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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 14 (1886)

292 Allgemeines und physikalische Beobachtungen im Bezug auf Temperatur und Salzgehalt. 
hier in den gröfseren Tiefen bis 3,55 pCt. beträgt, so kann er nur aus der 
Gegend nördlich oder westlich der Shetland-Inseln stammen, denn längs der 
Norwegischen Küste kommt nach den Beobachtungen der Norwegischen Nord- 
meer-Expedition ein Salzgehalt von 5,55 pCt, und darüber nicht vor. ; 
Die vertikalen Temperaturreihen der nördlichen Hälfte der Nordsee 
weisen ferner zumeist einen Sprung von der wärmeren zur kälteren Temperatur 
in den Tiefen zwischen 30 bis 50m auf. Man wird geneigt sein, anzunehmen, 
dafs die Lage dieses Temperaturabfalls die Grenze anzeigt, bis zu der zur Zeit 
der Beobachtung die sommerliche Erwärmung eingedrungen war. Indefs ist es 
auffallend, daß dieser Sprung in der Temperatur vielfach mit einem ähnlichen 
Sprung im Salzgehalt verbunden ist. Wo Letzteres stattfindet, wird man obige 
Annahme dahin modificiren müssen, dafs bis zu der Stelle dieses Sprungs das 
ÖOberflächenwasser eines anderen Ursprungs ist, als das Wasser der unteren 
Schichten, und würde dann zu dem Resultate gelangen, dafs auf den Stationen 
A bis R, BB bis GG und dd bis k& die Mischung des Wassers — soweit sie 
vorhanden — sich entfernter vom Orte der Beobachtung vollzogen hat, während 
bei den Stationen S bis Z, Ad, aa bis cc und a bis z vermuthlich das Gegen- 
theil zutrifft. Was letztere Orte aubetrifft, die alle in der Norwegischen tiefen 
Rinne liegen, so wurde schon bemerkt, dafs hier das gemischte Wasser ziemlich 
tief (meist bis 50m und tiefer) hinabgeht und zwar tiefer als in der Nachbar- 
schaft, ohne dafs das Gleichgewicht aufgehoben wäre, denn der geringere Salz- 
gehalt wird in Bezug auf die Schwere durch eine vergleichsweise niedrige 
Temperatur kompensirt. Es scheint nicht unwahrscheinlich, dafs hier ein halb 
salziger Strom unter dem angesüfsten Wasser in ziemlich gleicher Richtung 
dahinflielfst*), der mit dem letzteren einen Theil des oceanischen Wassers, 
welches aus dem Westen theils fast in der ganzen vertikalen Schicht, theils als 
Tiefoenströmung eingedrungen ist, zurückführt und zwar in das Norwegische 
Nordmeer. 
Es lassen sich wohl auch sonst noch anregende Spekulationen an den 
Verlauf der Isothermen und Kurven knüpfen, wie z. B. das Verhältnis des 
Verlaufs der ersteren zu der Bodenkonfiguration, iudels kann an dieser Stelle 
darüber weggegangen werden, weil Beobachtungen aus anderen Meeren in 
dieser Richtung noch deutlichere Fingerzeige gewähren. 
Auf Eins sei indefs noch hingewiesen, Auf der Mehrzahl der Stationen 
(auf 32 von 56) nimmt die Temperatur nach der Tiefe regelmäfsig ab und der 
Salzgehalt ebenso zu; eine Anzahl derselben, nämlich B, E, F, G, K, L, M, N, 
P, Q, R, T, V, W, X, BE, CC, DD, dd, ee, ff, gg, hh, kk und z, weisen jedoch 
entweder in der Temperatur oder im Salzgehalt Unregelmäfsigkeiten auf, was 
bei der durch die Gezeiten, Wind und andere Kinflüsse erzeugten Verschiebung 
der Wassertheilchen nicht Wunder nehmen kann, Sehr bemerkenswerth erscheint 
68 aber, wie das Bestreben der Theilchen, sich nach dem Gesetze der Schwere 
wieder zu ordnen, bierbei hervortritt, denn von diesen 25 Stationen weisen 18 
(nämlich F, G, K, L, M, P, T, V, BB, CC, DD, dd, ee, ff, gg, hh, kk und z) 
keine Unrogelmälsigkeit mehr im absoluten speeifischen Gewicht auf, bei 
andern wird das Bestreben der Ausgleichung ersichtlich, indem die Unregel- 
mäfßsigkeiten im absoluten specifischen Gewicht geringer als die im Salzgehalt 
oder in der Temperatur sind. 
Nach allem dem darf als ein nicht unwichtiges Resultat der hier be- 
sprochenen physikalischen Untersuchung der Nordsee die sich aus der Betrach- 
tung ergebende Erkenntniss hingestellt werden, dafs bei den Verschiebungen 
und Bewegungen der Wassertheilchen trotz vieler auf Unregelmäfsigkeit hin- 
wirkender Einflüsse das Bestreben der Theilchen, sich wieder nach dem Gesetz 
der Schwere zu ordneu, zumeist erkenntlich bleibt, was im Hinblick auf den 
mehrerseits veranchten Nachweis von der untergeordneten Bedeutung dieses 
Gesetzes für die Wassercirculation der Meere hervorgehoben zu werden verdient. 
X} Diese Ansicht ist bereits im II, Jahresbericht der Kommission zur Untersuchung der 
deutschen Meere ausgesprochen. Dieselbe fand hier noch in 40 m Tiefe übrigens erheblich wärmeres 
Wasser als der „Drache“ in 30 m.
	        
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