34
Reform der Wetterberichte der Deutschen Seewarte,
Inland im Ganzen unverändert, und kam die Uebersicht der Witterung für
Deutschland (welche in der allgemeinen Uebersicht der Witterung auf Seite 3
gchon enthalten ist) in Wegfall, und an ihrer Stelle fand der Nachmittags-
bericht Platz.
In neuester Zeit hat das Interesse an den Erscheinungen am Wolken-
himmel erheblich zugenommen, und sind diese Erscheinungen für die Zwecke
der ausübenden Witterungskunde von so hervorragender Bedeutung, dafs es in
hohem Mafse wünschenswerth erschien, dafs die Aufnahme von Wolkenbeobach-
tungen in das täglich zu bearbeitende wettertelegraphische Material nicht mehr
verschoben werden konnte, um so weniger, als bereits in Nordamerika und in
Grofsbritannien mit telegraphischen Berichten von Wolkenbeobachtungen vor-
gegangen war und zwar, soweit bekannt ist, nicht ohne Erfolg. Eine derartige
telegraphische Berichterstattung wurde von der Seewarte nur auf die Inland-
atationen beschränkt und soll weiter auf das Ausland, namentlich auf den
Westen, ausgedehnt werden, sobald dieses irgendwie thunlich ist. Es dürfte
daher die Mittheilung von einigem Interesse sein, dals vom 1. Januar 1886 an
für das Inland dem Wettertelegramme am Morgen und ebenso am Nachmittageo
eine weitere Gruppe beigefügt wird nach dem Schema:
Fı ZZ SıSı
in welchem bedeutet: .
Fı = Form der oberen Wolken:
0 = keine oberen Wolken, 1 = Federwolke, 2 = Cirrusschleier,
3 = Schäfchen (cirrostratus), 9 == nicht beobachtet.
Z1 = Richtung, aus welcher die oberen Wolken ziehen:
00 = keine Bewegung zu unterscheiden, 02 — NNE, 04 == NE ete.
99 = nicht beobachtet.
SıSı = Streifungsrichtung der oberen Wolken, Hauptlagerung in Streifen,
die nach zwei entgegengesetzten Punkten des Himmels, den Radianten, zu kon-
vergiren scheinen: .
00 = keine Streifung wahrnehmbar, 02 = nach NNE etc., 99 = nicht
beobachtet,
Z. B. 10610 bedeutet also: Federwolken ziehen aus ENE und sind nach
ESE gelagert; oder 99999 bedeutet: nicht beobachtet; oder 00000 bedeutet:
keine oberen Wolken vorhanden.
In den Wetterberichten der Seewarte wird täglich das vollständige
wettertelegraphische Material von 28 inländischen und 70 ausländischen Stationen
veröffentlicht und zwar aus
1) Deutschland, Ostsee 6 Stationen, Nordsee 6 (inkl. Helgoland), Nord-
und Mitteldeutschland 9, Süddeutschland 7 Stationen.
2) Grofsbritannien‘ 11, 3) Norwegen 4, 4) Dänemark 4, 5) Holland
und Belgien 5, 6) Frankreich 10, 7) Schweden 4, 8) Finnland 7, 9) Russland 9,
10) Oesterreich 8 und 11) Italien 6 Stationen.
3) Höhenstationen: Säntis und Trogen in Verbindung mit Friedrichshafen.
In dem neuen Wetterberichte erhielt das Kartenmaterial, einem lange
gefühlten Bedürfnisse entsprechend, dadurch eine wesentliche Ergänzung, dafs
den beiden Karten, enthaltend Luftdruck, Wind, Wetter und Temperatur und
Hydrometeore, für 8 resp. 7° a.m. auch die Karten für den Nachmittag und
Abend des Vortages beigefügt wurden, so dafs es jetzt möglich ist, die
Witterungserscheinuugen mit hinreichender Klarheit zu verfolgen.
In den Wetterkarten wurden die einzelnen Barometerstände, welche sich
im tabellarischen Theil befinden, weggelassen, dafür aber die Aenderungen in
den letzten 24 Stunden (in der gröfseren Karte) eingeschrieben, Nur ungern
konnte sich die Direktion der Seewarte entschliefßsen, von den bisherigen
12stündigen Aenderungen des Barometers wieder auf die 24stündigen überzu-
gehen, allein die sehr bedauerliche Verschiedenheit der Beobachtungstermine
in den einzelnen Ländern lielßs diesen Schritt, um Vergleichbarkeit zu erzielen,
als unvermeidlich erscheinen. Ebenso enthält die gröfsere Temperaturkarte die
Aenderung der Temperatur ig, den letzten 24 Stunden. Den kleineren Kärtchen
dagegen, enthaltend Luftdruckvertheilung, Wind und Wetter für den Nachmittag
und Abend, wurden die Temperaturen in ganzen Graden beigeschrieben.