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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 14 (1886)

Aufstellung von Wetterprognosen bei typischen Witterungserscheinungen, 29 
allmählich abnimmt. Beide werden dann gleich, und hierauf tritt das Entgegen- 
gesetzte ein, indem das früher höhere Hochwasser das niedrigere wird und zur 
Zeit der Solstitial-Syzygien ganz verschwindet, so dafs dann nur ein Hoch- 
wasser innerhalb 24 Stunden stattfindet. Das Niedrigwasser tritt zur Zeit der 
Sommer-Solstitien ca S* 24” und zur Zeit der Winter-Solstitien ca 20’ 24” ein, 
Die Gröfse des Fluthwechsels zur Zeit der Solstitien varlırt mit den Maximal- 
Deklinationen des Mondes. Zur Zeit der Sommer-Solstitien kann sie 068m 
und zur Zeit der Winter-Solstitien 1,23m erreichen, Der größte Fluthwechsel, 
welcher während der Beobachtungsperiode gefunden wurde, betrug 1.2m. 
Anleitung zur Aufstellung von Wetterprognosen bei typischen 
Witterungserscheinungen auf Grundlage von Zeitungs-Wetterkarten, 
der Isobaren-Telegramme und Wetterkarten überhaupt.‘ 
Von Dr. J, van Bebber, 
'Mittheilung von der Deutschen Seewarte.) 
(Hierzu Tafel 12 
Schon wiederholt ist darauf hingewiesen, dafs es zeitgemäß und wünschens- 
werth ist, beide bisher in den meteorologischen Untersuchungen gebräuchlichen 
Methoden, nämlich die ältere, vorwiegend statistische und die neuere, synoptische, 
zu vereinigen und 80 die beide Methoden trennende Kluft gewissermafsen zu über- 
brücken. Dals auf diese Weise etwas Erspriefsliches für die Wissenschaft, ins- 
besondere für die praktische Seite derselben geleistet werden kann und geleistet 
worden ist, haben verschiedene Untersuchungen vach dieser Methode zur vollen 
Genüge gezeigt. Auch gegenwärtige Arbeit behandelt das durch die täglichen 
Wetterkarten gegebene Material nach der statistischen Methode und hat den 
Zweck, dem Publikum, welches mit den wenigen und einfachen Grundsätzen der 
ausübenden Witterungskunde, die aber von sehr weittragender Bedeutung sind, 
vertraut ist, eine Handhabe zu geben, aus den täglichen In den Zeitungen publi- 
zirten Weiterkarten sich ein begründetes Urtheil über den wahrscheinlichen 
Verlauf der Witterung zu bilden, wolches noch durch lokale Beobachtungen in 
Anlehnung an die allgemeine Wetterlage unterstützt werden kann. Ich bin zwar 
nicht der Ansicht, daß Jeder sein eigener Wetterprophet sein soll, ebenso wenig 
wie Jeder alle seine Lebensbedürfuisse selbst herstellen soll; indessen sollte 
Jeder sich bestreben, ein eigenes Urtheil über eine Sache sich zu verschaffen, 
welche so enge mit seinen materiellen und geistigen Interessen verknüpft ist.” 
Für unsere Witterungsverhältnisse sind die barometrischen Depressionen 
oder Gebiete niederen Luftdruckes, deren Centren die barometrischen Minima 
bilden, von der gröfsten Wichtigkeit, indem ihre Häufigkeit, ihr kürzeres oder 
Jängeres Verweilen über einer (jegend und ihre Umgestaltungen hauptsächlich 
den Witlterungscharakter für grofse Gebiete bestimmen. Da sich mit den baro- 
metrischen Depressionen das ganze System der dieselben umgebenden Winde 
verschieht, wird die Witterung der einen Gegend in die andere übertragen und 
hieraus folgt die grofse Wichtigkeit, Anhaltspunkte darüber zu gewinnen, welchen 
Weg eine Depression einschlagen wird, wenn sie zuerst an irgend einer Stelle 
unseres Erdtheiles auftaucht, 
Ueber diese Frage geben die Untersuchungen der letzten Jahre folgende, 
nur seltene Ausnahmen zeigende, Regel nuch Cl. Ley: Die Fortpflanzung der 
Depressionen steht in der engsten Beziehung zu der Luftdruck- und Temperatur- 
vertheilung und zwar in der Weise, daß der höchste Luftdruck und die höchste 
1) Eine eingehende Besprechung dieses Gegenstandes findet sich im II, Theile meines „Hand- 
buch der ausübenden Witterungskunde“, welcher demnächst erscheinen wird.
	        
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