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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 14 (1886)

984 Allgemeines und physikalische Beobachtungen in Bezug auf Temperatur und Salzgehalt, 
vornehmen. Es wurde die Tour Wülhelmshaven-Aberdeen-Lerwick- Bergen - Wil- 
helmshaven vorgeschrieben, welche nach mehreren Richtungen hin Ergänzungen 
der „Pommerania“-Fahrt versprach. Die Zugangsöffnungen Schottland — Shetland- 
Inseln und Shetland-Inseln— Norwegen sollten dabei einer Untersuchung unterzogen 
werden. Bei der Bearbeitung des gewonnenen Materials stellte es sich heraus, 
dafs eine für die Ziehung von Schlufsfolgerungen auf dem Gebiete der Meeres- 
physik empfindliche Lücke gerade im centralen Theile der Nordsee, ungefähr 
auf 2° Ost-Länge und in der tiefen Rinne südlich von Norwegen bestand, wos- 
halb S. M. Kbt. „Drache“ gelegentlich einiger im Sommer 1884 im nördlichen 
Theile der Nordsee auszuführenden Vermessungen nochmals den Auftrag erhielt, 
durch einige Tiefseebeobachtungen in jenen Gegenden möglichst das noch foh- 
lende Material zu beschaffen. Die Resultate dieser Fahrt liegen in den beige- 
fügten Zusammenstellungen und Diagrammen vor. Den Stationen der Fahrt im 
Jahre 1883 sind auf den Tafeln grofse lateinische Buchstaben, denen der Fahrt 
1884 kleine lateinische und den Strombeobachtungsorten arabische Zahlen er- 
theilt worden, während die Beobachtungen anderer Fahrzeuge („Pommerania“) 
mit einem Punkt versehen resp. ohne Bezeichnung geblieben sind, 
Ueber die Beobachtungen selbst und die zur Verwendung gekommenen 
Instrumente ist kurz Folgendes vroranzuschicken: 
Die Beobachtungsstationen sind durchschnittlich in Entfernungen 
von 50 Sm von einander gelegt, nur am Rande der Norwegischen Rinne resp. 
in derselben sind mehrfach kürzere Entfernungen gewählt. Das günstige Wetter 
a oStalbolG fast überall, den Ort des Schiffes astronomisch zu bostimmen. Auf 
en meisten Stationen wurde behufs Vornahme der Beobachtungen geankert, 
auf einigen vor dem Schleppnetz. Für die Temperaturbeobachtungen in 
der Tiefe wurden gusschließ lich Umkehr-Thermometer von Negretti und 
Zambra verwendet, welche vor und nach der Anbordgabe mil dem Normal- 
thermometer des Hydrographischen Amts verglichen sind. Für die speciell in 
Gebrauch gekommenen Thermometer ergab sich dabei die Korrektion kleiner 
als 0,05°, also als zu vernachlässigen. Der Umstand, dafs die Tiefentempera- 
turen des „Drache“ im Allgemeinen höher waren, als frühere Beobachtungen 
erwarten ließsen, führte darauf, zu untersuchen, in wie weit hier etwa Beobach- 
tungsfehler anzunehmen sind. Zu kurze Expositionszeit, Ausdehnung des ab- 
gerissenen Quecksilberfadens nach dem Aufholen des Thermometers, auch nicht 
gehörige Berücksichtigung einer Parallaxe beim Ablesen — alles dies wird in 
der Mehrzahl der Fälle auf eine zu hohe Temperatur-Ablesung hinwirken. In 
Bezug auf die Expositionszeit haben spätere Beobachtungen im Hydrographischan 
Amt gezeigt, dals der breite und lange Kautschuk-Ring, mit welchem das Ther- 
mometer oberhalb der Kugel zur festen Lagerung im Umkehrgehäuse versehen 
ist, eine gewisse Trägheit erzeugt, welche nicht immer gehörig berücksichtigt 
sein wird, Die Ausdehnung des abgerissenen Quecksilberfadens wird für die 
Beobachtungen des „Drache“ die Ablesung nicht mehr als 0,1° C. beeinflussen, 
Durchweg wird man die Temperaturangaben als zuverlässig innerhalb eines 
Spielraumes von 0,5° C. betrachten können. Im Allgemeinen darf man die 
Grenze aber noch enger (0,2°—0,3°) ziehen, Auf den Stationen A, D, G, K, 
M, R, U, V, BB, CC, EE wurden die Beobachtungen in allen Tiefen mit einem 
zweiten Umkehrthermometer wiederholt. Aufserdem werden vom Kommandan- 
ten als besonders zuverlässig angemerkt die Stationen O, Q, S, X, Z, AA. Auf 
H, P, Y sind die Beobachtungen zwar wiederholt, die Umstände werdeu aber 
dort als genauen Beobachtungen weniger günstig angegeben. 
Eid eigenes Urtheil über die Genauigkeit der Temperaturbeobachtungen 
kann man sich bilden, wenn man die folgende Tabelle betrachtet. Für die 
Bodentemperaturen war nämlich auf einer Anzahl von Stationen ein Thermo- 
meter in Hartgummihülse von Steger noch daneben derartig in Verwendung, 
dafs dasselbe stets eine volle Stunde bis zur Ablesung am Grunde liegen blieb, 
Die Korrektion dieses trägen Thermometers war an Bord nicht bekannt und 
wurde erst im folgenden Winter in schmelzendem Schnee zu -—0,4° festgestellt.
	        
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