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Orkan vom 14. Mai in Crossen und Umgebung.
Von N nach S gehend, lagen auf dem ersten, ca 68 Schritt langen Theile
einige Stämme aus nördlicher Richtung, insbesondere N/NNW/NE ? und
NW/N/W; auf den folgenden 24 Schritt ein aus NW gestürzter Baum mit dem
Stamm über zwei Stänmen aus WNW/SW, mit der Krone über einem aus
NE; der folgende Theil von 43 Schritt zeigt geringere Beschädigungen, wenige
Stämme aus W; die letzten 68 Schritt zeigen die Richtungen NNW, W/S, W/S,
W (2) und SzW/S/SzW.
Zwischen den beiden Stellen in 77 und 97 lagen im jungen Holz einzelne
Stämme, aus WNW geknickt.
Im Bauernholz, näher zu Gro/s-Braschen, lagen die gefallenen Stämme
meist aus W_ bis SW, an mehreren Stellen W/SSW; nördlich von der Chaussee
W/SW. Bei der Kgl. Oberförsterei in Grofs-Braschen war zwar viel fort-
geräumt (der Wind hatte u. A. eine Scheune demolirt), einige grofse Pappeln
jagen aber noch intakt nebeneinander; SWzW/S und SSW/SSE, von letzteren
beiden die obere sehr dick, die untere klein.
An der Chaussee nach Crossen waren einzelne Bäume gestürzt, zuerst
meist aus WSW, weiterhin aus SSW, gegenüber Deutsch-Sagar und später
meist aus S, Die sog, „Schinder-Mühle“ auf der „Schwedenschanze“ ist voll-
ständig demolirt, vom Fundament abgestürzt aus der Richtung S'AE, Während
Alt-Rehfeld furchtbar verwüstet ist, sind Neu-Rehfeld auf der einen, Sagar und
Russdorf auf der anderen Seite fast ganz verschont. Ueber die Verwüstungen
in Alt- Rehfeld und Crossen giebt der folgende, vom Landrath, dem Bezirks-
Kommandeur, dem Superintendenten, dem Bürgermeister u, 8, w. unterzeichnete
Aufruf zur Hülfeleistung eine kurze Uebersicht, welcher zugleich auch die Aus-
dehnung des Phänomens richtig darstellt.
„Am 14. Mai d. J., Nachmittags 3 Uhr, hat ein Cyklon, verbunden mit
Gewitter und Hagel, den hiesigen Kreis, wenn auch glücklicherweise nur in
sinem schmalen Streifen, aber in einer so schweren Weise verwüstet, wie 68
unter den Lebenden in unseren Breiten wohl noch nicht erlebt sein dürfte.
Das Unwetter hat sich zwischen Crossen und Guben über einem Theile des
Königlich Braschener Forstreviers gebildet, ist danu über die Ortschaften
Braschen, Alt-Rehfeld, Stadt Crossen, Kähmen, Glembach und Griesel dahingerast
und hat auf seinem Wege die ärgsten Verwüstungen angerichtet.
Am schwersten ist die Ortschaft Alt-Rehfeld heimgesucht worden. Kein
Gebäude ist hier unbeschädigt geblieben, 30 Scheunen, 5 Wohnhäuser, gegen
50 Ställe sind gänzlich in Trünmer geworfen, und an den stehengebliebenen
Gebäuden sind zumeist sehr erhebliche Beschädigungen bewirkt worden. Wenn
nach Gottes gnädiger Fügung Menschenleben hier nicht zu beklagen sind, 8o
ist dies zumeist dem Umstande zu danken, dafs die Einwohner des Ortes fast
alle auf dem Felde beschäftigt waren. Für die Gemeinde Alt-Rehfeld ist dies
grofse Unglück um 80 fühlbarer, als dieselbe häufig, und so auch erst vor
einigen Wochen, durch die Ueberschwemmung der Oder schwer geschädigt
worden ist.
Nächst Alt-Rehfeld ist die nahebei gelegene Stadt (rossen am schwersten
durch die Wuth des Unwetters betroffen worden. Auch hier ist kein Gebäude
unbeschädigt geblieben. Dächer, Fenster, Schornsteine und Inventarium sind
überall mehr oder weniger zerstört, und die Trümmer von Balken, Brettern,
Dachsteinen und mäncherlei Gegenständen deckten die Stralsen. Der schöne
Thurm der Marienkirche wurde von seinem Sockel abgehoben und zerstörte in
seinem Falle ein Haus in der benachbarten Straße, von dessen Bewohnern
drei getödtet und fünf zum Theil schwer verwundet wurden, Der hohe Schorn-
stein der Klafki’schen Brauerei wurde umgestürzt und verwüstete die am-
liegenden Gebäude, Auch in der Fleck’schen Fabrik stürzte der Schornstein
and richtete durch seinen Fall arge Verwüstungen an. In der Körner’schen
Fabrik und in der städtischen Gasanstalt sind je ein Schornstein umgeworfen
worden und haben dadurch Verwüstungen. angerichtet.
‘0 Hier und im Folgenden ist immer die Richtung angegeben, aus welcher der Baum
zefallen ist, und ist durch die Bruchform die Uebereinanderlagerung der Bäume gezeigt; N/NW/NE
heifst 2. B.: oberster Stamm aus N liegend, darunter einer aus NW, unter diesem einer aus NE.
Wo Ziffern daneben stehen, bedeuten sie die Anzahl der aus dieser Richtung gefallenen Stämme;
ist keine Zahl angegeben, so handelt es sich in der Regel um einen einzelnen Stamm.