Reisebericht des Kapt, F. Reiners rom Schiffe „Aeolus“,
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steigt und fällt ganz bedeutend, bei Neu- und Vollmond bis zu 6m (20 Fuls).
Als wir in Panamd Jagen, kam das Englische Vollschiff „Struen“, welches von
hier nach Palparaiso bestimmt war, nach 121tägiger Abwesenheit wieder in
den hiesigen Hafen zurück, Dasselbe hatte drei Monate nördlich von Guascama
Point in Windstille getrieben und war, da es viel Kupfer verloren hatte, mit
9 Zoll langen Muscheln bewachsen. Auch der Boden dieses Schiffes wurde auf
dem Strande der Iusel Perico gereinigt.
Die Unkosten sind in Panamd, aulser für Ballast, der 3 bis 3'%4 Doll.
die Tonne kostet, nur gering. Die einzige Hafenabgabe, für Einklarirungs-
stempel u. 8. w., beläuft sich auf 15 Doll. Das frische Fleisch wird durch den
Transport an Bord sehr vertheuert, weil ein Boot für die Tour von der Stadt
nach dem Schiff 3 bis 5 Doll. nimmt. Panamd ist ein Freihafen, weshalb der
dort eingeführte Schiffsproriant nicht hoch im Preise steht, Aber frisches Ge-
müse und Früchte sind, seitdem der Panamd-Kanal im Bau begriffen ist, sehr
theuer und bisweilen kaum noch zu erlangen. Das Trinkwasser kostet den
Schiffen 2 Cts, die Gallone,
Das Klima ist auf der Rhede von Panamd ganz gesund, und Krankheiten
an Bord kommen selten vor, Man sollte jedoch den Leuten die Krlaubnifs, an
Land zu gehen, verweigern,
Golf von Nicoya.!) Von Panamd trat „Aeolus“ eine Reise nach
Corinto an, welche längs der Küste und in der Nähe derselben ausgeführt
wurde, Am 30. Oktober verliefsen wir die Rhede von Panamd, standen am
folgenden Morgen unweit Kap Mala und am 9, November in der Nähe von
Kap Blanco. Wir hatten häufig Windstillen und Winde aus westlicher Richtung.
Am Tage holte der Wind gewöhnlich einige Striche südlich von W; in der
Nacht wehte er mehr von dem Lande her. Nachdem Morro Hermoso passirt
war, kam ein steifer Nordwind durch, der, je weiter wir westlich vorrückten,
dstlicher holte. Gleichzeitig ward die Fahrt durch eine starke Strömung nach
WNW unterstützt, Am 14, November ankerte „Aeolus“ in der Nähe der Insel
Cardon, woselbst wir Order erhielten, nach Punta Arenas zurückzusegeln.
Nachdem an den ersten beiden Tagen dieser Reise Naue Winde, abwechselnd
aus nördlicher und südlicher Richtung, geweht hatten, kam ein steifer Nordwind
durch, der uns wieder bis Morro Hermoso brachte, worauf Land- und Seebriesen
mit einander abwechselten, Nach fünftägiger Fahrt ankerten wir bei Punta
Arenas und segelten dann nach der 24 Sm höher im Golf von Nicoya gelegenen
Insel Chira, um dort eine Ladung Cedernholz einzunehmen.
Zur Einsegelung in den Golf von Micoya benutzt man am besten die
Ostseite, da hier die Wassertiefo geringer und die Ebbe weuiger stark ist, als
unter der gegenüberliegenden Seite, woselbst mitunter ein solch starker un-
regelmäfsiger Gegenstrom läuft, dafs das Schiff selbst bei einer Briese von
Stärke 3 bis 4 dem Ruder nicht gehorchen will. Das Feuer von Punta Arenas
ist, wie auch schon in diesen Annalen, Jahrgang 1878, Seite 538, berichtet
wurde, sehr schlecht, so dafs man die Lichter der Stadt und der auf der Rhede
liegenden Schiffe eher als jenes sieht. Indel/s bietet die Kinsegelung, wenn man
nur fleifsig das Loth gebraucht, auch in der Nacht keine Schwierigkeit, da an
der Ostseite keine Untiefen vorhanden sind. Der Ankerplatz von Punta Arenas
befindet sich nahe der Brücke. Die Anker werden leicht unklar, weshalb es
für ein Schiff, welches längeren Aufenthalt hat, gut ist zu vertäuen.
Seit zwei Jahren werden in der guten Jahreszeit an der Küste von
Centralamerika durch ein Amerikanisches Kriegsschiff Vermeossungen angestellt.
Die Arbeit ist bis zum Kap Blanco gediehen und wird im Laufe dieses Jahres
(1885) wahrscheinlich bis zum Golf von Dulce und im nächsten Jahre bis
Panamd ausgeführt werden,
Die Unkosten eines Schiffes belaufen sich in Punta Arenas auf etwa
80 Cts. pro Reg.-Tonne. Für Trinkwasser, welches die „Compania de Agencia
de Costarica“ liefert, aber von den Schiffsleuten an Bord geholt werden mulfs,
kostet die Gallone 1 Ct. Austern, die früher im Golf von Nicoya sehr häufig
waren, sind in letzter Zeit fast zu einer Seltenheit geworden, doch hofft man,
dafs sie sich, wenn ihnen die gehörige Schonung zu Theil wird, nach zehn
1% Siehe diese Annalen, Jahrgang 1883, Seite 749.
Anz. d. Hydr. 626, 1856, Hoft YIL