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1l. Ras Shenarif und Ras Asir (Kap Sun Shenarif wird
am leichtesten von Gwardafut wegen seiner enormen Höhe (760m steil auf-
steigend) unterschieden und ragt mit seinen breiten Umrissen über den Dunst
empor, welcher das übrige Land häufig einhüllt. Ferner sind für Shenarif die
horizontalen weißen Kalksteinstreifen an der hohen Felsenwand charakteristisch,
Die Küste zwischen Shenarif und Guardafuz senkt sich zu einem flachen Strande
ein, hinter welchem die hohen Berge zurücktreten. Von dieser Einsattelung
steigt nach Norden zu die Höhe sanft an, welche als Kap Gwardafwi steil zum
Meere abfällt.
12. Bander Aluleh.?*) Außer dem weißen Hause, welches als einziges
bemerkliches angeführt wird („Gulf of Aden Pilot“, S. 44), befinden sich jetzt
noch zwei neue höhere Häuser in der Stadt. Beide haben das Ansehen
Arabischer Forts, das nördlichere trägt einen hohen weilsen Flaggenstock.
Il. Hydrographische Beobachtungen.
Die den Südwest-Monsun begleitende Strömung nahm bei ziemlich gleich-
bleibender Windstärke vom Pemba-Kanal bis Kap Warscheik stetig zu und
betrug für je 24 Stunden (immer innerhalb 10 Sm von der Küste) angenähert:
54 Sm zwischen Pemba und Juba-Inseln,
32 Sm an den Juba-Inseln entlang,
35 Sın zwischen Juba-Flufßs und Kap Warscheik,
39 Sm zwischen Kap Warscheik und Kap Assuad,
17 Sm zwischen Kap Assuad und Kap Khyle,
33 Sm zwischen Kap Khyle und Kap Mahler
24 Sm zwischen Kap Mabber und Kap Guardafut.
Beim Kap Warscheik®) wurde ein starkes Kreisen von Strömungen wahr-
genommen und daraus auf Abschwenken des Hauptstromes nach rechts ge-
schlossen, In Zusammenhang hiermit scheint eine höchst auffallende Aenderung
äer Temperatur des Wassers zu stehen. Bis dahin hatten Wasser und Luft
gegen die in Zanzibar bestehenden Verhältnisse nicht wesentliche Aenderungen
gezeigt. Die Wassertemperaturen hatten immer 25°C, und darüber betragen.
Sobald die starke Strömung aufgehört hatte, fiel die Temperatur des Wassers
zwischen 4° und 8° N-Br rapide und erreichte bei Ras al Khyle den abnorm
niedrigen Stand von 14,9°, Infolge dessen fiel auch die Lufttemperatur.
Bei klarem Himmel stieg das Thermometer Mittags nicht über 20°, so dafs
man sich gern der Tropensonne aussetzte. Dabei war der Horizont dunstig,
and Nachts thaute es stark. Das Meer hatte ein tief olivengrünes, oft geradezu
schwarzes Aussehen, ganz nahe der Küste wurde es hellgrün. In den normal
warmen Gegenden war das Wasser stets tief blau. In jedem anderen Meeres-
theil würde man aus diesen Beobachtungen auf das Vorhandensein eines polaren
Stromes schliefsen. Hier wird man nicht umhin können, ein Aufsteigen des
Wassers aus der Tiefe zuzugeben. Dals in den grofsen Tiefen der Ocean hier
ebenso bis nahe auf den Gefrierpunkt abgekühlt ist. wie anderswo, ist nach-
gewiesen. .
Es wurde zweimal beigedreht, um die Temperatur in der Tiefe zu messen.
Dieselbe fand sich auf 45, 100 und 200m mit der Oberflächentemperatur sehr
nahe übereinstimmend 15,5° bis 15,3°.
Im Golf von Aden wurde dagegen gefunden am 8. Juli 10 Uhr Vor-
mittaga in 12° 38‘ N-Br und 49° 52‘ O-Lg:
Lufttemperatur
Wasser: Oberfläche
100 m
200 m
300 m
5) „Africa Pilot“, Part III, 1884, S. 403 und 404.
Findlay’s „Indian Ocean“, 1882, S. 670.
„Africa Pilot“, Part III, 1884, S. 405.
Findlay’s „Indian Ocean“, 1882, S. 681.
3) Auf den „Wind and Current Charts“ ist an diesem Küstenpunkte Melinda irrthümlich
eingetragen (wohl statt Magadoxa).