Reise 8, M. S, .„Moltke“ nsch Island.
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Reise S., M. S. „Moltke“* nach Island,
Aus dem Berichte des Kommandanten 8. M. S. „Moltke*, Kapt, z. See Stubenrauch,
(Hierzu Tafel 7.)
Schiffe, welche von Kap Lindesnaes resp. von der Ostküste Norwegens
nach Island segeln, thun im Allgemeinen gut, ihren Kurs nördlich um die
Shettland-Inseln zu wählen, um alsdann so viel wie möglich West zu gewinnen,
da die vorherrschenden SW- und NW-Winde bei einem Kurse nördlich um die
Faröer-Inseln leicht eine Verzögerung der Reise und ein Abweichen vom Kurse
nach Norden bedingen, was allein schon der unbeständigen Witterung und der
Temperaturverhältnisse wegen nicht wünschenswerth sein kann, auch sind die
Stromverhältnisse in der Passage zwischen den Shettland- und Faröer-Inseln
keine so ungünstigen, während nördlich und westlich der letzteren Inselgruppe
sine stärkere Versetzung nach NO zu erwarten ist. Diesseits wurde auf dem
westlichen Kurse zwischen den beiden Inselgruppen in 24 Stunden nur eine
Stromversetzung von ca 5,0 Sm in nordöstlicher Richtung bemerkt.
Handelt es sich nun darum, die Südost- oder Ostküste Zelands anzulaufen,
so empfichlt es sich, nachdem die Faröer-Inseln südlich passirt sind, unter
EEE, einer täglichen Stromversetzung nach NO von 10 bis 12 Sm
die Isländische Küste mit einem Kurse auf das Kap Westerhorn anzusteuern,
Die Formation der Küste ist hier sehr merkirt und erleichtert die weitere
Orientirung, auch sind derselben hier Klippen nicht vorgelagert, 80 dafs man
sich selbst bei unsichtigem Wetter bis auf wenige Secmeilen dem Kap nähern
kann. Das Loth giebt gleichfalls hier einen Anhalt, doch sollte man sich der
Küste bei dickem Wetter nicht unter einer Wassertiefe von 60m nähern.
Kap Westerhorn wurde diesseits bereits auf 50 Sm Entfernung in nord-
wöstlicher Richtung gesehen, als sich nach nebeligem und unbeständigem Wetter
gegen Abend der Horizont in dieser Richtung aufklärte. Skizze I auf Tafel 7
enthält die z. Zt. aufgenommene Vertonung.
Die Fahrt bis hierher war bei stürmischen WSW- bia WNW-Winden mit
vielfachen Regenböen, die jede eine Veränderung der Windrichtung um einige
Striche brachte, und bei hoher See zurückgelegt worden, Der Barometeratand
verhielt sich sehr schwankend zwischen 742 und 7556 mm.
Westlich von Kap Westerhorn war der schneebedeckte Oraefa Jökel in
Sicht, dagegen konnte der erwartete Snaefell-Berg wegen der über dem Lande
lagernden Wolkenmassen nicht gesehen werden.
Will man einen der an der Südost- resp. Ostküste gelegenen Fjorde an-
steuern, so empfiehlt es sich, dies nur bei einigermafßfsen sichtigem Wetter zu
thun und zu diesem Zweck zunächst das Kap Westerhorn mit rw. nordwestlichem
Kurse bis auf eine EEE von ca 25 A anzulaufen, um aladann den Kurs
auf die Klippeninsel Hval zu richten. Dieselbe ist von tiefem Wasser um-
geben, aber sehr niedrig, und kommt bei klarem Wetter und 8m Augeshöhe
auf ca 8—9 Sm als niedriger schwarzer Fels, über welchen zum Theil schwere
Brecher fortgehen, in Sicht, Sobald man bei klarem Wetter bis zu diesem
Punkte (Hralsbak ca NNO140 rw. 9 Sm ab) gelangt ist, wird sich die ganze
SO-Küste Zslande, wie in der Vertonung Ils angOgeben, vor dem Auge aus-
breiten, und kann man nuumehr mit Kurs NAW rw. in die nn
Gerpirkuk— Hornnaes gehen und nordwärts steuern, indem man Huglsbak auf
diese Weise ca 4—5 Sn an St-B. passirt.
Von diesem Kurse aus sind dann die einzelnen Häfen vom Berufjord bis
zum Rödefjord sicher nufzufinden und anzusteuern. S,M.S. „Moltke“ lief den
Berufjord und den Faskrudfjord an.
Die Haupthandelastelle der Ostküste beündet sich aber an einer Zweig-
bucht des Rödefjords, dem Eskefjord, .
Zum Einsegeln in den Berufjord, dem mehrfach niedrige Scheeren und
blinde Klippen vorgelagert sind, ging S, M.S. „Moltke“ auf dem vorerwähnten
Kurse in die Linie Hvalsbak— Bulandesfjeld und steuerte alsdann rw. W!/N, das
aiedrige Vorland des Nordufers des Fjordes an den nördlichen Fuls des sehr
mnarkirten und einer regelmäfsigen Pyramide ähnlichen Bulands-Berges haltend,