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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 14 (1886)

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Die Insel St. Thomas, Westindien, 
oder Weiler. Außer dem Gouverneur, den Kronbeamten und der kleinen Gar- 
nison — 3 Offiziere und 80 Mann, lauter geborene Dänen — leben nur wenige 
Dänen auf der Insel. Die Polizei besteht aus Farbigen unter Führung Weißer. 
Der Gouverneur wohnt die eine Hälfte des „Jahres auf St. Thomas, die andere 
in Christianstaed auf St, Croiz; auf der anderen Insel wird er durch den 
Kolonial-Sekretär vertreten; zur Verbindung dienen Segelschoner; über ein 
Dampfboot verfügt der Gouverneur nicht. ; 
Hydrographisches, (Auf Grund eines Specialberichtes des Navigations- 
Offiziers S. M. S. „Stein“, Kapt.-Lieut. Hasenclever.) Zur Ergänzung bezw, 
Berichtigung der St, Thomas behandelnden Abschnitte des „West India Pilot“, 
des „Mer des Antilles“ und des „Sailors Handbook“ ist Nachstehendes an- 
zuführen. 
Die Angaben der drei erwähnten Bücher sind im Allgemeinen in Bezug 
auf die Ansteuerung des Hafens zunächst ausführlich und in Verbindung mit 
den bezüglichen Karten vollkommen genügend. Die allgemein ausgesprochene 
Anweisung indessen des „West India Pilot“, 1876, 8. 153, bezw. des „Mer 
des Antilles“, 1875, S. 328, dals man beim Ansteuern des Hafens, um die 
Triangles zu vermeiden, in der Nacht das Feuer ia die Peilung Nord bringen 
solle, empfiehlt eine immerhin überflüssige Vorsicht, Für Segelschiffe kann dies 
sehr leicht den erheblichen Nachtheil mit sich bringen, dafs dieselben bei dem 
gewöhnlich östlichen Winde zu weit nach Lee kommen und dann vor dem Ein- 
gang aufkreuzen müssen. Richtiger ist es für Segelschiffe, dicht an das West- 
ande der Insel Buck heranzugehen und von dort aus gerade frei von der Spitze 
Möhlenfels zu halten. 
Nicht ganz sicher darf man ferner auf frühzeitiges Sichten des gekalkten 
Rupert-Felsen in der Nacht rechnen; nach Angabe des Hafenmeisters sicht man 
namentlich bei bewegter Sec oft den schwarzen Streifen des Felsens unmittolbar 
über dem Wasser eher, als den oberen weilsen Theil. Kriegsschiffe würden 
zum Auffinden desselben eventuell den elektrischen Apparat mit Vortheil be- 
nutzen können. 
Die Angaben bezüglich des Scorpion-Felsens sind, obschon navigatorisch 
vollkommen genügend, nicht ganz genau. Nach einer genauen, seitens des 
Hafenkapitäns vorgenommenen Vermessung befinden sich auf den beiden flachsten 
Stellen 21'/s resp. 22 Fuß Dänisch (6,7 resp. 6,9m) Wasser, (Es war 8, Zt. 
seitens des Gouvernements die Frage ventilirt worden, ob man den Felsen durch 
Sprengung entfernen solle, Die relativ bedeutende Ausdehnung desselben und 
die Nothwendigkeit, bei den geringen Nachbartiefen die eventuell gesprengten 
Felsentheile durch Baggern entfernen zu müssen, würden indessen sehr grofse 
Kosten verursacht und zu dem immerhin nur geringen Gewinn für die Schiffahrt 
nicht im richtigen Verhältnifs gestanden haben. Man hat demgemäls das Pro- 
jekt fallen lassen.) 
Den Lotsendienst für den Hafen versehen der 1. und 2. Hafenmeister, 
welche auf Sigval herauskommen, mit großer Sicherheit. Vor dem Bureau des 
Hafenmeisters steht ein Wachtposten, welcher anlaufende Schiffe beobachtet. 
Die Lotsenboote, offene Gigs, führen die Dänische Kriegsflagge und haben im 
Segel ein schwarzes P.. Obschon die Einfahrt navigatorisch keine Schwierigkeit 
bietet, ist es doch mit Rücksicht auf die Wahl des Ankerplatzes durchaus 
rathsam, sobald als möglich einen Lotsen an Bord zu nehmen. Bei gewöhnlicher 
Frequenz wird man, trotzdem der Raum im Hafen relativ beschränkt ist. immer 
auf Ankerplätze für vier Schiffe rechnen können. 
Die Angaben der Hafenkarte von St. Thomas Titel VII, No, 283 (Brit. 
Adın.-K, 2183) sind namentlich bezüglich der Peilungen etc. durchaus zutreffend. 
Bezüglich des inneren Hafens sind folgende Bemerkungen zu machen: 
1. Das Schwimmdock liegt nicht mehr in der östlichen Kinbuchtung, 
wohin es nur behufg Reparatur hingebracht war (dasselbe soll wegen mangel- 
hafter Vernietung beim ersten Dockversuch versagt haben), sondern im Westen 
des Hafens. Eine Sektion des Docks, im flachen Wasser gesunken, liegt noch 
in Long Bay. 
2. Yon den in der Karte angegebenen Tonnen sind nur die beiden rothen, 
mit „Warping Buoy“ bezeichneten, in ihrer Lage konstant, (Zur Zeit ist die 
innere derselben behufs Reparatur aufgenommen. Dieselbe wird aber wieder
	        
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