Ann. d. Hydr. ete., XIV. Jahrg. (1886), Heft VII.
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Forschungen S. M. Knbt. „Drache“, Kommandant Korv.-Kapt,
Holzhauer, in der Nordsee 1881, 1882 und 1884. ©
(Hierzu Tafel A, Bı, Ba, Ba, Cu Co, Cs, I. IL, IM, IV}
I. Allgemeines und die physikalischen Beobachtungen in Bezug
auf Temperatur und Salzgehalt,
Yon der Kommission zur wissenschaftlichen Untersuchung der Deutschen
Meere wurde gleich nach ihrem ersten Zusammentritt eine Untersuchungsfahrt
durch die Nordsee in Aussicht genommen und im Jahre 1872 auf dem von der
Admiralität dafür zur Verfügung gestellten Aviso „Pommerania“ zur Ausführung
gebracht. Die Beobachtungen auf dieser Fahrt führten zu mannigfachen werth-
vollen Ergebnissen, obgleich damals das Programm der Expedition wegen Un-
gunst des Wetters nicht vollständig durchgeführt werden konnte. Seitdem
hatten in dem engeren Gebiet der Nordsee die systematischen Beobachtungen
der physischen Verhältnisse auf offener See jahrelang geruht.
Die umfassenden Untersuchungen des Meeres nördlich von dem hier in
Frage kommenden Gebiet durch die norwegische Nordmeer-Kxpedition 1876-78,
die schwedischen Beobachtungen im Kattegat, ferner die vom Hydrographischen
Amte gelegentlich durch Vermessungs- und andero Fahrzeuge, aber meist in
der Nähe der Küste angestellten Untersuchungen und endlich die fortlaufend
gemachten und immer mehr erweiterten Beobachtungen mehrerer Küstenstatio-
nen haben inzwischen unsere Kenntnifs der physikalischen Verhältnisse der Nordsee
etwas erweitert. Immerhin blieb dieselbe lückenhaft, denn selbst die auf hoher
See gewonnenen Ergebnisse waren nur auf einmaliger Fahrt, also auf bestimm-
ten Linien und zu bestimmten Zeiten, erhalten; dazu kam, dafs seit der Nor-
wegischen Nordmeer-Expedition bezw. als Folge dorselben neue Gesichtspunkte
für die Untersuchung des Meerwassers hervrorgetreten aind. Es erschien daher
recht wünschenswerth, nicht nur die Lücke auszufüllen, welche von der „Pom-
merania“-Expedition gelassen war, als dieselbe wegen ungünstigen Wetters die
Fahrt von Bergen nach den Shetland-Inseln aufgeben mulste und auch auf der
dann eingeschlagenen Route Bergen-Peterhead keine Gelegenheit fand, Tiefen-
beoabachtungen weiter östlich als auf dem Meridian von Greenwich vorzuneh-
men, sondern auch den anzustellenden Beobachtungen eine erweiterte Basis zu
geben durch möglichst ausgedehnte chemische Untersuchung des Seewnssers
und häufige Beobachtung der Meeresströmung in verschiedenen Tiefen.
Das Kanonenboot „Drache“, Kommandant Korr.-Kapt. Holzhauer, wel-
ches schon im Sommer 1881 mit Gezeitenbeobachtungen auf der Dogger-Bank
beschäftigt gewesen war, konnte im Jahre 1882 eine erweiterte Untersuchungs-
fahrt nach einem von Seiten des Hydrographischen Amtes aufgestellten Plan
5) Die Gesammtresultate der von S. M, Knbt, „Dracke*“ in den Jahren 1881, 1882 und 1884
in der Nordsee ausgeführten Untersuchungsfahrten sind in einer besonderen Monographie unter dem
Titel „Die Ergebnisse der Untersuchnngsfahrten S. M. Knbt. „Drache“ (Kommandant Korv,-Kapt.
Holzhauer} in der Nordsee in den Sommern 1881, 1882 und 1884“ zusammengestellt. Dieselbe,
im Buchhandel durch die Königliche Hofbuchhandlung von E. 8. Miitler & Sohn, Berlin,
Kochstrafse 68—70, zu beziehen, enthält aulger den hier in den Annalen wiedergegebenen allgemeinen
Bemerkungen end physikalischen Beobachtungen auch noch die chemischen sowie die geologisch-
mineralogischen Untersuchungen der Meeresgrundproben und ein Verzeichnifs der gefangenen wirbel-
losen Seethiere.