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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 14 (1886)

Strambeobachtungen. 
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Im östlichen Theil der südlichen Nordsee sind von dem Kanonenboot im 
Anschluß an die Fahrt nach Norden oinige Strombeobachtungen vorgenommen, 
welche längere Perioden umfassen, nämlich auf: 
Station 6a, 55°3‘ N Br. 5°55’0 Lg. 
am 4. bis 5., 23. bis 26. Juli und 14, bis 15. August 1882, 
Station 7, 54°48' N Br. 7°0'0 Lg. 
vom 11. bis 14. August 1882. 
Auf Tafol Y Fig. 2 u. 3 sind die Strombeobachtungen beider Stationen 
für die Oberfläche und für 30 m Tiefe dargestellt. 
Für Station 7 sind die beobachteten Strömungen sehr verworren, der 
Strom dreht bald nach rechts, bald nach liuks, Indessen erkennt man aus der 
graphischen Darstellung doch sogleich: 
daß die Ebbe- und Fluthströmung in der Hauptrichtung NW-—SEzE 
yerläu 
2) dafs sich eine konstante Strömung vach N?A4B an allen Beobachtungs- 
tagen geltend gemacht hat, 
Auffallend ist bei beiden Stationen die Uebereinstimmung des allgemeinen 
Verlaufs der Strömung au der Oberfläche und in 30 m Tiefe. Soweit hier nicht 
die Eigenbewegung des Fahrzeugs Einfluls gehabt hat, geht daraus hervor, dafs 
die Unregelmälsigkeiten der Strömung keineswegs dem direkten Einfluß des 
Windes zugeschrieben werden dürfen, womit nicht die Möglichkeit eines vom 
Winde hervorgerufenen Wasserstans und dessen Rückströmungen ausgeschlossen 
werden soll. Auf Station 7 ist eine sehr schöne Beobachtungsreihe erhalten 
worden, wie namentlich die Kurve für den Strom in 30 m "Tiefe zeigt, 
Hier konnte auch für die Eintrittezeit des Hoch- und Niedrig-Wassers 
din gutes Resultat erzielt werden, Aus Vergleichen mit Beobachtungen am 
Pegel zu List auf Sylt ergiebt sich, dafs das Hochwasser hier Z* 17” früher 
sintritt als an jener Pegelstation, also später als zu a während 
der Gezeitenstrom hier doch in der mittleren Richtung SE—NW alternirt. 
Dieselbe Richtung des Gezeitenstroms wird auch auf dem Feuerschiff „Horns 
Rev“ beobachtet, scheint also in einiger Entfernung von der Küste diesem ganzen 
Meerestheil eigenthümlich zu sein. Beim Umsetzen des Stroms wird überall im 
Allgemeinen ein Drehen nach links herum beobachtet. Diese Erscheinung kann 
aur in der Nähe der Küste oder einer Bank als ein Merkmal gelten, dafs der 
Hauptfluthstrom den Beobachtungspunkt zur Rechten liegen lJäfst, in offener 
See wird man sie herleiten müssen aus der Kombination zweier Wellen ver- 
schiedener Hochwasserzeit, hier einer früheren aus etwa nordwestlicher und 
Biner späieren aus etwa südwestlicher Richtung, 
Wenn in dem nebenstehenden Diagramm CA den 
Fluthstrom aus SW und CB den Fluthstrom aus 
NW bezeichnet und CA um 10 Uhr, CB um 6 Uhr 
die gröfste Geschwindigkeit erreicht, so ergiebt eme 
Kombination der verschiedenen Fiuthstunden suc- 
cessire die Stromrichtungen, welche zur Beobach- 
tung gelangen. Dieselben zeigen eine stetige Dreh- 
ang nach links herum. Dafs eine solche Gezeitenwelle 
mit früherer Hochwasserzeit in die deutsche Bucht 
eintritt, läfst sich aus den Beobachtungen auf dem 
nördlichen Theil der Dogger-Bank (z. B. Station 
4 (VI) Tafel VI) vachweisen und aus den Strom- 
richtungen (Tafel V) folgern; für die nach Norden 
längs der Küste fortschreitenden Hafenzeiten bei 
schnell abnehmender Fluthhöhe würde dann eine 
progressive Beuguugswelle von Süden her in An- 
spruch genommen, andernfalls dieses Problem noch 
als offene Frage angesehen werden müssen. 
Um aus den Strombeobachtungen auf den Stationen 1 bis 7 zu bestimmen, 
ob ein permanenter Strom auf die Gezeitenströmungen einwirke, wurden die 
halbstündlich beobachteten Strämungen zuerst nach östlicher und westlicher
	        
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