accessibility__skip_menu__jump_to_main

Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 14 (1886)

Die Marshall-Inseln, 
DOT 
Die Erfolge der Missionsbestrebungen auf den Marskall-Inseln sind schr 
zweifolhafte. Die weilsen Missionare, welche die Mission anf den Inseln ein- 
yerichtet haben, sind von dort fortgezogen und nach anderen Inseln der Südsee 
yegangen, Sie haben ihre Thätigkeit Eingeborenen überlassen, Etwa '/i0 der 
Gesammtbevölkerung ist zum Christenthum bekehrt, d. h. die Kingeborenen 
haben gelernt, Gebete und Sprüche in fremder und auch wohl eigener Sprache 
herzusagen, ohne dafs sie den Sinn davon verstehen, Die Missionare haben den 
Bekehrten auch mitunter Predigten in der Landessprache gehalten, obgleich 
jas Gerücht geht, dafs sie sehr wenig von letzterer verstanden haben; eine 
Bibelübersetzung in der Landessprache ist bis jetzt noch nicht herausgekommen, 
Für das Seolenheil der Eingeborenen haben die Missionare wenig gethan, da- 
zegen haben die Eingeborenen schreiben und lesen gelernt, und wenn auch die 
Erfolge hierin manchmal sehr gering sind, so ist e8 doch das Hervorragendste, 
was die Missionare geleistet haben. Sie haben ferner die Eingeborenen an 
Europäische Kleidungsstücke gewöhnt und dem Import dadurch eine Thüre 
zeöffnet. Die einheimische Kleidung wurde sls unchristlich nach dem Norden 
verwiesen. Alte Sitten und Gobräuche, welche dem christlichen Glauben wider- 
aprechen, haben sie ebenfalls abzuschaffen versucht. Bei manchen ist es ihnen 
gelungen, bei manchen nicht, Dem Gebot z, B., dafs Häuptlinge auch nur eine 
Frau haben dürften, wurde anfangs wohl nachgekommen, jedoch nach und nach 
sind die Häuptlinge wieder zur Vielweiberei zurückgekehrt, Ebenso wenig 
haben die Missionare der dem Volke innewohnenden Unsittlichkeit und ihren 
Lastern Einhalt gebieten können. ; 
Ob die zur Zeit nur durch Eingeborene ausgeübte Mission noch weitere 
Bekehrungserfolge haben wird, und ob die Missionare den Einflula, den sie sich 
angeeignet haben, behalten werden, mufs der Zukunft überlassen bleiben, 
Zum Schlufs noch einige Worte über die Marshall-Inseln selbst. 
Der gesammte Marshall-Archipel besteht aus etwa 30 sogenannten Atollen, 
#. h. ringförmigen Korallenbänken, auf welchen sich wiederum mehrere Inseln 
gebildet haben. Letztere sind in jedem Atoll besonders benannt, ihre Namen 
zind den Eingeborenen auch bekannt, für den Europäer würde 68 unwichtig 
zein, die Namen dieser einzelnen Inseln festzustellen und sich dieselben anzu- 
eignen. Der Eingeborene benennt das Atoll nach der wichtigsten der auf ihm 
liegenden Insel. Neben dem einheimischen Namen besitzen die Atolle noch 
einen fremdländischen, welchen ihnen die Seofahrer der verschiedenen Nationen 
gegeben haben. 
Die auf dem Korallenriff sich erhebenden Inseln sind selten über 6m 
hoch, auf den nördlichen Atollen trifft man höhere Inseln, Die Vegetation ist 
sehr gering und besteht vornehmlich aus der Kokospalme, dem Pandanus- und 
Brodfrucht- und hin und wieder einem Melonenbaum (Momeapple), Der Boden 
ist mit Buschwerk, Schlinggewächsen aller Arten bedeckt; auch wächst die 
Taropflanze und auf den nördlicheren Inseln die Arrowroot in grofßser Menge. 
Yon Blumen wächst nur eine kaktusartige Pflanze, welche eine der Lilie 
ähnliche weißse stark riechende Blüthe trägt. Diese Blüthe und die Blüthe des 
Momeapplo nehmen die Eingeborenen als Schmuck in das Haar, um den Hals 
and in die Ohrlappen; der Fremde zieht auf eingeführter Erde Kürbisse, Gurken, 
Gemüse und einige Blumensorten, auch gedeiht bei richtiger Behandlung die 
Banane, wenn auch spärlich. 
Die einheimische Thierwelt besteht aus einer kleinen Eidechse, Land- 
and Wasser-Krabben, Von Vögeln kommt eine Art Regenpfeifer und Strand- 
{äufer, jedoch nur in geringer Anzahl, vor, 
Eingeführt sind Schweine, Hühner, Enten, Hunde, Katzen, auch sind 
Ratten auf den Inseln zu treffen. Die Thiere verwildern sehr; das Fleisch der 
Hühner, Enten und Schweine hat einen etwas süfslichen Geschmack, da die 
Thiere hauptsächlich mit Kokosnußabfällen gefüttert werden.
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.