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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 14 (1886)

Cyklone im Golf von Aden im Anfang Juni 1885, 
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seiner Sprache mächtig geblieben. Drei Tage und zwei Nächte war er ohne 
jegliche Nahrung und ohne einen Tropfen frischen Wassers herumgetrieben, an 
ein Stück einer abgebrochenen Spiere geklammert, welches gerade genügend 
grofs war, ihn über Wasser zu halten. Gegen die Offßziere des „Pezho“ äußerte 
Keizer, daß er wahrscheinlich der einzig Gerettete der aus 57 Köpfen be- 
stehenden Besatzung der „Speke Hall“ sei, 
Die „Speke Hall“ war ein zur Hall-Linie gehöriger grofser Dampfer von 
etwa 2500 Tonnen Tragfähigkeit und mit Kohlenladuug auf einer Reise von 
Liverpool nach Bombay begriffen, Alles war wohl von Statten gegangen, bis 
sie den Golf von Aden erreichte, wo sie von einem Orkan von ganz un- 
gewöhnlicher Gewalt überfallen wurde. Die Gewalt des Sturmes und der auf- 
gerührten See war eine so furchtbare, dafs das Schiff vollständig unfähig wurde, 
dagegen zu kämpfen, Die See glich, wie Keizer sagte, einem mächtigen 
kochenden Topfe. Die Nacht war pechschwarz, die Seen liefen gleich Wasser- 
bergen gegeu das Schiff an, Alles vom Deck mit sich reifsend, womit sie in 
Berührung kamen; dennoch kämpfte das Schiff noch immer brav gegen die es 
umtosenden furchtbaren Gewalten, See auf See stürzta über das Verdeck hin 
und ergofe Massen von Wasser in die Schiffsräume, Die Ingenieuro hielten 
muthig bei ihren Maschinen aus und thaten ihr Möglichstes, das Schiff gegen 
den überwaältigenden Sturm anzuhalten. Alle Boote waren fortgerissen, und 
mit dem letzten, welches, wie eine Pappschachtel zusammengequetscht, auf dem 
Kamme einer Welle dahingeschleudert wurde, ging auch die letzte Hoffnung 
auf eine mögliche Rettung dahin. Drei Stunden hielt das Schiff dem Unwetter 
Stand. Alle Offziere DR Mannschaften waren an Deck, nur die Maschinisten 
befanden sich in den unteren Räumen. Der Sturm nahm seinen Anfang um 
i Uhr Morgens (am 3. Juni); bereits um 3 Uhr war es Allen an Bord Star, 
dafs jegliche Hoffnung, den Sturm zu durchwettern, aufgegeben werden müsse, 
Noch immer konnte das Schiff gegen den Sturm angehalten werden, jedoch sank 
es von Minute zu Minute tiefer, und nur mit den äußersten Anstrengungen der 
Ingenieure war es noch möglich, die Maschinen im Gange zu halten, Da plötz- 
lich fühlte ein Jeder, dafs der verhängeifsvrolle Moment gekommen sei. Mit 
einer gewaltigen Niederwärtsbewegung wurde der Bug des Schiffes unter der 
quer darüber hinstürzenden See begraben, und hülflos sanken Schiff und Mann- 
schaft in die Tiefe, um sich nicmals wieder zu erheben, Es blieb keine Zeit, 
auch nur irgend etwas zu thun, Die Ingenieure müssen, bei ihrer Arbeit und 
anf ihrem Posten bis zur letzten Minute aushaltend, ertrunken sein. Der zweite 
Offizier und ein anderer Kamerad spraugen von der Kommandobrücke in die 
schäumende See, beide eine Rettungsboje orfassend. Als Keizer wieder an 
die Oberfläche kam, fühlte er eine treibende Spiere und klammerte sich ver- 
zweiflungsvoll an dieselbe. Sie hielt ihn eine Zeit lang über Wasser. Trotz 
des heulenden Sturmes hörte er die Stimme seines Kameraden, den er bei der 
herrschenden Finsternifß nicht zehen konnte, und erfuhr, dafa derselbe sich an 
einem Fasse hielte. Dies war jedoch das Letzte, was Keizer von seinem 
Kameraden hörte; er sah ilm nicht wieder. Am anderen Morgen ließ sich 
keine Spur eines menschlichen Wesens mehr erspähen, MNach drei Tagen und 
zwei Nächten der schrecklichsten Entbehrung und bittersten Enttäuschungen, 
wenn Schiffe, ohne ihn zu bemerken, an ihm vorüber fuhren, aber immer von 
Neuem sich aufraffend und Muth fassend, wurde Keizer eudlich am Abend 
des 5. Juni durch die Mannschaft des „Peiho“ gerettet.“ 
9. Der Englische Dampfer „Kaisari Hind“, auf der Reise von Aden 
nach Bombay, stand um Mittag des 2. Juni ca 15 Sm östlich vom erstgenaunten 
Orte und dampfto mit östlichem Kurse und einer Fahrt von 12 5m p. h. unter 
der Arabischen Küste, Der Wind war erst südlich und leicht und ging dann 
auf Ost. Um 4" p.m, kam eine lange östliche Dünung auf, und um 6* p.m, 
seizte eine starke Böc mit Regen und Blitzen ein, Um 7° 35” war der Regen 
aufserst stark. Das Barometer war von Mittag bis 4" p.m. ca 3 mm gefallen 
und stieg dann auffallenderweise, während sich das Wetter allmählich ver- 
schlechterte, um ca Zum. Gegen 8" p.m. klarte es für einen Augenblick auf, 
alsdann stürmischer östlicher Wind mit anhaltendem starkem Regen und inten- 
siven Blitzen, starke östliche Dünung. Der Wind wehte von Mitternacht bis 
ca 3h am. den 3, Juni als starker Sturm, dessen Heftiykeit um 2" a. m. den
	        
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