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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 14 (1886)

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Reise S. M. S. „Moltke" nach Island. 
zleichzeitig verblieb die Kuppe des Berges Desen frei von der Kuppe des hohen 
am Nordufer des Fjords gelegenen Berges. Siehe Vertonung CA 
Da die Ebbe- und Fluthsträmungen unter der Küste bei einer Geschwindig- 
keit von 1,2 bis 2 Sm pro Stunde im Allgemeinen die Richtung des Landes 
innehalten, zo empfiehlt es sich besonders, auf das Verbleiben in der Deck- 
peilung beim Einsteuern in die Häfen zu achten. | 
Auf diese Weise bietet die Einfahrt in den Berufjord in keiner Weise 
Schwierigkeiten, jedoch ist dieselbe von Süden her, dicht bei der Insel Pap 
vorbei, der dort liegenden vielen Klippen wegen picht anzurathen und wird 
deswegen auch thatsächlich nie benutzt. Im Allgemeinen Jassen die zum Theil 
über 3000 Fulßs (914 m} hohen Berge der Küste den Abstand vom Lande immer 
eringer erscheinen, als er thatsächlich ist, und kommen die dem Lande vor- 
Neganden kleinen und sehr niedrigen Scheereninseln verhältnifsmälsig spät 
in Sicht. 
Auffällig war letzteres besondera bei der kleinen Insel Büarnaskjär, 
welche bei der Einsegelung in den Berufjord eine gute Kabellänge an St-B. zu 
lassen ist. Um von hier aus auf den Ankerplatz von Diwupavog zu gelangen, 
wurde der Bulande-Borg eben frei an St-B. gehalten, bis die wenigen Häuser 
der dortigen Handelsstelle frei in der Mitte der kleinen, aber gegen alle Winde 
geschützten und mit gutem Ankergrunde versehenen Bucht orschienen. Ein 
guter Ankerplatz für größere Schiffe ist dort am Eingang der Bucht, in der 
Mitte der Linie zwischen den die Enden derselben bildenden kleinen Klippen 
Svartafles und Eidarsekjär, in 17—19 m Wasser, 
Der von den schnecbedeckten Bergen herniederkommende Landwind war 
ziemlich heftig und hatte eine eisige Temporatur, Wie nachträglich in Erfahrung 
geLrachb, giebt es in Diupavoa und auch in den anderen Fjorden einige Privat- 
ötsen, doch kommen dieselben mur hinaus, wenn die Lotsenflagge geheifst 
wird, und auch dann nur auf eine Entfernung von höchstens 4 bis 6 Sn von 
der Küste in kleinen offenen Booten. 
In Diupavog ist der Vorsteher der Handelsfaktorei gleichzeitig Orts- 
vorsteher und die oinzige officielle Persönlichkeit. In den sehr zerstreut umher- 
liegenden kleinen und elenden Isländischen Erd- und Steinhütten leben ca 150 
Menschen, doch wird der Platz im Sommer, sobald die Kisverhältnisse oder 
gutes Wetter es erlauben, hin und wieder vom Dänischen Postdampfer an- 
gelaufen.  Aufserdem existirt eine monatliche Postrerbindung zu Pferde über 
and nach Reykjavik, die jedoch 3 Wochen braucht, um ans Ziel zu gelangen. 
Die Handelsfaktorei enthält eine Nieder? aller Lebensbedürfnisse für die im 
der Umgegend wohnenden Bauern und Fischer. Die Vorräthe, welche von 
Kopenhagen bezogen werden, sind jedoch nur gering. Die Preise sind wenig 
AOnor ala in Deutschland, Frisches Brod wird nur in kleinen Quantitäten un 
auf vorherige Bestellung zum Preise von 50 Oere pro kg gebacken. 
Infolge des vergangenen überaus strengen und lange anhaltenden Winters 
war sehr viel Vieh aus Mangel an Futter zu Grunde gegangen und das noch 
vorhandene so klein und &0 mager, dafs 68 des Schlachtens kaum verlohnte 
8 wurden zwei Rinder beschafft, die zusammen aber nur 162 kg Fleisch er- 
gaben und durch den Bottelier geschlachtet werden mufsten. 
Später im Sommer und dann auch bei längerem Aufenthalt am Ort soll 
mehr und auch besseres Vieh zu beschaffen sein. Sehr lohnend zeigte sich 
dagögen die Fischerei, denn diesseits wurden in dem etatsmälsig mitgegebenen 
Schleppnetze im Hafen nicht weniger als 660 PfaA. Fische in zwei Zügen ge- 
fangen, go dafs die Mannschaft damit verpflogt werden konnte, Ausfuhrartikel 
sind gesalzone und getrocknete Fische, Schafwolle und Eiderdunen, 
Die Isländer halten sehr strenge darauf, dafs in den Fjorden und an der 
Küste im Sommer zur Schonung der Eidergänse nicht geschossen wird, 
Die Eisverhältnisso an der Ostküste sind je nach den Jahren sehr ver- 
schieden, In der Regel rechnen die Bewohner derselben darauf, dafs das 
Treibeis, welches sich zum Winter an der ganzen Östküste föstsetzt, im Apräl 
oder Anfang Mai verschwindet. In schlechten Jahren kommt es aber vor, dafs 
die Küste auch während des Sommers bis zum August vom KEise blockirt bleibt, 
nnd fand dies zuletzt im Jahre 1882 bis hinunter zum Beru- und Alftafsord 
sfatt, wodurch alsdatın größes Elend unter der Berölkerung infolge Milswachses
	        
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