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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 14 (1886)

Winde und Stürme beim Kap Horn. 
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Böen schliefslich mehr und mehr nach N und NNW, bis verhältni(smäfßsige 
Windstille infolge der Gegenwirkung der von den Bergen fallenden Winde ent- 
steht, während das Sinken des Barometers sich beschleunigt und eine neue 
Böse aus WNW bis SW herannaht. Im Sommer ist es anders, die Böe stirbt 
ab, der Wind, der bis SW oder SSW herumgedreht ist, geht rasch nach NW 
oder NNW zurück, worauf ein neuer Sturm beginnt. So wechseln im Sommer 
Windstillen und Böen regelmäfsig ab, zwischen sich immer nur eine verhältnifs- 
mäßig kurze Periode normaler Winde lassend. 
Die Dauer der Böen ist sohr verschieden, jedoch kann man sagen, dafs 
dieselben mit Vorliebe in der zweiten Hälfte der Nacht oder am Tage begimen 
und in der zweiten Hälfte des Nachmittags oder am Abend aufhören. Dies ist 
von Wichtigkeit, denn wenn der Wind, anstatt abzunehmen, Abends auffrischt, 
während das Barometer in seiner Aufwärtsbewegung anhält oder Neigung zeigt, 
wieder zu fallen, so ist immer Grund zur Befürchtung eines starken Sturmes 
im zweiten Theile der Nacht und während des nächsten Tages vorhanden. 
Wenn ferner der Wind Abends nach NW zurückdreht, nachdem es während 
des Tages stark geweht hat, so ist dies ein Zeichen, dafs am folgenden Tage 
schlechtes Wetter wahrscheinlich ist, wenn das Barometer nicht lebhaft in die 
Höhe geht, in welchem Falle für den nächsten Tag auf schönes oder doch für 
die Schiffahrt geeignetes Wetter gerechnet worden kann. 
Stürme aus SE sind bei Kap Horn sehr selten; nach den Berichten der 
Englischen Missionare kommen starke Winde aus dieser Richtung nur an einigen 
Tagen während der kalten Perioden des Winters vor. Auch der nordöstliche 
Quadrant weist nur wenige Beispiele von heftigen Stürmen auf, wenn auch im 
Herbst frischer Wind und rauhe und sehr unregelmälsige Böen häufig sind, 
Fallen des nassen Thermometers, steigende Temperatur und blasses Aussehen 
ler Sonne, die hinter einem grauen Dunstschleier kaum sichtbar ist, kündigen 
stets Winde aus dieser Richtung an, die aber selten von Regen und Böen bhe- 
gleitet sind. Gemeiniglich nehmen die Winde aus Nord allmälig ab oder sie 
springen plötzlich nach W und SW um, was sich durch schwarzes und drohendes 
Aussehen des Horizonts in dieser Himmelsrichtung ankündigt, Im Augenblicke 
des Umspringens löst sich in jener Richtung eine grofse Nimbus-Wolke los, die 
von einer schweren Böe aus W oder SW begleitet ist. 
Die Eigenthümlichkeiten der Stürme in den Kap Horn und den südlichen 
Küsten des Feuerlandes benachbarten Regionen lassen sich durch den Einflufs 
des hohen Landes erklären, welches die atmosphärischen Strömungen in ihrer 
Bewegung von WNW nach 0SO aufhält. Westlich und südlich von den hohen 
Gebirgsketten des Feuerland Archipels wird der nordöstliche Theil des atmo- 
sphärischen Wirbels, in welchem man die östlichen bis nordwestlichen Winde 
findet, durch den Einflulg der Gebirge bekalmt, und infolge davon beob- 
achten die demselben ausgesetzten Gegenden ein Fallen des Barometers mit 
Windstillen oder leichten Winden, bis der ganze Wirbel von dem hohen Lande 
frei ist. Sobald das Centrum der Depression genügend weit nach Süden oder 
Südosten vom Kap Horn fortgeschritten ist, machen die drehende Bowegung 
und das dieselbe begleitende Wetter sich auf der Oberfläche des Meeres 
bemerkbar. Das ist die Zeit, wo der Sturm plötzlich losbricht und dem Schiffe 
fee Gefahr bringt, wenn der Führer nicht auf Grund der Anzeigen des 
N Geromöters oder anderer meteorologischer Warnungen bereits Vorsichtsmafs- 
regeln gegen die plötzlichen und verhängnifevollen Wirkungen des Starmes ge- 
troffen hat. In demselben Verhältnis, wie das Centrum der Depression ostwärts 
fortschreitet, dreht der Wind sich nach SE und S, bis eine von Westen kom- 
mende neue Depression die Wirkung der sich entfernenden aufhebt, wodurch 
wieder Windstille oder ein Umspringen des Windes nach NW bei neuem Baro- 
meterfall entsteht, 
Wenn daher ein -Schiff, welches das Kap so nahe wie möglich von Osten 
nach Westen umsegeln will, während der ersten Stunden der der ersten Sturm- 
böe vorausgehenden sanften Briese über B-B.-Bug segelt, um nach Südwesten 
zu gelangen, so läuft es gerade in einen Theil des Wirbels hinein, wo heftige 
westliche bis südwestliche Winde vorherrschen, während dasselbe, wenn es 
rasch südostwärts zu gelangen sucht, finden wird, dafs der Wind nach Nord 
and NE, ja vielleicht nach SE herumholt, wenn es vor dem Centrum der De-
	        
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