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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 14 (1886)

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Reise 8. M. 8 „Moltke“ nach Island, 
Das NO-Kap Zelands, Kap Langanaes, wurde iu 8 Sm Abstand am 
26. Juni Morgens bei ruhiger See passirt. Es wurde vermieden, das Kap 
näher zu passiren, um den dort in der Karte angegebenen Stromkabbelungen 
aus dem Wege zu gehen. Es war von letzteren auch wenig zu schen. Kine 
bemerkenswerthe Versetzung des Schiffes durch Strom an dieser Stelle wurde 
nicht konstatirt. Ansichten des Kaps sind in den Skizzen VI und VII gegeben. 
Nachdem der Polarkreis in 66° 30‘ N-Br passirt war, wurde bei leichtem 
nördlichem Winde und ruhigem Weiter Kurs auf die Insel Grimsey genommen, 
und traf S.M.S. „Moltke“ Nachmittags, nördlich um die Insel steuernd, bei 
derselben ein. Vertonung der Insel iat in Skizze VII beigefügt. 
Die schmale, von Nord nach Süd gestreckte Insel fällt gegen Osten in 
achroffen Felsen fast senkrecht ab, und sind diese Abhänge von einer Unzahl 
Seevögel bewohnt. Nach Wosten zu flacht sich dieselbe im Allgemeinen sanft 
ab, und ist sie dort mit Gras bedeckt, Da die Soe verhältailsmäßig ruhig war, 
wurde auf der NW-Seite in einem Abstande von !/% Sm auf 36m Wasser ge- 
stoppt und mittelst eines Kutters eine Landung versucht, die auch nach einigen 
Schwierigkeiten, welche die Dünung und steilen Klippen der Küste verursachten, 
elang. 
E “Das Resume der auf diese Weise eingezogenen Erkundigungen ist 
Folgendes: Die Insol wird von 106 Menschen, darunter einem Prediger, bewohnt, 
die von den vielen Seevögeln, vom Fischfang und von einiger Schafzucht leben, 
sehr selten aber andere Menschen zu sehen bekommen und betheuerten, dafs 
Deutsche ihre Insel überhaupt noch nie betreten hätten. Sie haben ihre einzige 
Verbindung im Sommer und auch dann nur bei sehr gutem Weiter durch kleine 
Boote nach dem Öefjord an der Nordküste /slands, Polareisa war von ihnen 
zuletzt Anfang Mai dieses Jahres gesehen worden. Als Fenerungsmaterial bo- 
nutzen sie die Reste der Soevögel und Fische. Das Aussehen der Leute war 
ein recht verkommenes, 
Da Nebel und westlicher Wind aufkam, konnte der Besuch der Insel nur 
zehr kurz sein, und wurde darauf der Kurs auf das Kap Nord aufgenommen. 
Die vollkommen schneebedeckten Berge der Nordküste waren bis dahin 
in Sicht gewesen, doch verschwanden sie nunmehr in dickem Wetter; der west- 
liche Wind nahm au Stärke zu, Gegen Mitternacht klarte es in nördlicher 
Richtung auf, so daß um diese Zeit der helle Sonnenschein herrschte. 
Beim Passiren des Kap Nord konnte in klaren Augenblicken die in 
Skizze IX enthaltene Vertonung genommen werden. Hier machte sich eine sehr 
starke entgegenstehende Strömung nach Ost geltend, so dafs dies Kap bei dem 
nunmehr wieder auftretenden stürmischen SW-Winde und bei hoher unregel- 
mäßiger See nur langsam zu passiren war, An der ganzen Nordküste hatte 
sich bis dahin eine auf die Küste zusetzende leichte Strömung geltend gemacht, 
Von Osten kommend empfiehlt es sich jedenfalls, dies Kap nicht unter 
einem Abstande von 10—15 Sm zu passiren. Ein Abstand 10 Sm vom Lande 
empfiehlt sich auch, wenn man, von Norden kommend, die Dänische Strafse 
ssirt, da die Strömung hier dicht unter der Küste stärker ist und auch grofse 
Neigung zeigt, in die Fjorde hinein und an die verschiedenen Kaps heran- 
zusetzen. 
Der über 4500 Fufs (1370m) hohe Snaefells-Jokell war beim Passiren fast 
ganz in Wolken gehüllt, doch gab der südlich desselben an der niedrigen Küste 
gelegene sehr markirte Löndrängar-Felsen eine recht gute Landmarke ab. Kine 
STE des Feisens ist in der Skizze X beigefügt, Beim KEiusteuern in die 
Faxe- Bucht machte sich eine Stromversetzung nicht bemerkbar, und konnte 
der von hier aus auf die Nordseite der wor dem Hafen von Reykjavik liegen- 
den Insel Fidey gerichtete Kompafskurs innegehalten werden, Die Ausegelungs- 
boje des Hafens ist sehr klein und kommt höchstens auf 1 bis 2 Sm Entfernung 
in Sicht, auch kam trotz geheifster Lotsenflagge ein Lotse erst an Bord, als 
sich das Schiff bereits im Hafen und fast auf dem Ankerplatze befand. 
Es ist in älteren Segelanweisungen darauf hingewiesen, dal sich die 
Kompasse in der Nähe der Küste von /sland öfter unzuverlässig zeigen, und 
sollen sich sogar mitunter größere Abweichungen bemerkbar gemacht haben; 
nach den Erfahrungen S. M. S, „Moltke“ bei der Umsegelung Islands trifft 
diese Angabe aber nicht zu. Trotz der Nähe des Landes und bei den vielen
	        
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