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Reise 8. M. 8 „Moltke“ nach Island,
Das NO-Kap Zelands, Kap Langanaes, wurde iu 8 Sm Abstand am
26. Juni Morgens bei ruhiger See passirt. Es wurde vermieden, das Kap
näher zu passiren, um den dort in der Karte angegebenen Stromkabbelungen
aus dem Wege zu gehen. Es war von letzteren auch wenig zu schen. Kine
bemerkenswerthe Versetzung des Schiffes durch Strom an dieser Stelle wurde
nicht konstatirt. Ansichten des Kaps sind in den Skizzen VI und VII gegeben.
Nachdem der Polarkreis in 66° 30‘ N-Br passirt war, wurde bei leichtem
nördlichem Winde und ruhigem Weiter Kurs auf die Insel Grimsey genommen,
und traf S.M.S. „Moltke“ Nachmittags, nördlich um die Insel steuernd, bei
derselben ein. Vertonung der Insel iat in Skizze VII beigefügt.
Die schmale, von Nord nach Süd gestreckte Insel fällt gegen Osten in
achroffen Felsen fast senkrecht ab, und sind diese Abhänge von einer Unzahl
Seevögel bewohnt. Nach Wosten zu flacht sich dieselbe im Allgemeinen sanft
ab, und ist sie dort mit Gras bedeckt, Da die Soe verhältailsmäßig ruhig war,
wurde auf der NW-Seite in einem Abstande von !/% Sm auf 36m Wasser ge-
stoppt und mittelst eines Kutters eine Landung versucht, die auch nach einigen
Schwierigkeiten, welche die Dünung und steilen Klippen der Küste verursachten,
elang.
E “Das Resume der auf diese Weise eingezogenen Erkundigungen ist
Folgendes: Die Insol wird von 106 Menschen, darunter einem Prediger, bewohnt,
die von den vielen Seevögeln, vom Fischfang und von einiger Schafzucht leben,
sehr selten aber andere Menschen zu sehen bekommen und betheuerten, dafs
Deutsche ihre Insel überhaupt noch nie betreten hätten. Sie haben ihre einzige
Verbindung im Sommer und auch dann nur bei sehr gutem Weiter durch kleine
Boote nach dem Öefjord an der Nordküste /slands, Polareisa war von ihnen
zuletzt Anfang Mai dieses Jahres gesehen worden. Als Fenerungsmaterial bo-
nutzen sie die Reste der Soevögel und Fische. Das Aussehen der Leute war
ein recht verkommenes,
Da Nebel und westlicher Wind aufkam, konnte der Besuch der Insel nur
zehr kurz sein, und wurde darauf der Kurs auf das Kap Nord aufgenommen.
Die vollkommen schneebedeckten Berge der Nordküste waren bis dahin
in Sicht gewesen, doch verschwanden sie nunmehr in dickem Wetter; der west-
liche Wind nahm au Stärke zu, Gegen Mitternacht klarte es in nördlicher
Richtung auf, so daß um diese Zeit der helle Sonnenschein herrschte.
Beim Passiren des Kap Nord konnte in klaren Augenblicken die in
Skizze IX enthaltene Vertonung genommen werden. Hier machte sich eine sehr
starke entgegenstehende Strömung nach Ost geltend, so dafs dies Kap bei dem
nunmehr wieder auftretenden stürmischen SW-Winde und bei hoher unregel-
mäßiger See nur langsam zu passiren war, An der ganzen Nordküste hatte
sich bis dahin eine auf die Küste zusetzende leichte Strömung geltend gemacht,
Von Osten kommend empfiehlt es sich jedenfalls, dies Kap nicht unter
einem Abstande von 10—15 Sm zu passiren. Ein Abstand 10 Sm vom Lande
empfiehlt sich auch, wenn man, von Norden kommend, die Dänische Strafse
ssirt, da die Strömung hier dicht unter der Küste stärker ist und auch grofse
Neigung zeigt, in die Fjorde hinein und an die verschiedenen Kaps heran-
zusetzen.
Der über 4500 Fufs (1370m) hohe Snaefells-Jokell war beim Passiren fast
ganz in Wolken gehüllt, doch gab der südlich desselben an der niedrigen Küste
gelegene sehr markirte Löndrängar-Felsen eine recht gute Landmarke ab. Kine
STE des Feisens ist in der Skizze X beigefügt, Beim KEiusteuern in die
Faxe- Bucht machte sich eine Stromversetzung nicht bemerkbar, und konnte
der von hier aus auf die Nordseite der wor dem Hafen von Reykjavik liegen-
den Insel Fidey gerichtete Kompafskurs innegehalten werden, Die Ausegelungs-
boje des Hafens ist sehr klein und kommt höchstens auf 1 bis 2 Sm Entfernung
in Sicht, auch kam trotz geheifster Lotsenflagge ein Lotse erst an Bord, als
sich das Schiff bereits im Hafen und fast auf dem Ankerplatze befand.
Es ist in älteren Segelanweisungen darauf hingewiesen, dal sich die
Kompasse in der Nähe der Küste von /sland öfter unzuverlässig zeigen, und
sollen sich sogar mitunter größere Abweichungen bemerkbar gemacht haben;
nach den Erfahrungen S. M. S, „Moltke“ bei der Umsegelung Islands trifft
diese Angabe aber nicht zu. Trotz der Nähe des Landes und bei den vielen