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Cyklone im Golf von Aden im Anfang Juni 1885.
kamen, den Orkan durch langsamere Fahrt vermieden haben, und besonders
würde „Peshawur“, der mit seiner mächtigen Maschine den Orkan überholte und
dann, von diesem erfafst, zum langsamen Fahren genöthigt und seinerseits über-
holt wurde, sich rechtzeitig durch das schlimme Aussehen des Himmels, die elek-
Srischen Entladungen und die Aenderungen des Windes haben warnen lussen, wenn
ar an die Möglichkeit einer wirklichen Cyklone an diesem Ort geglaubt hätte,
Ebenso würde der „Renard“, ein als unzuverlässig anerkanntes Schiff, bei dem
äußerst drohenden Wetter nicht die Rhede von Obock verlassen haben. Herr Cloue
befürwortet dabei warm die Einrichtung einer telegraphischen Verbindung mit
Sokotra, ja sogar eines wetitertelegraphischen Stationsnetzes auf beiden Seiten
des Golfes von Aden, um der Wiederholung eines solchen Unglücksfalls auf
einer so wichtigen Route, wie die durch den Suezkanal, vorzubeugen, Hätte
am Abend des 31. ein Telegramm von Sokotra den Orkan daselbst und dessen
Fortpflanzung westwärts gemeldet, so wäre, nach dem Verfasser, gewils der
„Renard“ in Obock, die „Augusta“ und andere Schiffe bei Perim geblieben, die
„Bacchante“ wäre vorbereitet gewesen, und die verlorenen Küstenfahrer hätten
an verschiedenen Küstenpunkten Zuflucht gesucht.
Einen den vorliegenden Gegenstand bohandelnden Aufsatz des Herrn
A. E. Arkenbout Schokker, weicher im diesjährigen Juni-Heft der Zeitschrift
„De Zeo“ veröffentlicht worden ist, entnehmen wir noch den nachstehenden
Kat des Niederländischen Dampfschiffes „Prinses Marie“, Kapt.
eber.
Dieses Schiff wurde auf der Reise von Swez nach Atschin in der Nacht
vom 1. zum %. Juni auf der ersten Wache (zwischen & und 12" p. m.) von dem
Orkan betroffen. Schon am Nachmittage des 1. Juni erhielt man schwere öst-
liche Dünung, während die Luft ein sehr drohendes Aussehen annahm; der
Wind war sehr unbeständig zwischen Nordost und Nordwest, mit schwerem
Gewitter und Regen, Von Mittag bis 8 Uhr Abends sank das Barometer von
756 bis 752mm. Nach 8 Uhr Abends hielt sich der Wind stetiger auf NNW
and nahm zum Sturmo zu; hieraus und aus dem schnelleren Fallen des Baro-
meters schlofs der Kapitän, dafs er sich in der Bahn einer Cyklone befand,
und da er wegen der Nähe des Landes das Schiff nicht nach Süden laufen
lassen konnte, beschlofs er, mit dem Kopf nach Westen beizudrehen. Während
der ganzen Nacht blieb der Wind aus derselben Richtung, an Stärke dermafsen
zunehmend, dafs das Schiff stets mit der B-B.-Seite bis au die untere Brücke
zu Wasser lag. Des Morgens um 8 Uhr war der Wind am heftigsten und zu-
gleich etwas westlicher; das Barometer war alsdann bis 732 mm gefallen. Nach
ijeser Zeit lief der Wind noch westlicher und nahm an Heftigkeit ab, während
das Barometer in 20 Minuten auf 745 mm stieg. Dann trat, während der Wind
von Südwest nach Südost herumging, besseres Wetter ein. Das Centrum war
demnach in geringem Abstande nördlich vom Schiffe passirt.