378 Die Winde und Strömungen in den Ostafrikanischen Küstengewässern,
Beobachtungen sich herausstellende gröfsere Häufigkeit eines bestimmten Windes
auf einer Seite des Fahrwassers oft nur daher, dafs die Segelschiffe, deren
Route ja doch immer durch den angetroffenen Wind bedingt wird, sich bei
jenem bestimmten Winde vornehmlich auf der fraglichen Seite aufhalten. Im
Kanal von Mozambique hat ein herrschender östlicher Wind die Wirkung, dafs
die Schiffe mehr nach der Westseite, ein westlicher Wind, dafs dieselben mehr
nach der Ostseite des Kanals gedrängt werden. Auf diese Weise mufs sich
nach den Schiffsbeobachtungen von selbst für die Westseite eine größere
Häufigkeit östlicher und eine geringere Häufigkeit westlicher Winde als für die
Ostseite ergeben, ohne dafs in Wirklichkeit ein solcher Unterschied vorhanden
zu sein braucht. Das Mifsverhältnifs in der beobachteten Häufigkeit der ver-
schiedenen Winde, welches daraus entsteht, dafs sich die Schiffe auf einem be-
stimmten Abschnitte ihres Weges bei konträrem Winde länger aufhalten als bei
zünstigem, dürfte sich hier ausgleichen, da von den beitragenden Schiffen ebenso
viele in der einen als in der entgegengesetzten Richtung fuhren.
Die Winde, Die Windbeobachtungen wurden aus den Journalen für jede
achte Stunde genommen, für Mittag, 8 Uhr Abends und 4 Uhr Morgens. Jo
drei Beobachtungen repräsentiren demnach eine Beobachtungszeit von einem
Tage. Im Falle der Wind sich in der Zwischenzeit verändert halte, wurde
nicht der zu den Terminstunden notirte, sondern der während der acht Stunden
vorherrschende Wind genommen. Für die bessere Uebersichtlichkeit erschien
es zweckmäfsig, die in den Journalen für 16 oder selbst 32 Striche notirten
Winde auf 8 Striche zu reduciren. Die Vertheilung der für einen Zwischen-
strich notirten Winde auf die beiden nebenliegenden Hauptstriche geschah im
Verhältnils der für die letzteren notirten Windzahlen, so dafs zum Beispiel,
wenn für S 40, SE 80 und SSE 60 Beobachtungen notirt waren, von letzteren
den Südwinden 20 und den Südostwinden 40 hinzugezählt wurden. Die Wind-
stärke liefs sich nicht mit in Untersuchung ziehen, da die mitbenutzten gewöhn-
lichen Schiffstagebücher darüber keine hinreichend genaueu Angaben enthalten,
Um einen Anhalt zur Beurtheilung der mittleren Stärke zu gewinnen, sind jedoch
neben den absoluten Windstillen auch die leichten Winde, von der Stärke 2
oder weniger, herausgehoben und mit jenen in einer besonderen Spalte zusammen-
gestellt worden, Beim Extrahiren der gewöhnlichen Schifstagebücher wurde
die Windstärke zu 2 oder weniger angenommen, wenn die durchschnittliche
Fahrt während der 8 Beobachtungsstunden nicht größer als 2 Knoten ge-
wesen war.
Die Windkarten. Des Weiteren ergiebt sich die Art und Weise der
Behandlung aus den folgenden beiden Windtabellen I und II und den 12 monat-
lichen Windkarten, in welchen die Resultate der Untersuchung zur Darstellung
gebracht worden sind. Nur ist hinsichtlich der die Stürme darstellenden Dia-
gramme noch zu bemerken, dafs in den Karten alle diesbezüglichen Beobach-
jungen verzeichnet worden sind, welche sich in den Journalen 'vorgefunden
haben. Eine Vergleichung der Anzahl der Diagramme in den einzelnen Karten
mit der Anzahl der Windbeobachtungen in denselben ergiebt deshalb näherungs-
weise auch das Häufigkeitsverhältnils der Stürme für die einzelnen Monate.
Hinsichtlich der Darstellungsweise kann wieder auf die Erklärung der Dia-
gramme, welche in den Karten gegeben ist, verwiesen werden,
Die Strömungen. Zur Untersuchung über die Strömungen wurden die
diesbezüglichen Angaben, soweit dieselben zuverlässig erschienen, aus sämmt-
lichen Journalen, sowohl den meteorologischen als auch den gewöhnlichen
Schiffejournalen, extrahirt. Wie bekannt, bedeuten diese Angaben die aus der
Vergleichung der Ortsbestimmung nach der Loggrechnung und der nach astro-
Aomischen Beobachtungen sich ergebenden Besteckversetzungen, und sind die-
selben in den Journalen in den meisten Fällen für je 24 Stunden gegeben,
Wenn infolge einer Verhinderung der astronomischen Beobachtung die Ver-
setzung erst nach 48 Stunden bestimmt werden konnte, ist angenommen worden,
dafs dieselbe sich über beide Etmale gleichmäfsig vertheilt habe. Angaben für
sine Zeitdauer von drei Tagen oder mehr wurden ganz ausgeschlossen, da in
solchen Fällen, insbesondere wenn das Schiff seinen Ort inzwischen sehr ver-
indert hatte, die Annahme einer gleichmäfsigen Vertheilung der Versetzung
äber den vom Schiffe zurückgelegten Weg und die verflossene Zeit als zu un-