Einige Bemerkungen über Rouen im August 1885,
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Die meisten mit Getreide oder Steinkohlen beladenen Schiffe liegen an der
St. Sever-Seite (eine Vorstadt am linken Ufer, Rowen gegenüber), woselbst auch
das tiefste Wasser steht, Für dae Löschen von Getreide nimmt man gewöhnlich
einen Stauer an, doch kann man, wenn man dieses wünscht, auch einige der
Schiffsleute mit dabei verwenden, Die Ladung wird in Säcken (meistens unter
Aufsicht eines Zollbeamten) an Bord gewogen, wofür man an Wiegegeld 15 Cts.
per Tonno = 1000 kg zu zahlen hat. Dieses Wiegegeld ist in dem laut Ueber-
einkommen dem Stauer auszuzahlenden Lohn nicht mit einbegriffen,
Die Entlöschuny eines Schiffes geht in Roxen ziemlich rasch von statten,
Nach der „usance du port“ müssen Schiffe unter 100 Tonnen innerhalb 5, von
101 bis 200 in 10 und über 200 Tonnen in 12 Tagen entlöscht sein. Für das
Beladen eines Schiffes sind erlaubt: 10 Tage für ein Schiff von 100 bis 150,
12 für ein solches von 151 bis 200 und 15 für ein Schiff von über 201 Tonnen
Größe, Die Arbeitszeit beginnt beim Löschen, wenn dieses unter Aufsicht von
Zollbeamten geschieht, um 7 Uhr Morgens und endet um 6 Uhr Abends. Von
dieser Zeit werden indefßs zwei Stunden für Mittag und je eine halbe Stunde
am Morgen für Frühstück und am Nachmittag für Vesper abgerechnet, so dafs
die eigentliche Dauer der Arbeitszeit acht Stunden beträgt.
Der Ballast kostet in Rowen frei längsseits des Schiffes, wenn Kies,
2 Fres., wenn Bauschutt, Erde u, 8. w., 1 Fre. 50 Cts, per 1L000kg. Eben
unterhalb Roven, in Dieppedalle-Crotsset, kann man Kreidefelsstücke, welche
einen bedeutend bessern Ballast abgeben, zu viel billigeren Preisen erstehen;
doch geht durch das Verholen dorthin und ein langsames Uebernehmen des
Ballastes daselbst viel Zeit verloren.
Proviant und andere zur Ausrüstung eines Schiffes gehörende Sachen
sind in Rowen zu denselben Preisen wie in Hamburg zu haben,
Rouen ist eine der ältesten, hübschesten und reichsten Provinzialstädte
Frankreichs und besitzt mehrere Sechenswürdigkeiten, als: Kirchen, andere
Gebäude und Alterthümer. Es führen drei Brücken über die Seine, zwei
steinerne Bogenbrücken und eine provisorische Holzbrücke, letztere an Stelle
der jetzt abgebrochenen Hängebrücke, die aber durch eine neue ersetzt wird.
Die Quaijanlagen reichen bis zu diesen Brücken und auch noch bis oberhalb
derselben, woselbst sie aber natürlich nur von kleineren Fahrzeugen benutzt
werden können, da die Brücken gröfseren Schiffen den Durchgang nicht ge-
statten. Es ist eine Vertiefung der Seine oberhalb Rowen in Aussicht genommen,
um das Fahrwasser bis Paris auf 5m zu bringen. Schon jetzt besteht eine
direkte Dampfschiffsverbindung zwischen Paris und England, deren Dampfer so
gebaut sind, dafs sie die Seine-Brücken passiren können. |
Fast alle Waaren, die in Rouen für Paris gelöscht werden, gehen in
Leichterfahrzeugen nach dort. Eingeführt wurde in Rouen au Getreide
im Jahre 1879; 429848 Ton. & 1000 kg
” 1880: 352 373 #
N 1881: 261893 -
Obwohl in den letzten Jahren die Auzall der den Hafen von Rouen
besuchenden Schiffe abnahm, so ist doch der Gesammt-Tonnengehalt derselben
gestiegen. Das Verhältnifs ist wie folgt:
Es besuchten Rovwen im Jahre 1880:
1881:
1882:
1883:
1884:
1880:
1881:
1882:
1883:
FQ2Q4 =
”
Die Befenerung und anderweitige Bezeichnung des Fahrwassers der Seine
bis Rowen ist sehr gut, so dafs die Schiffe auch des Nachts, trotz des manch-
Anz. d. Hydr. eto., 1896, Heft TIL