Cyklone im Golf von Aden im Anfang Fund 1885,
DÄr
Nachtrag.
Seit der im März dA. J. erfolgten Fertigstellung des GT Berichtes ist
eine reichhaltige Abhandlung vom Französischen Vice-Admiral Clou€ in der
„Revue maritime et coloninle, Avril 1886“ (S. 69—131) erschienen, welche viel
neues Material beibringt und eine Ergänzung sowie theilweise Berichtigung des
früher Gegebenen nothwendig macht, Viee-Admiral Cloue stützt sich auf die
Berichte der folgenden Schiffe, von denen die gesperrt gedruckten noch nicht
in unserem Berichte berücksichtigt werden konnten (in chronologischer Reihen-
folge): „Mergui“, „Rouen“, „Fabert“, „Jason“, „Deucalion“, „Glenochil“,
Diemed“, „Donar“, „Peskhawur“, „Katsar £ Hind“, „Newcommen“, „Speke
Hall“, „Fetul Bahri“, „Seraglio*, „Inchulva“, „Duke of Devonshire“, „Malek“,
„Columbian“, „Antenor“, „Balcarres Brook“, „France“, sowie einiger in den
Häfen von Aden und Öbock Kegenden Schiffe und der Hafenbehördo des
ersteren Ortes.
Durch die Berichte der beiden Schiffe „Mergut“ und „Rouen“ wird es
möglich, die Bahn der Cyklone 6 Längengrade resp. 42 Stunden Zeit weiter in
den Indischen Ocean zurück zu verfolgen. Ferner zeigen die Nachrichten aus
Obock, dafs der Bericht des „Pingowin“, auf welchen sich unsere Darstellung
der Bahn des Cyklonencentrums stützte, viele Unrichtigkeiten enthält, und dafs
in Wirklichkeit die Bahn nicht, wie angenommen wurde, südlich von Obock,
sondern nördlich von diesem Orte vorbeiführte. In der Karte Taf, 6 sind diese
Ergänzungen und Verbesserungen bereits angebracht worden; dagegen ist die
Beschreibung in der anfänglichen Form im Druck belassen, und würden 68 hier
vornehmlich der zweite Absatz auf Seite 187 und der letzte Absatz auf Soite 189
gein, welche darch diesen Nachtrag eine Berichtigung erhalten,
Zwischen den Endstücken der Balın sind die Ergänzungen, die die Ab-
handlung von Cloud liefert, weniger wesentlich, obwohl in manchen Punkten
interessant. Wir geben hier die wichtigsten der neuen Berichte als Fortsetzung
der oben mitgetheilten Sammlung wieder.
Auszug aus den Berichten von Vice-Admiral Cloue,
„Mergui“. Das östlichste der Schiffe, von denen Angaben bis jetzt
vorliegen, ist der Dampfer „Mergui“, Derselbe erhielt den Orkan auf dem
Wege nach Rangoon am 30. Mai 250 Sm östlich von Sokotra, anf der Route
zum 9-Grad-Kanal.
Der Kapt, Bowers sagt in seinem Berichte:
„Wir sind in einen dieser Drehstürme gerathen, welche glücklicherweise
in diesen Gegenden 80 selten sind. Von den Vorzeichen, die gewöhnlich diesen
Stürmen vorhergehen, hat sich keines gezeigt. Diese Cyklone war die fünfte,
in welcher ich mich während meines Seemannslebens befunden habe, aber keine
der anderen wehte mit solcher Wuth; selbst der große Orkan von 1864 in
Calcutta, in welchem mein Schiff, die „Madras*, in Stücke ging, war nicht 80
heftig, wie dieser,“
Nachdem das Schiff im gefährlichen Halbkreise, das heifst mit Winden
aus NNE bis NE, in den Orkan hineingerathen war, wollte der Kapitän vor
dem Centrum passiren, in der Hoffvung, den handlichen Halbkreis erreichen zu
können. Die Segel wurden dichtgereflt so lange geführt, bis sie nicht mehr
stehen konnten, Alsdann wurde die Route nach Süden ohne Segel fortgesetzt;
aber das Meer war so aufgewühlt, dafs das Schiff nicht mehr dem Steuer ge-
horchte und bald quer in der See liegen blieb. Der Wind drehte sich nach
einem Abflauen von einer Viertelstunde Dauer, welches gegen 2* 30“ Morgens
am 31. Mai eintrat, nach WNW, W und SW. Der „Mergui“ hatte damit das
Centrum passirt, das der Kapitän eben vermeiden wollte. Er blieb darauf
steuerlos quer in der See liegen; mehrmals versuchte man, das Schiff an den
Wind zu bringen, aber ohne Erfolg. Von 3 bis 6 Uhr MonzonS war das Schiff
80 in Gischt gehüllt, dafs man den Besanmast, PM selbst den Schornstein nur
für Augenblicke sehen konnte, Alles, was auf Deck sich befand, wurde fort-
gespült. Das Barometer fiel, nach Angabe des Kapitäns, von 757,4 mm auf
736.4mm, Der Orkan hörte auf zwischen 11 Uhr und Mittag am 31. Mai;
allein erst um 2 Uhr konnte die Reise fortgesetzt werden.
Adun. d. Hydr. el6.. 1856. Haft VI.