Port Broughton, Walleroo und Port Melbourne in Australien. 21
Luftspiegelungen vor. Der Rauch, der aus dem grofsen Schornsteine aufsteigt,
ist unter solchen Verhältnissen manchmal 25, der Schornstein selber 20 Sm
weit sichtbar.
Die Schiffe ankern in der Nähe und zwischen den beiden Pieren, auf
einer Tiefe von 7,2m (4 Fad.). In der Regel kommt der Hafenmeister so
zeitig an Bord, dafs es nicht erforderlich ist, erst zu ankern, sondern das
Schiff sofort an einer der beiden Pieren vertäut werden kann, An der kleinen
Pier mul man einen Buganker aushaben, während an der neuen (der großen)
die Mooringbojen zu diesem Zweck dienen. Die Schiffe liegen an den Pieren
mit dem Kopf nach NW vertäut. An der neuen Pier werden den Schiffen 2,
an der alten 1 Kette kostenfrei von der Behörde zum Festmachen geliefert.
Eigentliche Lotsen sind in Wallaroo nicht vorhanden, und der Lotsenzwang ist
am 1. Dezember 1884 abgeschafft, ebenso wie in Port Pirie und Port Augusta,
Wünscht man die Dienste eines Lotsen, 80 werden selbige vom Hafenmeister ge-
leistet, der gleichzeitig Piermeister und Zollbeamter ist. Das Lotsengeld be-
trägt bis zu einem Tiefgange von 3,6m (12 Fufs) 2 Lstrl. und für jeden Fuß
Tiefgang mehr 5 sh., sowohl einkommend als auch ausgehend. .
Auf dem Ende der grofsen Pier brennt in der Nacht ein rothes Hafen-
feuer, welches eine Sichtweite von 4 Sm hat. Unweit der nördlichen Pier,
nahe am Ufer, sind die ziemlich bedeutenden Kupferschmelzwerke von Wallaroo
gelegen, Der grofse Schornstein hat eine Höhe von 42m (140 Full), ist vier-
sckig, aus hellen Steinen gebaut und dient, wie schon bemerkt, als eine gute
Ansegelungsmarke. Die Stadt liegt 15 bis 18 m (50 bis 60 Fufs) über dem Ufer
und ist ziemlich weitläufig angelegt. Die Eisenbahn geht recht durch die Mitte
derselben und unterhält eine tägliche Verbindung mit Adelaide, Die Zahl der
Einwohner beziffert sich gegenwärtig auf 3000. Wallaroo besitzt mehrere
Kirchen, ein Post- und Telegraphenamt, eine Bank und ein Hospital. Es er-
scheint auch eine Zeitung. Die Eisenbahn reicht bis ans Ende der beiden
Werften, und alle Güter, auch der Ballast, werden mit derselben befördert. Die
neue Pier ist mit drei beweglichen hydraulischen Krähnen zum Heben der
Güter versehen. Das Maschinenhaus steht am Lande, nahe dem Anfange der
Pier. An der kleinen Pier bedient man sich zum Löschen und Laden kleiner,
verschiebbarer Dampfwinden, für deren Benutzung stündlich 3 sh. zu entrichten
sind. Für die Entlöschung des Ballastes sind 1 sh. 6 d., für Uebernehmen
und Stauen des Weizens 1 sh. die Tonne, an Tonnen- und Werfigeld 1% d.
die Reg.-Tosne zu zahlen. Liegetage an den Pieren sind erlaubt: für ein
Schiff von 30 Tonnen 1 Tag, von 50 Tonnen 2 Tage, 100 Tonnen 3 Tage und
für jede folgenden 100 Tonnen 3 Tage mehr. Für die Benutzung der Mooring-
boje hat ein Schiff täglich 3 sh. zu zahlen, wenn es nicht vorzieht, zu ankern.
Das Trinkwasser kostet, frei an Bord, 10 sh. für 100 Gallonen, doch hat man
einen Mann zum Füllen der Tanks zu stellen, Fleisch ist gegenwärtig zum
Preise von 4'/ d, pro ’hı kg zu haben. Gemüse ist sehr spärlich und theuer
und wird wie alle Bedarfsgegenstände von Adelaide bezogen.
Eine zweimalige wöchentliche Dampferverbindung wird mit Adelaide, Port
Pirie und Port Augusta unterhalten,
Einige Schmiedearbeiten können wohl in Wallaroo ausgeführt werden,
aber keine gröfseren Reparaturen als Zimmereien und Anfertigung von Rund-
hölzern; es ist hier weder ein T'rockendock noch ein Slip vorhanden.
Port Melbourne. Der Name des kleinen Ortes Sandridge, des Hafens
von Melbourne, ist vor 2 Jahren offieiell in Port Melbourne umgewandelt worden,
An der Korrektion des Flusses Yarra Yarra wird fortwährend gearbeitet, und
hofft man dieselbe in 18 Monaten zu vollenden, Auch ist die Anlage von
Docks, sowie von Wellenbrechern in Port Melbourne und Williamstown in Aus-
sicht genommen. Von der in den letzten Jahren im Amte befindlichen Hafen-
baubehörde scheinen die oben angeführten Unternehmungen mit Ernst betrieben
zu werden, Aufserdem sind Vorarbeiten zu einer neuen Brücke im Gange, welche
unweit Quensstreet (Melbourne) über den Yarra Yarra führen wird.
Obgleich in dem genannten Flusse schon seit längerer Zeit zwei Bagger-
schiffe gearbeitet haben, können doch gegenwärtig hölzerne Schiffe nur mit
einem Tiofgange von 4,8m (16 Fufs), eiserne mit einem solchen von 4,9 m
(16/2 Fuß) zur Zeit des Hochwassers mit Sicherheit bis Melbourne hinaufgehen.