Die Marshall-Inseln,
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Die Erfolge der Missionsbestrebungen auf den Marskall-Inseln sind schr
zweifolhafte. Die weilsen Missionare, welche die Mission anf den Inseln ein-
yerichtet haben, sind von dort fortgezogen und nach anderen Inseln der Südsee
yegangen, Sie haben ihre Thätigkeit Eingeborenen überlassen, Etwa '/i0 der
Gesammtbevölkerung ist zum Christenthum bekehrt, d. h. die Kingeborenen
haben gelernt, Gebete und Sprüche in fremder und auch wohl eigener Sprache
herzusagen, ohne dafs sie den Sinn davon verstehen, Die Missionare haben den
Bekehrten auch mitunter Predigten in der Landessprache gehalten, obgleich
jas Gerücht geht, dafs sie sehr wenig von letzterer verstanden haben; eine
Bibelübersetzung in der Landessprache ist bis jetzt noch nicht herausgekommen,
Für das Seolenheil der Eingeborenen haben die Missionare wenig gethan, da-
zegen haben die Eingeborenen schreiben und lesen gelernt, und wenn auch die
Erfolge hierin manchmal sehr gering sind, so ist e8 doch das Hervorragendste,
was die Missionare geleistet haben. Sie haben ferner die Eingeborenen an
Europäische Kleidungsstücke gewöhnt und dem Import dadurch eine Thüre
zeöffnet. Die einheimische Kleidung wurde sls unchristlich nach dem Norden
verwiesen. Alte Sitten und Gobräuche, welche dem christlichen Glauben wider-
aprechen, haben sie ebenfalls abzuschaffen versucht. Bei manchen ist es ihnen
gelungen, bei manchen nicht, Dem Gebot z, B., dafs Häuptlinge auch nur eine
Frau haben dürften, wurde anfangs wohl nachgekommen, jedoch nach und nach
sind die Häuptlinge wieder zur Vielweiberei zurückgekehrt, Ebenso wenig
haben die Missionare der dem Volke innewohnenden Unsittlichkeit und ihren
Lastern Einhalt gebieten können. ;
Ob die zur Zeit nur durch Eingeborene ausgeübte Mission noch weitere
Bekehrungserfolge haben wird, und ob die Missionare den Einflula, den sie sich
angeeignet haben, behalten werden, mufs der Zukunft überlassen bleiben,
Zum Schlufs noch einige Worte über die Marshall-Inseln selbst.
Der gesammte Marshall-Archipel besteht aus etwa 30 sogenannten Atollen,
#. h. ringförmigen Korallenbänken, auf welchen sich wiederum mehrere Inseln
gebildet haben. Letztere sind in jedem Atoll besonders benannt, ihre Namen
zind den Eingeborenen auch bekannt, für den Europäer würde 68 unwichtig
zein, die Namen dieser einzelnen Inseln festzustellen und sich dieselben anzu-
eignen. Der Eingeborene benennt das Atoll nach der wichtigsten der auf ihm
liegenden Insel. Neben dem einheimischen Namen besitzen die Atolle noch
einen fremdländischen, welchen ihnen die Seofahrer der verschiedenen Nationen
gegeben haben.
Die auf dem Korallenriff sich erhebenden Inseln sind selten über 6m
hoch, auf den nördlichen Atollen trifft man höhere Inseln, Die Vegetation ist
sehr gering und besteht vornehmlich aus der Kokospalme, dem Pandanus- und
Brodfrucht- und hin und wieder einem Melonenbaum (Momeapple), Der Boden
ist mit Buschwerk, Schlinggewächsen aller Arten bedeckt; auch wächst die
Taropflanze und auf den nördlicheren Inseln die Arrowroot in grofßser Menge.
Yon Blumen wächst nur eine kaktusartige Pflanze, welche eine der Lilie
ähnliche weißse stark riechende Blüthe trägt. Diese Blüthe und die Blüthe des
Momeapplo nehmen die Eingeborenen als Schmuck in das Haar, um den Hals
and in die Ohrlappen; der Fremde zieht auf eingeführter Erde Kürbisse, Gurken,
Gemüse und einige Blumensorten, auch gedeiht bei richtiger Behandlung die
Banane, wenn auch spärlich.
Die einheimische Thierwelt besteht aus einer kleinen Eidechse, Land-
and Wasser-Krabben, Von Vögeln kommt eine Art Regenpfeifer und Strand-
{äufer, jedoch nur in geringer Anzahl, vor,
Eingeführt sind Schweine, Hühner, Enten, Hunde, Katzen, auch sind
Ratten auf den Inseln zu treffen. Die Thiere verwildern sehr; das Fleisch der
Hühner, Enten und Schweine hat einen etwas süfslichen Geschmack, da die
Thiere hauptsächlich mit Kokosnußabfällen gefüttert werden.