380 Die Winde und Strömungen in den Ostafrikanischen Küstengewässern,
Der Wechsel der Monsune. Die Zeit, wenn der eine und der andere
Monsun zur Herrschaft gelangt, ist nach der Lage des Ortes etwas verschieden,
und zwar pflegt im nördlichen Theile des Kanals von Mozambique der Nordost-
monsun früher und der Südmonsun später einzusetzen, als im mittleren Theile
des Kanals sowohl als auch eigenthümlicherweise weiter nördlich, zwischen
10° S-Br und Zanzibar.
In dem Abschnitte des Gebietes zwischen 10° und 5° S-Br ist
der Wind nordöstlich von Ende November oder Anfang Dezember bis gegen
Ende Februar oder Anfang März. Im Monat Januar, zur Zeit der gröfsten Ent-
wickelung des Monsuns, ist die vorherrschende Richtung NNE. Im Februar
beginnt der Wind schon sich etwas mehr nach rechts zu drehen, und, diese
Drehung fortsetzend, kommt er im März schon vorwiegend aus einer südlich
von Ost liegenden Richtung. Von etwa Mitte März bis gegen Ende Oktober
herrscht er fast ununterbrochen aus dem Südostquadranten, und zwar meistens
aus einer Richtung, die südlich von Südost liegt und ihre gröfste Abweichung
nach rechts — Südsüdost — im Monat Juni erreicht. Dies ist zugleich der
Monat, in welchem der Wind durchschnittlich am frischesten weht und am
wenigsten Windstillen und leichte Winde vorkommen, Im Juli beginnt der
Wind sich nach links zurückzudrehen. Seine Richtung verändert sich zunächst
aber nur noch langsam; erst im November geht er durch die östlichen Striche
und bezeichnet damit den Uebergang zum Nordostmonsun, der dann im nächsten
Monat zur vollen Herrschaft gelangt ist.!)
Im nördlichen Theile des Kanals von Mozambique, zwischen 10°
und 15° S-Br, setzt der Nordostmonsun schon zu Anfang November, der Süd-
monsun dagegen erst gegen Mitte März oder Anfang April ein. Die Richtung
des letzteren ist hier durchschnittlich etwas südlicher wie zwischen 5° und
10° S-Br, indem er bis Ende September vorwiegend aus Südsüdost und im Mai
und Juni, wenn er am meisten nach rechts abgelenkt ist, selbst häufig aus
Südsüdwest kommt, Die mittlere Richtung bleibt jedoch, den Schiffsbeobach-
tungen zufolge, auch in diesen Monaten östlich von Süd, und ist demnach die
oft gebrauchte Bezeichnung des Windes als Südwestmonsun auch hier nicht
zutreffend. Der Uebergang zum Nordostmonsun, der Ende September beginnt,
vollzieht sich, wenn auch weniger regelmäfsig, doch in ähnlicher Weise wie
weiter nördlich, durch allmähliches Zurückdrehen des Windes nach links. Im
Oktober treten neben den vorwiegenden südöstlichen schon vielfach nordöstliche
Winde auf, und die mittlere Richtung liegt schon östlich von Südost. Der
Uebergang vom Nordost- zum Südmonsun, der in den Monat März fällt, scheint
dagegen in der Weise vor sich zu gehen, dafs der Wind die Drehung nach
links fortsetzt und durch die westlichen Striche holt. Vorwiegend westlich
von Nord ist der Wind schon von Anfang Januar an; nur während der ersten
Hälfte des Monsuns, in den Monaten November und Dezember, sind die seiner
Benennung entsprechenden nordöstlichen Winde vorherrschend. Aber auch dann
schon kommen westliche Winde nicht selten vor. Der nördliche Monsun ist
hier überhaupt sehr unregelmäfsig, bei weitem nicht 80 beständig in Richtung
und Stärke, wie der südliche Monsun sowohl, als auch wie der Nordostmonsun
in den weiter nördlich gelegenen Meeresstrichen. Schon von Anfang Oktober
an und besonders im November und Dezember herrschen sehr oft Windstillen
und leichte Winde, Dieselben kommen hier in diesen Monaten mehr als doppelt
so häufig vor, wie zwischen 10° und 5° S-Br. Das erwähnte und in den
Tabellen deutlich hervortretende Vorherrschen westlicher Winde in den Monaten
Februar und März läßt sich vielleicht dadurch erklären, dafs in diesen Monaten
die Gegend relativ gröfster Wärme und niedrigsten Luftdruckes, nach welcher
die Luttbewegung auf dem in Rede stehenden Gebietsabschnitte hingezogen
wird, nicht mehr über dem Festlande, sondern bereits über dem Ocean liegt.
Das Gebiet wird alsdann mit in den Bereich des Westmonsuns gezogen, der
sich in den vorhergehenden Monaten von Osten her, wo er am meisten ent-
wickelt ist, »ur bis nach 70° oder 60° O-Lg erstreckt.
7) Das allmähliche Herumholen des Windes auf dem hier besprochenen Abschnitte des
Gebietes, von Januar bis Juni nach rechts und von Juni bis Januar nach links, zeigt sich deutlich
in der Tabelle II: die jahreszeitliche Aenderung der herrschenden Winde.