Reise von Batavia über Cheribon durch die Bali-Strafse.
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Die Postverbindung von St. Thomas ist eine gute. Fünf sichere und
regelmäfsige Postdampfer mit 14—17 Tagen Fahrzeit von dem Französischen
bezw. Englischen Abgangshafen laufen die Insel im Monat an, sieben ebensolche
gehen nach Europa zurück. Ferner steht St. Thomas mit ganz Westindien und
ler angrenzenden Festlandsküste einschlielslich Mexiko theils durch die trans-
atlantischen oder interkolonislen Postdampfer, theils durch die über Portorico
nach Havana und zurück laufenden Dampfer der Herrera-Gesellschaft oder
durch Handelsdampfer in so ausgedehnter und häufiger Verbindung, wie kein
anderer Hafen Westindiens.
Bericht des Kapt, G. Reinicke, Führer der Deutschen Bark „Triton“,
über seine Reise von Batavia über Cheribon durch die Bali-Strafse.
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte,)
„Auf unserer Reise von Cardiff nach Batavia ankerten wir am 2. No-
yember 1884 um 7'/* p. m. 1% Sın WzN von der Menscheneter-Insel auf einer
Tiefe von 9m (5 Fad.). Mit Tagesanbruch gingen wir am folgenden Morgen
bei der Landbriese wieder unter Segel und nahmen das Fahrwasser nördlich
von Grofs-Kombüse. Gleich nach 10* a, m. starb die Landbrieso ab, und da
ein kräftiger Strom nach W lief, ankerten wir, bis kurz nach Mittag frische
nördliche Secbriese durchkam. Mit dieser segelten wir auf die Rhede von
Batavia zu. Bevor letztere erreicht ward, kam um 4* p. m. eine steife Böe
vom Lande her, und wir wollten eben den Anker fallen lassen, als sie auch
schon vorüber war und der unterbrochen gewesene Seewind stürmisch wieder
einsetzte. Bereits um 5" p. m. kamen wir auf der Binnenrhede zu Anker, Die
stürmische Seobriese nahm bald nach Sonnenuntergang schnell bis zur Wind-
stille ab; sie hatte aber während ihrer kurzen — etwa zweistündigen — Dauer
einen solchen Seoegang erzeugt, dafs fünf Prauen sanken und die Reparaturen
an den bei der Krakatau-Katastrophe beschädigten Molen theilweise wieder ver-
nichtet wurden. Mau erinnerte sich nicht, hier seit Jahren einen so etarken
NE-Wind gehabt zu baben. Am 5. November holten wir das Schiff in den
Hafen von Tandjong Priock und begannen sofort, vermittelst Dampfkraft durch
Kulis die Steinkohlenladung zu löschen. Es wurde Tag und Nacht gelöscht;
dennoch dauerte die Arbeit bis zum 13. November. Am folgenden Tage gingen
wir wieder auf die Rhede. Die Mannschaft war gesund geblieben; dazu mag
wohl der Umstand beigetragen haben, dafs ihr alle mögliche Schonung zu Theil
wurde. Aufserdem durfte Niemand des Nachts an Deck schlafen, in der Sonne
baden oder an Land gehen. Fruchtverkäufern war der Zutritt an Bord nicht
gestattet; ich selber kaufte jedoch gelegentlich für die Leute einige Früchte,
wenn mir solche von guter Qualität angeboten wurden, Kurz nach dem Ver-
lassen von Tandjong Priok stellten sich zwar an Bord einige Fieber- und
mehrere Diarrhoe-Anfälle ein, doch gingen sie alle ohne schlimmere Folgen
rorüber,
Am 16. November traten wir in Ballast die Reise nach Cheribon an,
Diese wurde bei vorwiegend leichten veränderlichen Winden (nur von Sonnen-
untergang bis gegen Mitternacht war das Wetter ausnahmslos böig) und sehr
ruhiger See ausgeführt, Strömung war fast unmerkbar, Am 20, November
wurde die Rhede von Cheribon erreicht. Hier hatten wir eine Ladung Zucker
für Europa zu laden. Nachdem ein Theil desselben eingenommen war, segelten
wir am 29, November auf eine Wassertiefe von 18m (10 Fad.), warfen daselbst
den Ballast über Bord und kehrten dann, am 3. Dezember, nach dem früheren
Ankerplatz zurück, um die Ladung zu vervollständigen. Am 14. Dezember war
„Zriton“ beladen und seeklar für die Rückreise nach Queenstown,
Die Witterungsverhältnisse in Cheribon traf ich diesmal ganz ähnlich,
wio bei meinem letztjährigen Aufenthalte in derselben Jahreszeit, und kann ich
bezüglich derselben auf meinen damals gegebenen Bericht verweisen.‘)
‚Ann. d, Hrdr, etc.“, 18385, pag. 138.