Reise S, M, SS. „Moltke“ nach Island,
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des Grases und Mangela an Futter für das Vieh entsteht, auch alsdann der
Betrieb der Fischerei ausfällt.
Etwas anderes, wie Gras und winzige Blumen, scheint neben Mosen auf
Zealand im freien Felde überhaupt nicht zu wachsen. Aecker sind nirgends mehr
vorhanden, auch, wie es sich später zeigte, in der Umgegend von Reykjavik
nicht, doch soll ein kleiner Wald von Birkensträuchern an der Westküste
existiren. Die Isländer selbst sind im Allgemeinen ein großer starkknochiger
and gutartiger Menschenschlag, scheinen aber sehr wenig rührig und intelligent
zu sein und in den unteren Klassen jeder Reinlichkeit feindlich gegenüber
zu stehen.
Der Unterschied im Wasserstande der Ebbe und Fluth im Hafen von
Diupavog beträgt 6—7 Fuls, und ist die Hafonzeit ca 2 Stunden,
Nach einem Aufenthalt von 24 Stunden wurde die Fahrt nordwärts
weiter fortgesetzt, um zunächst deu Faskrudfjord anzulaufen.
Nach dem Verlassen des Ankerplatzes von Djupavog wurde zunächst die
kleine Scheereninsel Binrnaskjar wieder angesteuert, um alsdann mit rw. öst-
lichem Kurse in der für die Einsegelung gegebenen a 80 weit zu
laufen, bis die Ostkante der Insel Papey innerhalb des Kap Osterhorn lag.
Siehe Vertonung III.
Kap Osterkorn nunmehr gut frei von der Insel Papey haltend, wurde mit
rw. nordwestlichem Kurse, um die blinden Klippen von Frordbode, Larungerne
and Biotolfsbode zu vermeiden, in die Deckpeilung „Iusel Skruden unter dem
ersten markirten Pik westlich von Sukkertoppen am nördlichen Ufer des Röde-
Fords*“ gesteuert {siehe Vertonung V), bis der Faskrudfjord offen lag, in
welchen alsdann südlich der niedrigen Scheereninseln Andey und Kiderskijär
frei eingesteuert werden konnte. Die Deckpeilung der Vertonung V giebt für
Schiffe, die von Süden kommen, auch eine gute Linie, um den Feed anzu-
steuern. Die Navigirung im Faskrudfjord und die Ansteuerung desselben bieten
keine Schwierigkeiten und sind sehr einfach. Die Wassertiefen sind in diesem
Fjord bis dicht an die Küsten im Allgemeinen grofs, Der beste Ankerplatz
findet sich am Ende des Fjordes bei dem kleinen Orte Budir. Das Anlaufen
dieses Fjordes ist jedenfalls zu empfehlen, und bleibt nur zu bemerken, dals
die Einfahrt in denselben für Segelschiffe Vorsicht erheischt, weil oft und be-
zondera bei nordöstlichem Winde schwere Böen von den am Eingang gelegenen
Bergen herniederfegen, während im Innern der Bucht Stille herrscht.
Der bei Leer an der Südküste des Fjordes befindliche Ankerplatz ist
für gröfsere Schiffe nicht zu empfehlen, da der Ankergrund sich in zu unmittel-
barer Nähe der Küste befindet, Als Marke für diesen Ankerplatz dienen zwei
am steilen Ufer übereinander angebrachte weils getünchte kleine Steine, Auch
wohnen Lotsen in der Nähe dieses Platzes.
Im Faskrudfjord wurde nicht geankert, sondern ein zur Zeit die
Küste entlang wehender stürmischer SW-Wind benutzt, um die Nordküste
von /sland zu erreichen und auf diesem Wege nach Reykjavik zu gehen, da in
Erfahrung gebracht war, dafs die Nordküste der Ivsel voraussichtlich eisfrei
sein würde, Anfang Juni war letzteres allerdings noch nicht der Fall gewesen,
aud hatte ein Dänischer Poctlanp len der die Nordküste passiren wollte, beim
Kap Nord so dichte Kismassen gefunden, dafs es ihm nicht möglich war, durch-
zukommen, und er unverrichteter Sache umkehren mufste.
Die weitere Navigirung an der Ostküste nordwärts bot keine Schwierig-
keiten, da diese Küste von Klippen frei ist, wenngleich das Wetter nicht sehr
sichtig war, Von den nördlich Kap Gerpirkuk gelegenen Fjorden bietet der
Seidis-Fjord in seinem innersten Theile einen guten Ankerplatz und den besten
Schutz gegen alle Winde, Es befindet sich daselbst eine Heringsfischerei, die
von Norwegern betrieben wird und recht lohnend gein soll. Io die Augen
fallend war ee, daß die Ostküste nordwärts von Kap Gerpirkuk viel mehr
Schnee zeigte, als die SO-Küste; auch ging die Wassertemperatur hier auf 2°
und die Lufttemperatur anf 5° herunter. Will man eino der vielen Buchten
anlaufen, so empfiehlt es sich im Allgemeinen, die Küste von Kap Gerpirkuk
aus in einem Abstande von ca 5 Sm hinaufzusegeln und in den betrefenden
Fjord einzustenern, sobald man ihn offen sieht. Letztere sind von Untiefen
und Klippen fast ganz rein.
Anw- d. Hyd. olc, 1600, Hof VL