Cyklone im Golf von Aden im Anfang Jumi 1885.
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Zeit der schrecklichsten Noth, denn zwei Stunden lang konnte sich Niemand
bewegen ohne Gefahr, vom Winde über Bord geschleudert zu werden, Die
Mannschaften wurden vom Sturme aufgehoben und gegen die Wanten uud
Verschanzungen geworfen, und Viele retteten nur mit genaner Notlh ihr Leben,
Die auf dem Hinterdeck stehenden Schafställe wurden umhergeschleudert und
zeıtrümmert; die unglücklichen Thiere gingen über Bord. Die Signalkanone
wurde von der Laffete gerissen und unter die Mannschaft geschleudert, die nur
mit Mühe den Kollisionen mit jever und anderen losgerissenen Gegenständen,
welche an Deck umhergeworfen wurden, entging. Der Bootsmann brach bei
Befestigung der Luken ein Bein, doch erhielten auch andere Seeleute Ver-
letzungen, so dafs in kurzer Zeit acht Mann nicht mehr arbeitsfähig waren.
Der Kapitän vermochte sich nur mit Mühe auf der Brücke zu halten, wo die
zerbrochenen Hühnerställe sich losgerissen hatten. Einer derselben zertrümmerte
das Oberlicht, so dafs die Seen nunmehr in die Kajüte eindrangen und mehrere
der Kabinen unter Wasser setzteo. Das Sonnensegel über dem Hinterdeck
wurde fortgerissen, die Segel an den Masten und Raaen, obgleich sie vor dem
Einsetzen des Orkans ebenfalls gut festgemacht waren, wurden in tausend
Fetzen zerrissen, 80 dafs nur noch die nackten Rundhölzer vorhanden waren.
Die Krone des Schornsteins der Hülfsmaschine wurde fortgeschieudert, alle
Bootsbedeckungen über Bord gespült, die Thüren des hinteren Hauses eiu-
geschlagen und der Kompafs zertrümmert. Dor Untergang des Schiffes war
nur noch eine Frage der Zeit. Wenn das Unwetter nur noch eine Stunde
anbielt, dann mußte der Dampfer sinken, denn kein von Menschenhand her-
gosiellier Bau konnte einem solchen Sturm noch länger widerstehen. Glück-
licherweise waren die Maschinen noch im Gange, so dafs das Schiff wenigstens
noch dem Ruder gehorchte,
Um 5 Uhr Nachmittags schien das Rollen des Dampfers weniger schwer
zu werden; die Luft klarte etwas auf, und die Mannschaft begann wieder Muth
zu schöpfen. Um 6 Uhr kam Kap Aden in Nord, 24 Sn entfernt in Sicht, und
es wurde Ost langsam voraus gesteuert. Der Sturm war vorüber, aber die See
blieb noch sehr hoch. Um Mitternacht (zum 4. Juni), als Wind und See sich
mehr beruhigt hatten, wurde Befehl gegeben, mit voller Kraft zu fahren. Das
Schiff sah aber schrecklich zugerichtet aus. Kein beweglicher Gegenstand war
mehr an Deck, kein Segel mehr an den Masten mit Ausnahme einiger Fetizen,
die in den Wanten hängen geblieben waren. Um 11% Uhr stoppten wir bei
dem Dampfer „Glenochit“, der einige Stunden vorher von Wrackstücken fünf
Araber geborgen hatte, welche Tags zuvor zwei grofse Dampfer mit dem Heck
voran hatten sinken sehen. (Vom Dampfer „Duke of Devonshire“ ist ebenfalls
berichtet worden, dafs in seiner nächsten Nähe während des Orkans zwei
Dampfer gesunken seien, ohne dafs es möglich gewesen wäre, denselben Hülfe zu
leisten.) Es soll dies der erste Orkan sein, der jemals im Golf von Aden
geweht hat.“
14. Der Dampfer „Columbian“, auf der Reise von Suakin nach Aden,
hatte die Cyklone in der Zeit von 2* p. m. bis 8* p. m. in ca 125° N-Br und
44,4° O-Lg gleichfalls ziemlich schwer zu bestehen, Um 2* Nachmittags setzte
zuerst eine schwere NW-Böe ein, welche ihren Weg nach südlicher Richtung
hin nahm, um 2* 30” p. m. änderte der Wind plötzlich auf NE und wuchs zum
Orkan an, dessen Stärke zwischen 4° und 5* p. m. aus ENE bei einem Baro-
meterstand von 741,8 mm am gröfsten war. Eine wirre bergige See brach von
allen Seiten ein. Der Wind drehte bis 6* p. m. auf SE und mit dem Abnehmen
des Orkans zurück auf ESE und blieb aus dieser Richtung stürmisch, Die
Wetterbeschaffenheit bis Mitternacht war dunkle Luft mit dicken Wolkenbäuken
im SW und strömender Regen in Intervallen,
Das Centrum der Cyklone passirte zwischen 4 und 5% p. m. in ca 12 Sm
Abstand südlich vom Schiff.
15. „Balcarres Brook“, Der Kapitän dieses am 4. Juni in Aden an-
gekommenen, von Cardiff nach Singapore bestimmten Dampfers berichtet:
assirten die Insel Perim am 3. Juni um 4 Uhr 30 Minuten Nachmittags;
1’ Stunden später setzte plötzlich ein schwerer Sturm mit wild durcheinander
laufender See ein, in dem wir sämmtliche losen Decksyegenstände verloren und