Orkan vom 14. Mai in Crossen und Umgebung.
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Um BD brach dann mit SW8 unter heftigem Regen ein starkes Gewitter
los, welches mit kurzen Pausen und rasch schwächer werdendem Wind bis 7% p
anhielt. Die Temperatur war um 5p bis auf 11,4° gefallen, stieg aber im Laufe
des Abends wieder auf 15,0°. Der Regen dauerte in wechselnder Stärke bis
zur Nacht; die Kegenhöhe mit Inbegriff eines Gewitterregens am 15. von 12—1 p
betrug 42,4 mm. Hagel wurde während des Gewitiers in Görlitz nicht beobachtet,
aus der Umgegend aber später gemeldet. Am 15, zog in den Mittagsstunden
wieder ein schweres Gewitter über die Stadt. Aus mündlichen Mittheilungen
kann hinzugefügt werden, dafs die heraufziehenden Wolken bei dem beschriebenen
Gewitter ein so aufserordentlich bedrohliches Aussehen hatten, dals der Beob-
achter es für gerathen hielt, einige Werthsachen für den Fall einer Katastrophe
gu sich zu stecken, und dal die Dunkelheit so grofls war, dafs ein Görlitzer
Arzt um 3 Uhr zur Sprechstunde Lampen anzünden liefs,
In Grünberg zogen am Morgen die oberen Wolken aus SW; um 53 trat
Regen mit aus aufsteigendem Gewitter ein, die beide etwa '/4 Stunde an-
hielten, Um 2 p.m. war das Barometer — auf 0° und Meer reducirt — auf
743,1 mm gefallen, den niedrigsten Stand im Monat; Temperatur 23,5° O0, rel.
Feucht. 45 %/o, Bewölkung 2, Wolkenzug (Cum—str) aus SW, Wind SW4 Beauf,
Von 4'/ bis 8 p regnet es anhaltend; Anfang und Ende dieses Zeitraums waren
von ebenfalls aus W aufsteigenden Gewittern eingeleitet, Seit 2* wechselte der
Wind öfter und wehte Abends aus N. Hagel ist hier nicht gefallen,
Der Güte des Herrn Dr. Samter verdanken wir noch folgende Nach-
richt sus dem „Grünberger Wochenblatt“ vom 19. Mai, die sich auf den 14, Mai
bezieht: „Ueber Naumburg am Bober entlud sich Freitag früh bei einer Wärme
ron nur 12? ein sehr schweres Gewitter, das die Richtung von Süden mach
Norden nahm. Blitz auf Blitz und fast Schlag auf Schlag folgten einander,
Der Blitz hat in mehrere Bäume nördlich der Stadt eingeschlagen. Kin Blitz-
strahl richtete an der Telegraphenleitung Naumburg— Grofs-Reichenau argo
Verwüstungen an 18 hinter einander folgenden Telegraphenstangen an. Einige
dieser Stangen sind förmlich zerrissen, und mächtige Splitter sind weit umher
geschleudert worden. Eine furchtbare elektrische Entladung muß es gewesen
sein, da man an jeder Strebe der Telegraphenstangen die Spuren sah, dafs der
Blitz zur Erde gefahren war. Viele Pappeln und Espen unweit dieser Stelle,
an der Leitung entlang, zeigen Spuren des Blitzes, Dicht vor der Stadt, nach
der nördlichen Seite, sind ebenfalls zwei Telegraphenstangen und ebenso kurz
vor der Stadt, nach der südlichen Seite, eine Telegraphenstange vom Blitze
wenig beschädigt worden. Endlich hat der Blitz trotz der getroffenen Vor-
sichtsmafsregeln in den Apparat des Naumburger Postamtes eingeschlagen und
theilweise zerstörende ‚Wirkungen hervorgebracht, so dafs die Telegraphen-
verbindungen nach Liebthal, Grofs-Reichenau und Niebusch aulser Thätigkeit
gesetzt wurden. Der Morse-Apparat blieb jedoch unversehrt. An dem Apparate
der Post-Agentur Gro/s- Reichenau hatte der Blitz dieselbe zerstörende Wirkung
geübt. Ein kurzer scharfer Regen während des Gewitters erquickte nach langer
Trockenheit die Felder, und gegen Abend folgte ein langer kräftiger Regen.“
Yon den Gewitterstationen der Grafschaft Glatz hatte am 14. Mai nur
die westlichste (westlich von Reinerz) schon zwischen 3 und 4p Donner ohne
Regen, auf den übrigen äufserte sich dieses Gewitter gar nicht, sondern erst
jenes am Abend, wo zwischen 7°/4 und 9p auf 16 Stationen Gewitter beobachtet
wurden. Nach der Zeit des ersten Domners war die Fortpflanzung aus SW,
ebenso war die Richtung des bis dahin südöstlichen Windes dabei SW, an vier
Stationen stürmisch, an fünf stark. Kurzer, im SW starker Rogen begleitete
dieses Gewitter, Hagel wurde nirgends beobachtet. Sehr interessant sind die
Wolkenbeobachtungen des Herrn Richter zu Lichtenwalde an diesem Tage,
welche auszugsweise folgen mögen.
78 9a 2p 5 6'hp PP
Bewölkungsgrad . . . . 4 4 1 T 7 10
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