Die Insel St. Thomas, Westindien.
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genau auf denselben Platz ausgelegt werden.) Die übrigen, Privatgesellschaften
angehörigen Tonnen werden von diesen nach Bedarf verlegt.
3. Im Westen des Hafens, nördlich von der Werft der Hamburger Ge-
ölecha ist ein neues Kohlen-Etablissement (Firma Bröndstedt & Co.)
angelegt.
5 % Tafel 9 enthält eine durch Personal S. M. Kr.-Freg. „Stein“ auf.
yrenommene Skizze des kleinen, den Hafen mit dem Gregerie Channel verbinden-
den Kanals.
Der Kanal, wie in den Segelanweisungen angegeben, ist ausgesprengt
worden, um einen Spülstrom, namentlich für die NW-Ecke des Hafens, zu
erzeugen,
Dieses ist durchaus gelungen, und das Resultat — wenn die Behauptung
zuverlässig ist, da(s nämlich die NW-Ecke des Hafens, früher ein specieller
Gelbfeberherd und den der dortigen Werften bedürftigen Schiffen somit be-
zonders unheilvoll, jetzt fieberfrei geworden sei — jedenfalls ein glänzendes,
Der Strom in dem Kanal ist abhängig von der Gezeitenströmung im Hafen und
unregelmäßig, wie diese selbst; die Stärke beträgt bis 3—4 Ku.
Als Verkehrsstrafse nach dem Gregerie Channel ist der Kanal ebenfalls
nützlich, die Benutzung bei Dünung und bewegter See jedoch gefährlich, da
Boote dann leicht auf das Felsenriff gesetzt werden. Bei ruhigem Wetter und
am Tage ist die Passage einfach und für alle Kriegsschiffsboote durchaus
praktikabel. Bei nicht zu dunkler Nacht, in der man das Felsenriff auf der
Gregerie-Seite noch weit sicht, kann man auch passiren. Man hüte sich dann
nur vor dem OÖst-Riff, welches unter Wasser schräge vorspringt (siehe die
Skizze), und steuere dicht an die Spitze des West-Riffs heran mit Kurs eben
frei von der nächsten flachen Landzunge; beim Passiren nach dem Gregerie
Channel zu hüte man sich vor dem Ausläufer der niedrigen Landzunge.
Bezüglich des Gregerie Channels ist das Nachstehende zu bemerken:
Der hemne! wird jetzt fast niemals ala Ankerplatz von Schiffen gewählt,
Früher hatte die West India Mail-Linie in der Biegung des Kanals ein Kohlen-
schiff verankert, siehe Karte Titel VII, No. 283. Von derselben Kompagnie
war auch die in den Segelanweisungen „West India Pilot“, S. 153, und „Mer
des Antilles“, S. 329, und in der obigen Karte angegebene Tonne an der Süd-
ecke der Gregerie-Bank ausgelegt worden. Beide, Kohlenschiff und Tonne, liegen
nicht mehr aus, Ferner ist das in der Karte zwischen Sandy Pt. und
Karoline Pt. verzeichnete Wrack nicht mehr vorhanden, es liegen von dem-
selben nur einzelne Stücke auf dem Strande,
Das in der Karte eingetragene Pulvermagazin existirt nicht mehr, die
Häuser Caroline Lyst sind zerfallen und markiren sich wenig.
Die kleine N inbuchtung auf der Nordseite der Insel, die Great North
Side-Bucht, wird von Schiffen fast nie besucht. Wenn sie allerdings auch bei
nicht zu nördlichem Passate ruhiges Wasser und guten Ankerplatz für kleinere
Schiffe bietet, so ist sie doch vornehmlich der von Norden oder NW laufenden
Grundsee ausgesetzt und bei mehr nördlichem Passat keineswegs gut geschützt.
An Proviantgegenständen ist dort nichts zu erhalten. Für von Norden
kommende schutzsuchende Schiffe werden die Aukerplätze im Sound östlich
von St, Thomas empfohlen.
Die Gezeitenströmungen bei St. Thomas sind namentlich in ihrer
Zeitdauer sehr unregelmäfsig, und kann eine richtige Hafenzeit deshalb nicht
angegeben werden. Die Angaben der Segelanweisung — MHafonzeit == 7 bis
9 Stunden -— sind nach Aussage des jetzigen Hafenmeisters ohne Begründung;
die Gezeitenströmung sei nach seiner Beobachtung bis zu 17 Stunden denselben
Weg gelaufen, Der betreffende Beamte hat während dreier Jahre, 1873—1875,
mit einem ihn von dem „United States Coast Survey Office“ übersandten selbst-
registrirenden Fluthmesser Beobachtungen über Höhendifferenzen von Hoch-
und Niedrigwasser angestellt, Aus denselben geht zunächst hervor, dafs die
Höhe von Hoch- über Niedrigwasser bei Springzeiten ca 1 Fuls (0,3m) beträgt,
wie dies auch in der Segelanweisung bemerkt ist. Die höchste Differenz, welche
der betreffende Hafenmeister beobachtet haben will, soll 17“ Engl. = 0,4m
sein. Die Gezeitenströämung wird deshalb, da für die Schiffahrt zunächst ohne
Kinflufs, auch nicht weiter beobachtet.
dnn. 4 Hyar. ele., 1956, Haft TIH.