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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 14 (1886)

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Ueber die Häfen Mobile und Bordeaux, 
Bemerkungen über den Hafen von Mobile und von Bordeaux von 
Kapt, C. Scheibe, Führer der Deutschen Bark „Oberbürgermeister 
von Winter“, 
‘Mittheilung von der Deutschen Seewarte,) ; 
Der Hafen von Mobile könnte für einen der besten am Golf von Mexiko 
gelten, wenn nicht die geringe Wassertiefe in demselben und in der Mobüle-Bai 
die Fahrt der Schiffe dorthin und besonders deren Beladung ganz bedeutend 
arschwerte, Dadurch, dafs die Schiffe zur Zeit nur bis zu einem Tiefgang von 
4,5 m (15 Fuß) an den Werften oder in dem Flufs laden können und genöthigt 
sind, Con Rest der Ladung in dem untern Theil der Bai, dem sogenannten 
„Lower Fleet“, 28 Sm von der Stadt entfernt, einzunehmen, erwächst 
denselben meistens ein grofser Zeitverlust aufser manchen anderen Beschwer- 
lichkeiten und Kosten, die mit diesem Zustande verbunden sind. Im Uebrigen 
ist der eigentliche Hafen bequem; die Schiffe löschen und laden an Werften, 
and Küstenfahrer sowie kleinere Seeschiffe, die nicht über 4,5m (15 Fuß) tief 
gehen, haben keine Veranlassung, zu klagen, um-.so weniger, als die Kosten 
arheblich kleiner wie in den Nachbarhäfen Pensacola, Appalachicola und 
Pascagoula sind. Es wird nun zwar seit einigen Jahren mit großer Anstrongung 
an der Herstellung einer tiefen Fahrrinne gearbeitet; um eine 5,7 m (19 Fuls) 
jiefe Verbindung bei Niedrigwasser zwischen der „Lower Bay“ und dem Mobile- 
Flufs zu erhalten. Die beabsichtigte Vertiefung ist eine Lebensfrage für Mobile, 
ınd da die Stadt das nöthige Geld bewilligt hat, auch kein Grund vorliegt, an 
der Ausführbarkeit des Unternehmens zu zweifeln, so ist wohl anzunehmen, dafs 
mit der Zeit auch gröfsere Schiffe ihre volle Ladung an den Werften der Stadt 
einnehmen und von dort direkt in See gehen können. Dann wird aber Mobile 
der beste Hafen in den Golfstaaten sein und seinen Nachbarhäfen grofsen 
Abbruch thun, besonders auch, weil die hier mündenden Flüsse Mobile und 
Alabama bis weit in das Innere hinein für Flufeschiffe fahrbar sind. Indessen 
nat die zu vertiefende Strecke eine Länge von etwa 25 Sm, und es läfst sich 
deshalb noch nicht absehen, wann die Riesenarbeit vollendet sein wird. Der 
schon vorhin erwähnte Ankerplatz in der unteren Bai nördlich von Mobile Point 
und östlich von der Dauphin-Insel hat eine Wassertiefe von 5,4 bis 18,0 m 
‘8 bis 10 Fad.), doch beträgt dieselbe auf der flachsten Stelle der Barre selten 
mehr als 6,6 m (22 Fufs), weshalb Schiffe mit einem größeren Tiefgang Mobile 
äberhaupt nicht besuchen können. 
Die Einsegelung ohne einen Schleppdampfer ist selbst bei gutem Wetter 
and günstigem Winde nicht zu empfehlen, es sei denn, dafs ein Lotse an Bord 
ist. Nach längere Zeit anhaltendem auslaufenden Strom ist das Wasser auf 
der Barre frisch, und sobald die Schiffo dieses frische Wasser erreichen, 
gehorchen sie meistens nicht mehr dem Ruder, was bei der Enge des Fahr- 
wassers leicht üble Folgen nach sich ziehen kann. Auch in anderen Fällen 
wird eine Ersparnifs an Schlepplohn durch das Einlaufen unter Segel meistens 
nicht erzielt, da die Schleppdampfer doch stets die für alle erforderlichen 
Dienste gültige Taxe von 40 ets, pro Registertonne berechnen. Diese Dienste 
umfassen das Schleppen von der See nach dem Quarantäneplatz bei Mobile Point, 
yon hier nach Mobile, von Mobile zurück nach der unteren Bai und schließlich 
von dort wieder in See, Mit Rücksicht auf die grofse Entfernung der Stadt 
Mobile von der See mufs die Taxe der Schleppdampfer als mäfsig bezeichnet 
werden, besonders wenn man sie mit derjenigen von Pensacola und Appalachicola 
vergleicht, welche Städte viel günstiger und der offenen See näher als Mobile 
gelegen sind. Bei der Quarantäne müssen alle einkommenden Schiffe ankern 
and die Erlaubnis zum Weitersegeln einholen, oder, wenn nöthi befunden, die 
vorgeschriebene Quarantänezeit abliegen. Das Signal für einen Sehleppdampfer 
besteht in zwei Flaggen im Grof(stopp. i 
Die Lotsen von Mobile sind im Besitz .von zwei Gaffelschonern, welche 
weils angestrichen sind und eine Nummer in ihrem Grofessegel führen. Bei 
gutem Wetter kommen die Lotsen den ansegelnden Schiffen einige Seemeilen 
aufserhalb der Barre entgegen; da aber ihre Fahrzeuge nicht seefähig sind, 80
	        
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