Die Winde und Strömungen in den Östafrikanischen Küstengewässern. 385
Umstand, dafs das westwärts gedrängte Wasser an der Madagascar-Soite des
Kanals von Mozambique vom Lande abgezogen wird, bewirkt, dafs hier oft
Gegenströmungen auftreten. So setzt der Strom in der Umgebung von Kap
St. Andre und in dem Gebiet zwischen diesem Kap, Kap Ambre und den Comoren
oft stark nach Nordost, Ost oder Südost. Weiter südwärts zeigen sich unweit
der Küste von Madagascar ebenfalls oft nördliche und nordöstliche Strömungen,
und in der Mitte des Kanals strömt das Wasser unter den wechselnden Kin-
fAüssen sehr verschieden, bald in der einen, bald in der entgegengesetzten
Richtung, Auch an der Afrikanischen Seite verursacht die Form der Küste
oft starke Gegenströmungen. Auf der Strecke zwischen Mozambique und Kap
Corrientes zum Beispiel setzt die Strömung, besonders zur Zeit des südlichen
Monsuns, oft stark nach West und Nordwest, quer gegen das Land in die
Bucht von Sofala, und dies aufgestaute Wasser bildet einen nahe unter der
Küste von Sofala und Quilömane hin laufenden nordöstlichen Gegenstrom, . der
mitunter eine Geschwindigkeit von 2 bis 3 Kn erreicht. Natürlicherweise ist
auch der Wind in seinen Veränderungen von erheblichem Einflufs auf Richtung
und Stärke der Strömungen, indem er bald beschleunigend, bald hemmend, bald
nach rechts, bald nach links ablenkend auf die vorherrschende Wasserbewegun
wirkt. Ueberhaupt ist die Oberflächenbewegung des Wassers hier wie überall
grofsen Unregelmäfsigkeiten unterworfen und verändert sich oft von einem Tage
zum andern in Richtung und Stärke ganz erheblich,
Im Ganzen und Grofsen bleibt jedoch das Strömungssystem selbst unter
dem‘ Wechsel der Monsune in allen Sihreszeiten nahezu dasselbe, Zwischen
10° S-Br und der Breite von Zanzibar setzt der Strom längs der Küste auch
im Nordostmonsun vorwiegend nach Nordwest und Nord. Kr ist alsdann freilich
nicht 80 regelmäfsig und stark wie im Südmonsun;z indessen wurden selbst im
Dezember und Januar, wenn der Nordostmonsun hier am meisten entwickelt
ist, nördliche Versetzungen von mehr als 50 Sm im Etmal beobachtet. Das
Zusammentreffen mit der in dieser Jahreszeit längs der Somali-Küste nach Süd-
west laufenden Strömung scheint erst weiter nördlich, in 2° bis 3° S-Br, statt-
zufinden und dort einen Abfluls des Wassers nach Südost und Ost in die
Aequatorialgegenströmung des Westmonsungebietes zu bewirken. Der haupt-
gächlichste, durch den Windwechsel hervorgerufene Unterschied besteht darin,
dals die Scheidung zwischen dem nördlichen und südlichen Arm des‘ Küsten-
stromes während des Nordostmonsuns etwas nördlicher als Kap Delgado, in
etwa 9° S-Br, liegt, und dafs weiter landabwärts, außerhalb des eigentlichen
Küstenstromes, zwischen 10° und 5° S-Br die Trift jetzt weniger regelmäßig
als sonst nach West und Nordwest, sondern häufig auch nach Südwest geht.
Der zuerst als Mozambique-Strom, in seinem späteren Laufe aber als
Agulhas-Strom bezeichnete südliche Arm beginnt, wie gesagt, im Dezember,
Januar und Februar schon in etwa 9° bis 10°, während des übrigen Jahres
aber etwas weiter südlich, in 11° bis 12° S-Br. Zwischen Kap Deligado und
Mozambique ist er zur Zeit des Südmonsuns ziemlich unregelmäfsig; weiter
güdlich wird er beständiger; aber auch hier zeigen sich, wie bereits bemerkt
wurde, besonders vor den ‚tieferen Einbuchtungen der Küste nicht selten Ab-
weichungen von dem normalen Laufe, der recht längs der Küste geht oder
vielleicht um ein Geringes auf dieselbe zu setzt. In der Nähe der vorspringenden
Punkte des Landes läuft der Strom meistens mit vermehrter Stärke. Im All-
gemeinen wird die südwestliche Strömung auch um so stärker, je weiter süd-
wärts sie kommt, und erreicht ihr Maximum gewöhnlich erst auf der Höhe von
Algoa-Bai. Wenn die Schiffe zu nahe unter Land aus dem Strome heraus-
gelangen, so wird dies hier meistens durch eine erhebliche Abnahme der im
Agulkas-Strom verhältnifsmäfsig sehr hohen Wassertemperatur angezeigt. Weiter
nördlich scheinen solche Unterschiede der Temperatur in der Strömung und
aufserhalb derselben nicht vorhanden zu sein. Am Aufsenrande des Küsten-
stromes pflegt die Trift nach Südost und Ost, weiter ab selbst nach Nordost
zu setzen. Insbesondere scheint dies südlich von 25° S-Br der Fall zu sein,
wo der Wind häufiger aus einer nördlichen und nordwestlichen Richtung kommt.
Auch auf der Route der Ausreise der Schiffe, welche 30° S.Br in 40° bis
42° O-Lg schneidet, ist die Trift von Süden herauf bis nach 30° und oft noch
niedrigeren Breiten vorwiegend östlich,
Ann. 4. Hydr. etc, 1996, Hoft IX.