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Reise 8. M, Kr. „Möwe“ von Zanzibar nach Aden.
Brava, Merka und Magadoxa bereits auf einer früheren Fahrt von S, M. Kr.
„Möwe“ besucht. Der Kommandant hat den Eindruck gewonnen, daß die
Küste auch während des südlichen Monsuns für Dampfer nicht so unnahbar ist,
als man gewöhnlich anzunehmen geneigt ist. See und Wind scheinen näher am
Lande gleichmäfsiger und geringer zu sein, als in gröfserer Entfernung, worauf
auch einzelne Bemerkungen im „Africa Pilot“ und Findlay’s „Indian Ocean“
hinweisen, Der Nordstrom war theilweise go stark, dals einmal 240 Sm in
24 Stunden zurückgelegt wurden, obgleich nicht mehr als 6% Knoten geloggt
waren.
Ueber die merkwürdige ungewöhnlich niedrige Temperatur des Wassers
und der Luft an dieser Küste (15° C. auf 8° N-Br) sind in der unten folgenden
Tabelle ausführliche Daten zusammengestellt,
Nach Passiren von Kap Cuardafui nahm die Reise einen aufserordentlich
langsamen Forigang. In 4'% Tagen wurden durch Segeln etwa 85, durch Strom
etwa 125 Sm gewonnen, und dazwischen‘ mulste auch einige Stunden Dampf
aufgemacht werden, da das Schiff bei Kas „Aluleh zu nahe an Land trieb, Die
Hitze war hier erdrückend, das Thermometer fiel nie unter 30° €, und stand
Nachts, sobald ein leichter Luftzug vom Lande her verspürt wurde, 4°—5°
höher als am Tage, Am 11. Juli ankerte „Möwe“ auf der Rhede von Aden,
I. Bemerkungen zur Küstenbeschreibung des Somalilandes.
Die Küste unterscheidet sich sehr scharf von der Zanzibar.Küeste. Im
Vergleich zu Zanzibar herrscht ein sehr angenehmes Klima (trockene Luft,
gühle Nächte), Die Berölkerung gehört zur Nordafrikanischen Rasse und unter-
scheidet sich von den Negern weniger durch die Hautfarbe, als durch schlanken
Wuchs, ungemein obenmäfsige, fast zierliche Kopfform und schlichtes Haar.!)
Die Männer gehen stets bewaffnet und tragen neben einem Messer oder Schwert
zwei Wurfspiefse oder einen Bogen mit Pfeilen. Feuerwaffen wurden nicht bei
ihnen gesehen,
Die Küste ist sehr gleichförmig; ein Höhenrücken von weißem Sand und
rothem Laterit zieht sich die ganze Küste entlang und versperrt die Kinsicht
in das Land. Kine Orientirung an der Küste ohne astronomische Beobachtungen
ist, da Special-Küstenkarten hier noch fehlen, selten möglich. Die Landung an
der Küste ist nördlich von Brava meist durch ein schmales Küstenriff erschwert.
Wo am Strande gelandet werden kann, leisten. Brandungsboote, welche an der
Zanzibar-Küste wenig zur Verwendung kommen, hier schätzbare Dienste.
Bis zum Aequator wird die Einförmigkeit unterbrochen durch die vor-
liegende Kette der Juba-Inseln. Von da ab nach Norden beginnt eine, jede
Einsicht in das Binnenland versperrende Hügelkette.
Die Städte Brava, Merka, Magdischw sind nach Land zu mit Mauern
amgeben, Die Thore, gewöhnlich zugleich Thürme, werden dauernd von den
Arabischen Bewaffneten des Sultans, welche hier alle Luntenflinten tragen,
bewacht. Das Haus des Vali ist überall ein vertheidigungsfähiges, mit einem
Pallisadenzaun eingefalstes Gebäude, welches auch einige Koi alte Goschütze
zur Vertheidigung führt, Alles, was hier an Kriegsmaterial, Befestigung und
Personal des Arabischen Herrschers vorhanden ist, zeigt, dafs es nur für einen
Gegner ohne Feuerwaffen berechnet ist, ;
l. Kisimayu.”) Die in der Karte Tit. IX, 85 (Br. K. 860) angegebene
Kinsegelungsmarke White Column am Mark Hill wurde von der „Möwe“ nicht
aufgefunden und kann als nicht vorhanden bezeichnet werden. UVebrigens ge-
nügen die Säule auf der Insel Fawatw und der Felsen Pillar Rock für die Bin-
Sogar hinlänglich, Der Ort besteht. aus einer kurzen Strafse, welche von
dem pallisadirten Hofe des Forts aus durch einige kleine Karronaden in alten
Schiffslaffeten der Länge nach bestrichen wird. Das Fort selbst ist ein zwei-
stöckiges Arabisches Wohnhaus. Im Uebrigen ist der Ort offen und so um-
bedeutend, dafs man ihn kaum als Stadt bezeichnen kann, Die Landung ist
1) Der südliche Theil der Somal-Küste bis Magadora, sowie die unter 1—4 aufgeführten
Plätze wurden auf einer früheren Fahrt von S. M, Kr. „Möwe“ besucht, und beziehen sich die
nächsten Bemerkungen daher zunächst nur auf diesen Theil der Küste.
3) „Africa Pilot*, Part IIE, 1884, 8. 386,
Findlay’s „Indian Ocean“, 1882, S. 657,