Bemerkungen über einige Plätze an der Ostafrikanischen Küste,
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Bemerkungen über einige Plätze an der Ostafrikanischen Küste,
Nach dem Bericht des Geschwaderchefs, Kontre-Admiral Paschen.
ji. Dar-es-Salaam.')
Für die Ansegelung geben die Segelanweisungen hinreichendes Material,
Die Rhede bietet im SW-Monsun gute und geschützte Ankerplätze, nicht aber
im NE-Monsun, gegen welchen sie völllig offen liegt. Schiffe finden während
dieser Jahreszeit gute Ankerplätze in der nördlich gelegenen Msasani-Bai.
Der Hafen ist geräumig und aufserordentlich geschützt, allein die ge-
wundene Kinfahrt ist sehr eng, und wird die Einsegelung durch starken Strom
noch besonders erschwert, Bei gehöriger Betonung oder mit guten Richtbaken
würde es indessen Dampfern auch mit 6m Tiefgang und darüber möglich sein,
bei Hochwasser in den Hafen zu gelangen, Schiffen bis zu 5m bei jedem
Wasserstand, und zwar ist die Zeit des Niedrigwassers die günstigste, weil sich
die Riffe dann ziemlich scharf markiren. Bei Hochwasser sind letztere nicht
zu sehen und für diesen Fall wie für ungünstige Beleuchtung Tonnen und
Baken unerläfslich, da eine Orientirung auf der Karte während des Einlaufens
ausgeschlossen ist. Tonnen auf den Bänken bei North Sand Head, Kast Ferry-
Spitze und auf der 5m- (2% Fad.-) Stelle liegen stets im ruhigen Wasser und
würden daher geringer Gefahr des Vertreibons ausgesetzt sein,
Dar-es-Salaam liegt auf der Nordseite des Hafenbassins und war bo-
kanntlich vom Vorgänger des jetzigen Sultans von Zanzıbar als Hauptstapel-
und Karawanenplatz sowie als Residenz in Aussicht genommen, welches Projekt
Bargasch ben Said indessen fallen gelassen hat, Die halbfertig gebauten
Waaren- und Zollniederlagen, wie ein Palast des Sultans blieben daher unvoll-
endet liegen. Von einem eigentlichen Verfall derselben ist jodoch noch nicht
die Rede. Hinter diesen an dem 10 bis 12m hohen Ufer gelegenen Bauten
schliefst sich die Stadt in regelmäfßsig angelegten Strafsen an. Die Häuser sind
unansehnliche Lehmgebäude mit Strohbedachung, von kleinen Araber- und Hindu-
Kaufleuten sowie von Negern bewohnt. Die Karawanen sind eine Zeit lang
hierher geleitet worden, doch hat jetzt jeder derartige Verkehr aufgehört, und
ist der im Aufblühen begriffen geweseno Ort wieder ganz zurückgegangen,
2, Bagamoyo.*)
Am 11. September ging S. M. S. „Stosch“ nach Bagamoyo und aukerte
daselbst um Mittag, Die Landung erfolgte bei dem ruhigen Wetter ohne jede
Schwierigkeit mit den Schiffsbooten, bei Seewind wird sie jedoch sehr bald
unmöglich. Dennoch soll nach Angabe der Französischen Missionare der Ver-
kehr der Dau’s auch in NE-Monsun ungestört fortbestehen, da der Wind an
der Küste im Allgemeinen schwach ist und fast täglich Pausen eintreten, welche
die Landung gestatten, KEinigen Schutz gewähren die nördlich uwod Südlich
liegenden Bänke bei Niedrigwasser.
Im Uebrigen liegt Bagamoyo am offenen Strande, Schiffe ankern 1,5 bis
2 Sm seewärts und würden beim Laden und Löschen sehr häufig durch Seegang
unterbrochen werden, zo dafs es rationeller bleibt, Zanzibar als Hafen für
Bagamoyo zu benutzen, so lange dieses Endstation der Karawanen bildet.
Die Französische Mission liefert den Beweis, dafs mit den nöthigen
Arbeitern, an denen es hier, wie im Innern ja niemals mangeln wird, der Boden
zu einer enormen Tragfähigkeit gebracht werden kann. Der ca 15 Jahre alte
Park der Mission, dessen Grund bis dahin ausschliefslich mit auszurodendem
Gestrüpp bewachsen war, weist Bäume jeder Art und Größe und eine bedeutende
Kokospalmenpflanzung auf, die einen beträchtlichen Gewinn an Kopra abwirft.
Obst, Gemüse und Gewürze jeder Art werden in beträchtlichen Mengen erzeugt.
Das Ganze gleicht einem großen blühenden Garten.
-) ‚Africa Pilot“ 1884, Part III, S. 308, Findlay’s Indian Ocean 1882, S. 5%,
2) „Africa Pilot“ 1884. Part IL S. 317. Findlay’s Indian Oceau 1882, S. 598,