Reise des Kreuzergeschwaders von Zanzibar nach Sydney,
Reise des Kreuzergeschwaders von Zanzibar nach Sydney.
Nach dem Bericht des Geschwader-Chefs, Kontre-Admiral Knorr.
Am 9, Januar d. J, um 2% Uhr Nachmittags verliefs das Geschwader
unter Dampf die Rhede von Zanzıbar durch den südlichen Pals (in welchem
die Kisiki-Tonne noch immer fehlte, während der „weiße Pfeiler“ südlich von
der Englischen Mission im Bau begriffen, aber seiner einstweilen braunen Farbe
wegen schlecht auszumachen war) und ankerte nach eingetretener Dunkelheit um
7 Uhr in der Menai-Bucht, von wo aus am nächsten Morgen nach Dar-es-Salaam
zu dampfen beabsichtigt wurde, um dort durch gemeinschaftliches Kreiselaufen
die Geschwader-Ruderwinkel festzustellen. Die genannte Bucht bietet, von
NW-—SO durch die Insel Zanzidar selbst, gegen West durch die Inseln Kwale,
Pungume und verschiedene unbenannte kleinere geschützt, einen sehr guten
Aukerplatz für alle Schiffe, die, von Zanzibar kommend oder dorthin bestimmt,
in der Dunkelheit nicht weiterzugehen beabsichtigen. Die Einsegelung, um die
Südspitze von Pungume und eine kleine ‘/z Sm östlich davon gelegene Insel
herum, ist äufserst bequem, der Ankergrund gut.
Starker Regen und damit verbundenes unsichtiges Wetter gestatteton
erst um 10 Uhr Vormittags des nächsten Tages Anker zu lichten. Da 68 in-
folge dessen zu spät geworden sein würde, nach Dar-es-Salaam zu gehen und
dort noch im Laufe des Tages Kreise zu laufen, so wurde letztere Uebung
sinstweilen verschoben und die Weiterreise direkt angetreten. Zwischen der
Menai-Bucht und der als Abgangspunkt gewählten Insel Latham wurde bis
Ras Kizimkazi ein auflandig setzender Strom von !/ Ku Geschwindigkeit, dann
ein solcher mit 1,2 Kun nach NWzN laufend, festgestellt. — Der Leuchtthurm
nördlich von Ras Kizimkazi befand sich noch im Bau und war, weil nicht an-
gestrichen, schlecht sichtbar,
Von Latham aus wurden die Comoren angesteuert und der Kurs, des
erwarteten westlichen Stromes wegen, an der westlichen Insel — Comoro —
vorbei, auf die zweite — Johanna — abgesetzt. Während vom 10. zum 11.
eine Versetzung nach Norden um 0,9 Sm p. h. festgestellt wurde, ergab die
Peilung beim Insichtkommen der Insel Comoro am 12. Vormittags dann auch
einen SWzW-Strom von 1,1 Kn Geschwindigkeit, Am Vor- und Nachmittag
dieses Tages wurden die für Dar-es-Salaam in Aussicht genommenen Vebungen
abgehalten und darauf in der Nacht zum 13, zwischen Johanna und Mohilla
hinderch, ohne irgend welche Stromrersetzung, südlich gesteuert.
Von den Comoren aus hielt sich das Geschwader in der Mitte des Kanals
von Men um von dem in der Karte angegebenen südlichen Strome
möglichst viel Vortheil zu ziehen. Es wurde jedoch ein solcher bis zum Ver-
jassen des Kanals am 18. nirgends vorgefunden; vielmehr ergaben sich Ver-
getzungen nach NEzE, NWzW und WzS von 05—1 Sm p. h. Hieraus und aus
den Reiseberichten anderer Schiffe lälst sich der Schlufs ziehen, dafs die Strö-
mungen zwischen Madagascar und dem Festlande durch wechselnde Umstände,
in erster Linie jedenfalls durch den Wind, zu sohr beeinflulst werden, um sich
auch nur annähernd fest bestimmen zu lassen.
Vom 18. bis zum 22, Januar, an welchem Tage der 30. Breiten- und
beinahe der 38, Längen-Grad erreicht war, wurde mw. SSW gesteuert und am
21. Mittags die Schraube gelichtet und Feuer ausgemacht. Bis dahin hatte der
im Allgemeinen sehr schwache Wind nur vorübergehend, im Ganzen 6twa
14 Stunden, die sich auf acht Fälle vertheilten, den Mitgebrauch der Raasegel
estattet.
5 Yom 22. bis 26. Januar wurde mit rw. SOzO der 40. Breiten-Grad auf-
gesucht und von da ab bis zum 13. Fobrusr, vom 45. bis 106, Längen-Grade
zwischen 39° 45‘ und 40° 40‘ Breite rw. Ost gostenert,
Die Breite erwies sich in jeder Beziehung zweckentsprechend gewählt,
Der Wind war mit ganz geringen Ausnahmen backstags oder achterlicher, nur
an vier Tagen vorlicher als dwars, gestattete mit Stärko 4—7 fast durchweg
die Führung von Leesegeln und gab dem sehr stark durch bewachsenen Boden
in der Fahrt beeinflufsten Flaggschiff mr mufste stets erhebliche Segel
kürzen; „Olga“ lief bei achterlichem Winde im Allgemeinen ebenfalls schneller,
beim Winde war sie jedoch etwas laugsamer und konnte infolge ihres ver-