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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 14 (1886)

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Die Insel St. Thomas, Westindien, 
In der Zeit vom 5, bie 11. Februar betrug die mittlere Luftwärme im 
Hafen 25,0° C., die mittlere Feuchtigkeit der Luft 71,8 °%. Da die entsprechen- 
den Wertbe für Port af Spain im Dezember und Januar 26,9° C, bezw. 85,3 Yo, 
für St, Vincent im Januar 25,9° und 79,5 °% waren, so ergiebt sich zu Gunsten 
von St. Thomas ein Unterschied in der Wärme von 1,9° bezw. 0,9°, in der 
Feuchtigkeit von 13,5 bezw. 7,7%. Auf entscheidende Bedeutung können diese 
Werthe allerdings keinen Anspruch machen, da die Beobachtungen nicht gleich- 
zeitig angestellt sind; immerhin aber dürften sie ein annähernd richtiges 
Bild geben. 
Ausrüstung und Reparaturen, Die Preise der Lebensmittel, des 
Wassers und der Kohlen sind mäfsig; die Vorräthe an Salzfeisch und Hartbrot 
sind jedoch gering, so dafs sie für ein Geschwader nicht ausreichen. Hartbrot 
kann allerdings von zwei guten Bäckereien (Juan Font und M. V, Cid, ersterer 
liefert besseres Brot) zu je 1000 Pfd., also im Ganzen 1000 kg täglich in bester 
Beschaffenheit erbacken werden. Bis auf diese beiden, freilich wichtigen Gegen- 
stände eignet St. Thomas sich sehr gut als Ausrüstungsplatz für mehrere Schiffe, 
in allen Stücken aber bei kurzer Frist nur für ein Schiff, Frischer Proviant 
ist in ausreichender Menge und guter Beschaffenheit zu mäfsigen Preisen zu 
haben, Gemüse etc, jedoch ist knapp, weil Gärten fast ganz fehlen. 
Das Wasser ist Regenwasser, welches von den Dächern oder besonderen 
hoch gelegenen Plattformen in gemauerte und cementirte Cysternen gesammelt 
wird. Zum Verkauf von Wasser an Schiffe haben drei Firmen zusammen 
LO grofse Cysternen angelegt, welche zusammen über 4000t halten, Dasselbe 
wird in Prähmen, die 10—12t halten und mit Pumpen versehen sind, ‚Prompt 
längsseit gebracht. Die angestellte Untersuchung ergab dasselbe als für alle 
Zwecke brauchbar. 
Die Kohlen sind von guter Beschaffenheit. Sie wurden von dem oben 
erwähnten neu angelegien Kohlenetablissement Bröndstedt & Co. bezogen. 
Das Uebernehmen geht bei Schiffen, welche an die Bröndstedt’sche Ladebrücke 
anlegen können (bis 21 Fuß Engl = 64m Tiefgang), sehr schuell, da die 
Neger, Männer und Frauen, in Körben mehr an Bord tragen, als man in den 
Bunkern wegirimmen kann; S. M. S. „Ariadne* hat auf diese Weise 43 t durch- 
schnittlich in der Stunde genommen, hätte diese Menge aber wohl verdoppeln 
können, wenn die kleinen Bunkerlöcher und das Trimmen es gestattet hätten. 
Aus Prähmen geschieht das Uebernehmen in der gewöhnlichen S Weise: S. M.S, 
„Moltke“ hat 200t in 5 Stunden genommen. Die üblichen Prähme halten nur 
15 t, doch sind auch solche von 35 und 60t bis zu 80% zu haben. Die Kohlen- 
nijederlage der Hamburger Packetfahrt-Aktien-Gesellschaft ist die am Südufer 
des Careeing (‚ove, welche auf dem Englischen Plane Tit, VII, 283, ohne nähere 
Bezeichnung angegeben ist. Sie liegt sehr geschützt und hat ausreichende 
Wassertiefe für grofßse Schiffe. Die Gesellschaft hält 4—5000% Westfälische 
Kohlen, mit denen sie sehr zufrieden ist, auf Lager, darf jedoch an andere 
Dampfer, als ihre eigenen, nicht abgeben, auch an Deutsche Kriegsschiffe nicht, 
weiche dieselben sonst an der Werft bequem und schnell würden einnehmen 
können; die Regierung hat ihr dies im Interesse der Kohlenlieferauten unter- 
3agt, ebenso den beiden anderen Dampfschiffs-Kompagnien. 
Die Gelegenheit zur Ausführung von Reparaturen ist eine verhältnifs- 
mäfsig günstige, jedenfalls wohl besser, als in irgend einem anderen west- 
indischen Hafen, mit Ausnahme derer, welche Regierungs-Werften und Docks 
haben, wie Fort de France auf Martinique und Havana, Das schwimmende 
Dock der „Floating Dock Company“ kann Schiffe von 3000 t, 76 m (250 Engl.) 
Länge, 21m sd Kugl.) Breite und 6m (20 Engl.) Tiefgang aufnehmen. Die 
Aufschleppe (Patent slip) der „Royal Mail Steam Packet Company“, bei deren 
Kohlenniederlage gelegen, soll nach den eingezogenen Erkundigungen nur für 
Schiffe bis zu 300% sich eignen, während im „West India Pilot“, Vol. IL, 1876, 
5. 148/149, und danach in „Sailor’s Handbook“, S. 103, angegeben ist, dafs 
Schiffe bis zu 1200% aufgeschleppt werden können, Die an der Stadtseite 
zelegenen Werkstätten (Factory) dieser Gesellschaft sind mit guten Arbeits- 
maschinen versehen und reichen für alle Maschinenreparaturen aus bis auf 
Neufertigung von Kurbelwellen, Dampfeylindern und grofsen Eisengufsstücken: 
die Preise sind jedoch sehr hoch.
	        
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