Reise von Zanzibar über Mozambique nach Kapstadt.
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Der Kurs wurde um 15 Sm frei von der Küste gesetzt, um den Strom
möglichst auszunutzen. Am Nachmittag des 6. kam abermals plötzlich Sturm
aus SSW.
Ueber B-B. und später über St-B.-Bug beiliegend, kam um 6* 30° in
einem klaren Momente der einzige sich hervorhebende Punkt (Hermes-Spitze)
der sont mauergleichen Küste in Sicht, woraus auf einen kräftigen Strom
eschlossen werden konnte. Es wurde nun über B-B.-Bug weiter gelegen,
Negen 11 Nachmittags flaute der Wind so weit ab, dafs Kurs gelegen werden
konnte. Das Wetter blieb böig und regnerisch diesig.
Der Mangel an Peilobjekten machte sich am 7. sehr fühlbar, da ein
observirtes Besteck nicht erlangt werden konnte. Schlielslich gelang es durch
nahes Ansteuern der Küste um 2* 30° Nachmittags die Mündung des Keis-
kamma-Flusses mit der deutschen Dorfechaft Hamburg auszumachen, Später
um 6: Abends kam bei momentan aufklarendem Wetter die Steinbake auf
Glendower-Pik und der Nanquas-Pik in Sicht und ermöglichten so eine genaue
Ortsbestimmung 8 Sm von der Küste. Der auf den Feuerkreis von Bird an-
genommene Kurs zeigte beim Insichtkommen dieses Feuers — 15,5 Sm — dals
der südwestliche Strom völlig aufgehört hatte.
Das Feuer von Kap Recıfe kam auf 17 Sm in Sicht. Der Leuchtthurm
blieb dagegen bei Tagesanbruch noch auf 20 Sm ein gutes Peilobjekt.
Auf Grund früherer Erfahrungen wurde der Kurs zwischen Cowie, Kap
Reeife und Francis in einer Entferung von 15 Sm von den genannten Punkten
abgesetzt, um den Gegenstrom zu vermeiden, doch erwies sich auch diese Ent-
fernung als nicht hinreichend.
Zwischen den Kaps Recife und Francis trat sogar unverkennbarer Gegen-
strom ein, welcher das Geschwader derartig in die zwischenliegende Bucht ver-
setzte, daß 3 Strich abgehalten werden mußte, um Kap St. Francis auf nur
10 Sm zu passiren.
Es empfiehlt sich demnach, der Küste auf der Agulhas-Bank
mindestens 20 Sm fern zu bleiben, wenn man den vollen SW-Strom
benutzen, resp. den Gegensirom vermeiden will. .
Vom Kap St. Francis aus steuerte das Geschwader direkt auf Kap Agulhas,
Die Strömung auf letzterer Strecke scheint eine sehr unregelmäfsige zu
sein; die Peilungen und Observationen gaben bald Mit- bald Gegenstrom an,
zo um 4* 20» Nachmittage, am 9. Oktober, querab von St. Sebastian-Bai, nach
vorangegangenem gutem Mittagsbesteck, eine Versetzung von 4 Sm nach Norden
aus dem Kurse. Der Kurs wurde demgemäfßs so geändert, daß Agulhas-Feuer
auf 20 Sm NW7N in Sicht kommen mußte, was auch um 9 80 Abends
geschah, Das Wetter war nur mälfsig sichtig. Während der Fahrt durch den
Feuerkreis wurde leichter Gegenstrom konstatirt, welcher nachher auf dem Kurse
NNWS/AW längs der Küste entschieden zunahm, ebenso der Wind.
Gegen 7 Vormittags hatte der Wind wieder sturmartige Stärke erreicht.
Heftige Böen brachten viel Regen und diesiges Wetter mit schwerer See. Das
Barometer stand um 4* Vormittags auf 760,8, fiel dann bis 12% Nachmittags auf
752,0, um bis zum folgenden Nachmittag wieder auf 763,2 zu steigen.
S. M. Kreuzerfregatte „Gneisenau“ erhielt die Ordre, unter Land nach
Kapstadt zu gehen, während die beiden übrigen Schiffe des Geschwaders mit
Rücksicht auf den zusammengeschmolzenen Kohlenvorrath S. M. S, „Stosch“
anter Segel allein beilegten.
Die beiden Schiffe trieben nunmehr über B-B.-Bug liegend mit dreimal
gerefften Marssegeln bis zu 35° 20‘ S-Br und 18° 12‘ W-Lg.
In dieser ungefähren Position um 2* Vormittags des 11. angelangt, laute
der Wind schnell ab, zugleich auf Süd drehend,
Mit dem Kurs NNO0'20 kam das Kap der guten Hoffnung um 8% 37”
Vormittags in Sicht. Die Schiffe liefen bei auffrischendem Südwinde mit allen
Segeln und der inzwischen wieder angestellten Maschine in die Zafel-Bai ein.
Das Wetter blieb trübe mit Regenböen aus Süd und SE. Quer ab von
Duyker-Spitze drehte der Wind auf NEzN Stärke 6.
Um 3% 20° Nachmittags, den 11. Oktober, ankerte das Geschwader mit
90 m Kette auf 8m Wasser nach Anweisung des Hafenbeamten auf der Rhede
von Kapstadt.
Ann. d. Hrdr, ete., 1836, Hofl L