Winde und Stürme beim Kap Horn.
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Böen schliefslich mehr und mehr nach N und NNW, bis verhältni(smäfßsige
Windstille infolge der Gegenwirkung der von den Bergen fallenden Winde ent-
steht, während das Sinken des Barometers sich beschleunigt und eine neue
Böse aus WNW bis SW herannaht. Im Sommer ist es anders, die Böe stirbt
ab, der Wind, der bis SW oder SSW herumgedreht ist, geht rasch nach NW
oder NNW zurück, worauf ein neuer Sturm beginnt. So wechseln im Sommer
Windstillen und Böen regelmäfsig ab, zwischen sich immer nur eine verhältnifs-
mäßig kurze Periode normaler Winde lassend.
Die Dauer der Böen ist sohr verschieden, jedoch kann man sagen, dafs
dieselben mit Vorliebe in der zweiten Hälfte der Nacht oder am Tage begimen
und in der zweiten Hälfte des Nachmittags oder am Abend aufhören. Dies ist
von Wichtigkeit, denn wenn der Wind, anstatt abzunehmen, Abends auffrischt,
während das Barometer in seiner Aufwärtsbewegung anhält oder Neigung zeigt,
wieder zu fallen, so ist immer Grund zur Befürchtung eines starken Sturmes
im zweiten Theile der Nacht und während des nächsten Tages vorhanden.
Wenn ferner der Wind Abends nach NW zurückdreht, nachdem es während
des Tages stark geweht hat, so ist dies ein Zeichen, dafs am folgenden Tage
schlechtes Wetter wahrscheinlich ist, wenn das Barometer nicht lebhaft in die
Höhe geht, in welchem Falle für den nächsten Tag auf schönes oder doch für
die Schiffahrt geeignetes Wetter gerechnet worden kann.
Stürme aus SE sind bei Kap Horn sehr selten; nach den Berichten der
Englischen Missionare kommen starke Winde aus dieser Richtung nur an einigen
Tagen während der kalten Perioden des Winters vor. Auch der nordöstliche
Quadrant weist nur wenige Beispiele von heftigen Stürmen auf, wenn auch im
Herbst frischer Wind und rauhe und sehr unregelmälsige Böen häufig sind,
Fallen des nassen Thermometers, steigende Temperatur und blasses Aussehen
ler Sonne, die hinter einem grauen Dunstschleier kaum sichtbar ist, kündigen
stets Winde aus dieser Richtung an, die aber selten von Regen und Böen bhe-
gleitet sind. Gemeiniglich nehmen die Winde aus Nord allmälig ab oder sie
springen plötzlich nach W und SW um, was sich durch schwarzes und drohendes
Aussehen des Horizonts in dieser Himmelsrichtung ankündigt, Im Augenblicke
des Umspringens löst sich in jener Richtung eine grofse Nimbus-Wolke los, die
von einer schweren Böe aus W oder SW begleitet ist.
Die Eigenthümlichkeiten der Stürme in den Kap Horn und den südlichen
Küsten des Feuerlandes benachbarten Regionen lassen sich durch den Einflufs
des hohen Landes erklären, welches die atmosphärischen Strömungen in ihrer
Bewegung von WNW nach 0SO aufhält. Westlich und südlich von den hohen
Gebirgsketten des Feuerland Archipels wird der nordöstliche Theil des atmo-
sphärischen Wirbels, in welchem man die östlichen bis nordwestlichen Winde
findet, durch den Einflulg der Gebirge bekalmt, und infolge davon beob-
achten die demselben ausgesetzten Gegenden ein Fallen des Barometers mit
Windstillen oder leichten Winden, bis der ganze Wirbel von dem hohen Lande
frei ist. Sobald das Centrum der Depression genügend weit nach Süden oder
Südosten vom Kap Horn fortgeschritten ist, machen die drehende Bowegung
und das dieselbe begleitende Wetter sich auf der Oberfläche des Meeres
bemerkbar. Das ist die Zeit, wo der Sturm plötzlich losbricht und dem Schiffe
fee Gefahr bringt, wenn der Führer nicht auf Grund der Anzeigen des
N Geromöters oder anderer meteorologischer Warnungen bereits Vorsichtsmafs-
regeln gegen die plötzlichen und verhängnifevollen Wirkungen des Starmes ge-
troffen hat. In demselben Verhältnis, wie das Centrum der Depression ostwärts
fortschreitet, dreht der Wind sich nach SE und S, bis eine von Westen kom-
mende neue Depression die Wirkung der sich entfernenden aufhebt, wodurch
wieder Windstille oder ein Umspringen des Windes nach NW bei neuem Baro-
meterfall entsteht,
Wenn daher ein -Schiff, welches das Kap so nahe wie möglich von Osten
nach Westen umsegeln will, während der ersten Stunden der der ersten Sturm-
böe vorausgehenden sanften Briese über B-B.-Bug segelt, um nach Südwesten
zu gelangen, so läuft es gerade in einen Theil des Wirbels hinein, wo heftige
westliche bis südwestliche Winde vorherrschen, während dasselbe, wenn es
rasch südostwärts zu gelangen sucht, finden wird, dafs der Wind nach Nord
and NE, ja vielleicht nach SE herumholt, wenn es vor dem Centrum der De-