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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 14 (1886)

310 Reisebericht des Kapt. F. Reiners vom Schiffe „Aeolus“, 
Mengen vorhanden und deshalb sehr theuer; in der Regenzeit soll mehr Vorrath 
sein, Geflügel und Fische sind ebenfalls sehr theuer; von letzteren giebt es in 
der Bai zwar sehr viele; sie lassen sich aber schwer angeln, Das Trinkwasser 
erhält man am besten von der Amerikanischen Dampfergesellschaft, aber zu 
einem hohen Preise, nämlich 3 Ctsa. die Gallone. Die Flüsse waren meistens 
ausgetrocknet, und wenn sich in einzelnen etwas Trinkwasser vorfand, so war 
88, wohl infolge der Meoeresnähe, salzig, Der Deutsche Konsul ist im Besitze 
eines Kohlenlagers, dessen Bestand auf etwa 1000 Tonnen gehalten wird. Der 
Preis der Kohle schwankt zwischen 22 und 25 Doll. die Tonne, 
Schiffe, die in Ballast oder mit Kohlen beladen einlaufen, sind vom 
Tonnengeld befreit. Die übrigen Hafenabgaben für Schiffe, die mit Kohlen 
einkommen und in Ballast ausgehen, erreichen die Höhe von 1 Doll. pro Reg.- 
Tonne. Sandballast kostet 1,50 Doll., Steinballast 2,50 Doll, die Tonne. Die 
Kohlen werden stets rasch gelöscht, Man kann sich hierzu eines Donkeys be- 
dienen, der Kigenthum der Amerikanischen Dampfergesellschaft ist, Die Miethe 
beträgt 1 Real die Tonne; dafür wird er zugleich nach und von dem Schiffe 
befördert. Mit Hülfe desselben ist man im Stande, in 17 Arbeitstagen 2500 
Tonnen zu löschen, Die mit Kohlen für die Dampfergesellschaft ankommenden 
Schiffe haben ein geringeres Lotsengeld als das oben angeführte zu entrichten. 
Mazatlan.') Von Acapılco versegelte „Aeolus“ am 28. Februar 1884 
nach Mazatlar. Da der Wind in den beiden ersten Tagen ausnahmsweise aus 
einer südwestlichen Richtung wehte, so verfolgte ich die Route längs der Küste. 
Indessen zeigte sich, dafs frische Winde nur aus westlicher Richtung wehten; 
aufserdem trät die Landbriese nur selten frisch auf, und ging die Reise deshalb 
nur langsam von statten, Erst nachdem Mazaniıllo passirt war, besserte eich 
die Gelegenheit, so dafs wir doch noch nach einer für die Jahreszeit gut zu 
hennenden Reise von 17 Tagen den Bestimmungshafen erreichen konnten. Der 
Lotse kam frühzeitig an Bord und brachte das Schiff nach dem vom Hafen- 
meister bestimmten ÄAnkerplatze. 
Aufser den Unkosten, welche dieselben sind wie in Acapulco, hat ein 
Schiff in Mazatlan noch die folgenden zu entrichten: Feuergeld 85 Doll., KEin- 
und Ausklariren beim Zollhause 12 Doll, Oeffnen des Registers 8 Doll., Gesund- 
heitspafs 5 Doll. und, wenn Ballast eingenommen wird, für jeden Tag der Dauer 
dieser Arbeit, 0,75 Doll. an den Hafonmeister. Der Sandballast kostet 1,50 Dol., 
Steine doppelt so viel. Wenn man die Lieferanten freundlich behandelt, erhält 
man gütes Gewicht. ‘Zum Beleg der Willkür und Ungerechtigkeit bei den 
Schiffsyermessungen in Mexiko führe ich noch folgende Beispiele an: Ein 
Ainerikanischer Gaffelschoner von 90 Tonnen wurde zu 175 ‘und ein anderer 
von 175 zu 273 Tonnen gemessen. Es erscheint mir wünschenswerth, dafs diese 
Thatsachen zur allgemeinen Kenntnifs gelangen, besonders auch deshalb, weil 
in ‘den „Annalen der Hydrographie“ dieser Vebelstand noch nicht erwähnt 
worden ist, 
Die Rhede von Mazatlan ist während der schlechten Jahreszeit gehr un- 
sicher, da sie keinen Schutz gegen südliche Winde gewährt, Auch steht fort- 
während eine hohe südliche Dünung in der Bai, und weil daselbst Fluth und 
Ebbo stattüinden, die Schiffe also nicht immer auf dem Winde liegen, so rollen 
dieselben bisweilen schwer. 
Proviant ist auch in Mazatlan nur sehr gepärlich vorhanden. Fleisch 
köstet je nach Qualität 13 bis 30 Cts. pro ’ı kg. Gemüse und Grünwaaren 
sind indessen nicht theuer; in den Monaten März bis Juli kauft man gute Kar- 
toffeln, die hier ’in’doer Nähe gewachsen sind, für 3 Doll. pro 50kg. In der 
anderen Jahreszeit müssen dieselben von San Francisco importirt werden und 
kosten äshn 6 Doll, pro 50 kg. 
Der Telegräphendienst läfst in Mexiko noch viel zu wünschen übrig. 
Es ist mir passirt, dafs fünf Tage, nachdem ich in Mazatlan eine Depesche mit 
der Bestimmung „Elsfleth, Germany“ aufgegeben hatte, von Vera Cruz die An- 
frage an mich gelangte, welche Richtung dieselbe nehmen solle, Später habe 
ich sogar erfahren, dafs‘die Deposche überhaupt nicht an ihre Adresse gelangt 
jet. Postverbindukng besteht, außer über Land, dreimal im Monat ver Dampfer 
‘) Siehe diese Annalta, Jahrgang 1884, Seite 87.
	        
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