	        
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