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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 14 (1886)

Reise des Kreuzergeschwaders von Zanzibar nach Sydney, 
Reise des Kreuzergeschwaders von Zanzibar nach Sydney. 
Nach dem Bericht des Geschwader-Chefs, Kontre-Admiral Knorr. 
Am 9, Januar d. J, um 2% Uhr Nachmittags verliefs das Geschwader 
unter Dampf die Rhede von Zanzıbar durch den südlichen Pals (in welchem 
die Kisiki-Tonne noch immer fehlte, während der „weiße Pfeiler“ südlich von 
der Englischen Mission im Bau begriffen, aber seiner einstweilen braunen Farbe 
wegen schlecht auszumachen war) und ankerte nach eingetretener Dunkelheit um 
7 Uhr in der Menai-Bucht, von wo aus am nächsten Morgen nach Dar-es-Salaam 
zu dampfen beabsichtigt wurde, um dort durch gemeinschaftliches Kreiselaufen 
die Geschwader-Ruderwinkel festzustellen. Die genannte Bucht bietet, von 
NW-—SO durch die Insel Zanzidar selbst, gegen West durch die Inseln Kwale, 
Pungume und verschiedene unbenannte kleinere geschützt, einen sehr guten 
Aukerplatz für alle Schiffe, die, von Zanzibar kommend oder dorthin bestimmt, 
in der Dunkelheit nicht weiterzugehen beabsichtigen. Die Einsegelung, um die 
Südspitze von Pungume und eine kleine ‘/z Sm östlich davon gelegene Insel 
herum, ist äufserst bequem, der Ankergrund gut. 
Starker Regen und damit verbundenes unsichtiges Wetter gestatteton 
erst um 10 Uhr Vormittags des nächsten Tages Anker zu lichten. Da 68 in- 
folge dessen zu spät geworden sein würde, nach Dar-es-Salaam zu gehen und 
dort noch im Laufe des Tages Kreise zu laufen, so wurde letztere Uebung 
sinstweilen verschoben und die Weiterreise direkt angetreten. Zwischen der 
Menai-Bucht und der als Abgangspunkt gewählten Insel Latham wurde bis 
Ras Kizimkazi ein auflandig setzender Strom von !/ Ku Geschwindigkeit, dann 
ein solcher mit 1,2 Kun nach NWzN laufend, festgestellt. — Der Leuchtthurm 
nördlich von Ras Kizimkazi befand sich noch im Bau und war, weil nicht an- 
gestrichen, schlecht sichtbar, 
Von Latham aus wurden die Comoren angesteuert und der Kurs, des 
erwarteten westlichen Stromes wegen, an der westlichen Insel — Comoro — 
vorbei, auf die zweite — Johanna — abgesetzt. Während vom 10. zum 11. 
eine Versetzung nach Norden um 0,9 Sm p. h. festgestellt wurde, ergab die 
Peilung beim Insichtkommen der Insel Comoro am 12. Vormittags dann auch 
einen SWzW-Strom von 1,1 Kn Geschwindigkeit, Am Vor- und Nachmittag 
dieses Tages wurden die für Dar-es-Salaam in Aussicht genommenen Vebungen 
abgehalten und darauf in der Nacht zum 13, zwischen Johanna und Mohilla 
hinderch, ohne irgend welche Stromrersetzung, südlich gesteuert. 
Von den Comoren aus hielt sich das Geschwader in der Mitte des Kanals 
von Men um von dem in der Karte angegebenen südlichen Strome 
möglichst viel Vortheil zu ziehen. Es wurde jedoch ein solcher bis zum Ver- 
jassen des Kanals am 18. nirgends vorgefunden; vielmehr ergaben sich Ver- 
getzungen nach NEzE, NWzW und WzS von 05—1 Sm p. h. Hieraus und aus 
den Reiseberichten anderer Schiffe lälst sich der Schlufs ziehen, dafs die Strö- 
mungen zwischen Madagascar und dem Festlande durch wechselnde Umstände, 
in erster Linie jedenfalls durch den Wind, zu sohr beeinflulst werden, um sich 
auch nur annähernd fest bestimmen zu lassen. 
Vom 18. bis zum 22, Januar, an welchem Tage der 30. Breiten- und 
beinahe der 38, Längen-Grad erreicht war, wurde mw. SSW gesteuert und am 
21. Mittags die Schraube gelichtet und Feuer ausgemacht. Bis dahin hatte der 
im Allgemeinen sehr schwache Wind nur vorübergehend, im Ganzen 6twa 
14 Stunden, die sich auf acht Fälle vertheilten, den Mitgebrauch der Raasegel 
estattet. 
5 Yom 22. bis 26. Januar wurde mit rw. SOzO der 40. Breiten-Grad auf- 
gesucht und von da ab bis zum 13. Fobrusr, vom 45. bis 106, Längen-Grade 
zwischen 39° 45‘ und 40° 40‘ Breite rw. Ost gostenert, 
Die Breite erwies sich in jeder Beziehung zweckentsprechend gewählt, 
Der Wind war mit ganz geringen Ausnahmen backstags oder achterlicher, nur 
an vier Tagen vorlicher als dwars, gestattete mit Stärko 4—7 fast durchweg 
die Führung von Leesegeln und gab dem sehr stark durch bewachsenen Boden 
in der Fahrt beeinflufsten Flaggschiff mr mufste stets erhebliche Segel 
kürzen; „Olga“ lief bei achterlichem Winde im Allgemeinen ebenfalls schneller, 
beim Winde war sie jedoch etwas laugsamer und konnte infolge ihres ver-
	        
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