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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 14 (1886)

200 Allgemeines und physikalische Beobachtungen in Bezug auf Temperatur und Salzgehalt, 
und sich das leichtere Wasser an 3 Stellen koncentrirt denken, nämlich erstens 
das Wasser des Abwässerungsgebietes von Grofsbritannien und des Rheins, 
welches sich längs der westlichen Peripherie bewegt, zweitens das der anderen 
zum Abwässerungsgebiet der Nordsee zählenden Deutschen Ströme, welches der 
Hauptmasse nach östlich der Dogger-Bank vorzudringen sucht, und endlich das 
angesüfßte Ostseewasser, gemischtmit dem des norwegischen Abwässerungsgebietes, 
Es kennzeichnet sich dann die nach West kurvende Bewegung dieser sülsen 
Wassermassen namentlich auf den Tafeln B 1 und 2 und Sie fingerförmig 
dazwischen greifende des salzigeren Wassers auf Tafel B 2 ziemlich gut, 
während die auf Tafel B 3 ersichtliche Bewegung des salzigsten Wassers sich 
am besten aus dem gesetzmälsigen Bestreben desselben, die tiefsten Stellen des 
Nordseebeckens bezw. den zentralen Theil desselben zu erfüllen, erklären wird. 
Dafs namentlich die Kurrung des rücklaufenden Stroms nicht in einer 
der Theorie besser entsprechenden Weise zum Ausdruck kommt, may neben 
der Bodenkonfiguration der Küstenformation des östlichen Theils des Beckens 
sowie dem Vorhandensein mehrerer Zuströmungsstellen des angesülsten Wassers 
zuzuschreiben sein, man darf aber überhaupt wohl annehmen, dafs die Rück- 
strömung Sich mehr in der Weise vollzieht, dafs an der Ostseite das gomischte 
Wasser in horizontaler Schicht zwischen dem salzigen Bodenwasser und dem 
süfßfscren Oberflächenwasser nordwärts zurückgeführt wird, 
Der Vergleich der Tafeln B 2 und C 2 läfst ferner erkennen, daß 
einem vergleichsweise raschen Uebergang im Salzgehalte der Horizontalschichten 
ein allmählicher Uebergang in der absoluten Schwere der Wassertheilchen ent- 
sprechen kann, und daß umgekehrt ein allmähliches Verändern des Salzgehaltes 
von einem schroffen Uebergang im absoluten Gewichte begleitet sein kann, 
Ersteres trifft im Allgemeinen für die Abgrenzung des angesülsten und salzigen 
Wassers an der Westseite, letzteres für die Ostseite der Nordsee zu und ist 
hier namentlich markirt in dem nahen Aneinanderliegen der Kurven von 
1,0270 bis 1,0282. 
Im Skagerrak ist os geradezu auffallend, wie die Grenzen des gemischten 
und salzigeren Wassers auf Tafel B 2 und Tafel C 2 namentlich nach der 
Norwegischen Küste hin verwischt sind, während die im Salzgehalt gar nicht 
sehr differirenden Wasser, welche einerseits längs der Norwegischen, anderer- 
seits längs der Jütischen Küste hinfließsen, eine ganz markirte Scheidegrenze 
in der Schwere aufweisen. 
Die Erscheinung ist nur aus der vergleichsweise niedrigen Temperatur 
der Wassertheilchen von mittlerem Salzgehalt zu erklären, welche in dieser 
Jahreszeit hier thatsächlich Platz greift, 
Gehen wir nun nochmals zur Betrachtung der Wassertemperaturen zurück, 
wie sie uns die Durchschnitte auf den Tafeln I bis IV verdeutlichen, so fällt 
zunächst bei dem schräg durch den mittleren Thei) der Ostsee gehenden Schnitt I 
in die Augen, dafs am Boden des centralen Theils dieses Meeres relativ kaltes 
Wasser vorkommt, denn Wasser von 8° © findet sich schon in 25 bis 30m 
Tiefe vor, und am nördlichen Rande der Dogger-Bank (Stationen X und /") sinkt 
die Temperatur um Grunde bis unter 7° C, was auch bei den etwas nördlich 
davon gelegenen Stationen gg und /F des Durchschnitts YI auf Tafel IV der 
Fall iat. Prüft man die Herkunft dieses kalten Wassers, so fällt auf, daß in 
den nördlichen Zuströmungsöffnungen der Nordsee die Temperatur in gleichen 
Tiefen eine höhere ist, denn Wasser von 8° findet sich dort — wie Durch- 
schnitt II und III ersehen lassen — erst unterhalb von 45m Tiefe, und 
Temperaturen unter 7° C kommen hier überhaupt nicht vor.) 
%) In anderen Jahren sind in 60° N-Br allerdings niedrigere Temperaturen gemessen wor- 
den, was indefs auf die Argumentation ohne Einflufe ist, da dabei nur die gleichzeitigen bezw, 
beinahe gleichzeitigen Temperataren in Betracht kommen. Nach Thomson’s „Depth of the s0a* 
pas. 144 hat der „Porcepine“ beobachtet: 
No. 
68 
69 
70 
TAT Aite Boden. | Oberfächen- 
Position | in Faden | Temperatur | Temperatur 
(60° 23' N-Bri 6° 33' O-I 75 6,7 11,4 
60° 1 0° 18' 67 55 12,0 
60° 4 2 |09°2V 66 7,8 11.9
	        
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